Auf zu neuen Ufern! Schritt für Schritt zur Karriere im Ausland

von in Bewerbung, Jobsuche am Dienstag, 20. September 2011 um 11:05

Auswandern? Warum nicht! Wen packt auch nicht die Reiselust, bei Destinationen wie Australien, Amerika oder sogar Südafrika. Auswandern liegt bei den Österreichern im Trend. Alleine 2010 verließen 20.299 Mitbürger das Land, um neue Herausforderungen zu suchen. Was sind aber die beliebtesten Zieldestinationen der Österreicher? Warum verlässt man seine Heimat eigentlich? karriere.at hat drei Auslandsösterreicher befragt: Welche Herausforderungen und Hürden mussten sie meistern, um in der Fremde bestehen zu können? Außerdem: Eine Checkliste mit Tipps und Links für alle, die es ebenfalls ins Ausland zieht!

Weitere Artikel zum Thema

Arbeiten im Ausland liegt im Trend. Für die Karriere in der Ferne schrecken Herr und Frau Österreicher auch vor langen Entfernungen nicht zurück. Dass der Auslandsaufenthalt aber auch mit einigen Herausforderungen verbunden ist, vergessen bei der anfänglichen Euphorie viele. karriere.at hat nachgefragt: Welche Herausforderungen gilt es im Vorfeld zu meistern und was kommt in der neuen Heimat auf Auswanderer zu? Drei Auslandsösterreicher haben uns von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen in der Ferne berichtet.

Der Trend – weg vom Unbekannten hin zur Ähnlichkeit

USA, Australien oder Südafrika – zieht es die österreichischen Möchtegern-Auswanderer am häufigsten in wärmere Gefielde? Keineswegs. Denn das beliebteste Auswanderungsziel der Österreicher ist laut Wanderungsstatistik der Statistik Austria: Deutschland (15 Prozent). Den Daten zufolge haben im letzten Jahr exakt 20.299 Österreicher ihr Land verlassen. 768 Personen weniger als im Jahr davor. „2009, das Jahr der Wirtschaftskrise, hat auch eine rege Auswanderungswelle mit sich gebracht“, weiß Mag. Alexander Wisbauer, zuständiger Fachexperte der Statistik Austria. Seit Jahren zieht es aber mehrere hundert Landsleute konstant in ferne Traumziele. „Besonders Länder in Asien, Ozeanien und Lateinamerika waren in diesem Jahr Zieldestination zahlreicher Österreicher.“ Mit ein Grund seien hier auch die niedrigen Lebenshaltungskosten. In Krisenzeiten sei dieser Faktor mitentscheidend bei der Auswahl des Landes.

Der Trend geht aber klar in Richtung deutschsprachiger Länder. Deutschland und die Schweiz waren im letzten Jahr die beliebtesten Auswanderungsländer der Österreicher. „Die gleiche Sprache und eine ähnliche Kultur mindern die Hemmschwelle der Auswanderer“, erklärt Wisbauer. Unter den Favoriten der Österreicher sind auch die Vereinigten Staaten (498 Personen) und Großbritannien (421 Personen). Die USA konnten zwischen 2002 und 2010 ihre Zahl an österreichischen Einwanderern beinahe verdoppeln.

Abenteuerlust oder die Suche nach neuen Herausforderungen

Die Gründe für das Auswandern sind vielfältig. Die häufigsten laut der Studie Berlitz Global Expatriates Observatory 2010:

  • Die Möglichkeit zu reisen (80 Prozent)
  • Die Chance Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern (76 Prozent)
  • Ausbruch aus der Alltagsroutine (71 Prozent)
  • Ein Erlebnis für die Familie (52 Prozent)

Die Abenteuerlust und neue Herausforderungen treiben Österreicher ins Ausland. Dabei müssen sie auch diverse Probleme bewältigen, wie Sprache, Kultur sowie die eigene Integration in den neuen Berufsalltag. karriere.at hat drei Auslandsösterreicher befragt, wie sie ihren Alltag meistern.

Karriere im Ausland – wir haben es geschafft!

Auswandern und die Karriere im Ausland starten ist nicht immer einfach. Barbara Auer ging zum Studieren ins Ausland und schaffte es durch ein Praktikum am amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Auch der Bauingenieur Stefan Weissenböck (über den wir an anderer Stelle bereits berichtet haben) hat in den Monaten seit unserem letzten Interview große Veränderungen erlebt. Von der Privatwirtschaft in Deutschland zog es ihn als Assistent und Dissertant an die Universität nach Zürich. Werbeagentur-Geschäftsführer Paul Lanzerstorfer suchte das Abenteuer, als er im August nach Neuseeland ging und fand eine neue Herausforderung: Er verstärkt das Unternehmen Room9 mit seinem Online-Marketing Know-how! Alle drei sind vom Typ und Charakter her komplett unterschiedlich. Und doch haben sie einiges gemeinsam:

Faszination
Faszination kann sowohl Fluch als auch Segen sein. Man hat ein konkretes Bild eines Landes und wie das Leben dort sein kann. Weicht aber die Realität von der Vorstellung ab, kann sich schnell Ernüchterung einstellen.

Barbara Auer:
Das neue Land übte eine irrsinnige Faszination auf mich aus. Eines lernte ich aber sehr schnell: Urlaub in einem Land zu machen bzw. in einem Land zu leben und Leute und Kultur kennenzulernen, sind zwei Paar Schuhe!

Stefan Weissenböck: Man erweitert seinen Horizont, ist zunächst selbst „fremd“ in seiner neuen Wahlheimat und lernt unterschiedlichste Lebensbilder kennen. Zudem geht man im Bestreben, sich wieder ein neues soziales Umfeld aufzubauen, viel offener auf Menschen zu, als man das vielleicht in der Heimat tun würde.

Paul Lanzerstorfer: Wir haben uns natürlich vorher über Neuseeland erkundigt und erst dabei festgestellt, wie wenig wir tatsächlich darüber wussten.

Barbara Auer

Bürokratie
Bürokratie gibt es leider nicht nur in Österreich! Auch andere Länder haben Auflagen, die es gerade Auswanderern erschweren auf dem neuen Markt Fuß zu fassen.

Paul Lanzerstorfer: Die meisten Bewerbungen in die USA blieben unbeantwortet und für die meisten Firmen war es zu aufwändig, einen Ausländer anzustellen. In den Staaten muss die Einstellung gerechtfertigt werden, was mit einigem juristischen Aufwand verbunden ist.

Barbara Auer: Der Prozess der Arbeitsaufnahme ist seit der Finanzkrise äußerst schwierig. Man kommt fast an kein „Interview“ ran, ohne vor Ort zu sein. Die Schlussfolgerung für mich: Ich muss in die USA und von dort aus aktiv sein.

Neuland
Von einem Fettnäpfchen ins nächste. Da tut man sich als Ausländer in einem neuen Land ganz besonderns leicht! Wie ist die neue Kultur und wie geht man damit um?

Stefan Weissenböck: Die Kulturunterschiede zwischen Österreich und der Deutschschweiz sind nicht allzu groß. In der Arbeitswelt gab es jedoch einen deutlichen Unterschied, der mir beim Wechsel von Deutschland in die Schweiz aufgefallen ist: In Deutschland hat man eine andere Kritik-Kultur, als dies in der Schweiz üblich ist.

Paul Lanzerstorfer: Neuseeländer sind extrem warmherzig und freundlich. Hier kann es sehr leicht passieren, dass man etwas verloren herumsteht und sofort jemand fragt, ob er helfen kann. Jeder spricht sich hier von Anfang an mit dem Vornamen an, was ich als sehr angenehm empfinde.

Barbara Auer: Die Amerikaner nehmen einen sehr herzlich auf, dennoch entpuppt sich die Freundlichkeit auch als Oberflächlichkeit. Die Frage: „How are you?“ ist als Catch-Phrase zu betrachten. Keiner fragt wirklich, wie es dir denn heute so geht.

Stefan Weissenböck

Arbeit und kleine Überraschungen
Es ist nicht leicht eine passende Stelle zu finden. Weder hier noch im Ausland. Und doch gibt es auch immer wieder kleine Überraschungen in der fremden Arbeitswelt, die Eindruck hinterlassen.

Barbara Auer: Was bei mir einen bleibenden Eindruck hinterließ, ist die Hilfsbereitschaft der Amerikaner. Trotz des immensen Wettbewerbs und der temporeichen Umgebung vergessen Amerikaner nicht, sich auch sozial zu engagieren. Entweder durch Spenden oder durch ehrenamtliche Arbeit.

Paul Lanzerstorfer: Die Anfangsphase in neuen Aufgaben ist naturgemäß immer etwas aufregend. Natürlich muss ich mich in die bestehenden Gepflogenheiten erst eingewöhnen.

Stefan Weissenböck: Ich habe hier ein sehr förderndes und gleichzeitig forderndes Umfeld. Zudem lernt man im Rahmen einer Dissertation auch analytisch zu denken und Prozesse zu strukturieren. Die Lehrtätigkeit und die enge Zusammenarbeit mit Studenten ist durchaus lehrreich und hilft einem sicherlich, im späteren Berufsleben Personalverantwortung zu übernehmen.

Paul Lanzerstorfer

Pläne
Wie sehen die Zukunftspläne der Österreicher aus? Rückkehr in die Heimat oder haben sie ihr neues Heimatland gefunden?

Stefan Weissenböck: Innerhalb der nächsten drei Jahre möchte ich meine Dissertation hier an der ETH Zürich abschließen und danach wieder zurück in die Privatwirtschaft wechseln. Wohin dann die Reise geht, darüber mache ich mir derzeit noch keine Gedanken.

Barbara Auer: Ich möchte mit Arbeitseintritt im Oktober (Ja, in den USA) meine Karriere fördern, mich neuen Aufgaben widmen und daran wachsen – denn „Learning is a lifelong process“. Und ansonsten möchte ich einfach glücklich sein, gesund und zufrieden.

Paul Lanzerstorfer: Im Moment habe ich keine weiteren Pläne. Auswandern? Da halte ich mich an James Bond: „Sag niemals nie.“

Die vollständigen Interviews mit Barbara Auer, Stefan Weissenböck und Paul Lanzerstorfer können Sie downloaden indem Sie auf den Namen der Person klicken.

Sei wie ein Chamäleon – Pass dich deiner Umgebung an!

Verblüffend, eindrucksvoll und teilweise lehrreich. Die Erfahrungen der drei Auslandsösterreicher lassen niemanden kalt. Die Jobsuche erweist sich meist als schwierig. Es fehlte auch das manchmal essentielle Vitamin B. Um im Ausland zu bestehen, muss man flexibel sein und sich an Gegebenheiten anpassen. Flexibilität gehört zu den wichtigsten Must-Haves für den Schritt ins Ausland.

So hat es auch Barbara Auer geschafft, das Unmögliche möglich zu machen. Ab Oktober hat sie eine fixe Anstellung in den USA. Auch Stefan Weissenböck hat sich nicht auf fixe Vorgaben beschränkt. Den Schritt aus der Privatwirtschaft zurück an die Uni, sieht er als langfristigen Fortschritt. Er nutzt seine jetzigen Studien-Erfahrungen, um erfolgreicher im Berufsleben zu werden. Paul Lanzerstorfer war bei der Länderwahl sehr flexibel und ist nun sehr froh über seine Entscheidung, Neuseeland dem Traumland Amerika vorgezogen zu haben.

Die Auslands-Checkliste

Packen einen Abenteuer- und Reiselust, sind die richtigen Vorbereitungen entscheidend. Dazu ist es hilfreich, einen detaillierten Zeitplan und zusätzlich eine Checkliste mit allen wichtigen Punkten zu haben. Natürlich ist die Vorbereitung auf jedes Land individuell, da auch die bürokratischen Wege unterschiedlich sind. karriere.at hat eine Checkliste zusammengestellt, die Sie gerne als Vorlage nutzen können.

Folgende Punkte gehören zu einer guten Vorbereitung unbedingt dazu:

  • Dokumente
  • Abmeldung Österreich / Anmeldung Ausland
  • Arbeitsgenehmigung und Visum
  • Bankkonten
  • Gesundheit
  • Verträge
  • Organisation

Sie können die komplette Liste hier als PDF downloaden!

Links und Anlaufstellen

Wichtige Anlaufstellen und weitere Informationen zum Thema „Auswanderung und Karriere im Ausland“ finden Sie hier:

Informationen:

österr. Außenministerium
Auslandsösterreicher
Raphaels Werk – Betreuung Menschen unterwegs
Anmeldung im Ausland

Arbeit im Ausland:

offizieller Amtshelfer Österreich – help.gv.at
Eures – European Employment Service

Studenten:

Studienbeihilfe
Auslandsstudium
Praxisbroschüre für Auslandsstudien
ERASMUS

Blogs:

wohin-auswandern.de
auswandertips.com
auswandern-portal.de
auswandern-weltweit.info

Fehlt noch ein wichtiger Link in unserer Sammlung? Helfen Sie zukünftigen Auswanderern mit Ihrem Wissen! Haben auch Sie schon im Ausland gearbeitet? Welche Erfahrungen konnten Sie machen? Wir freuen uns auf Ihre Berichte!

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren