Internationale Karriere mit Kind – ein Ding der Unmöglichkeit?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 17. März 2016 um 11:26

Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, das ist immer herausfordernd. Besonders schwierig wird es aber, wenn Frauen mit Familie eine internationale Karriere anstreben. Ob beide Wünsche parallel zu realisieren sind, hat ein Forschungsprojekt der Johannes Kepler Universität untersucht. Das Ergebnis: Im Ländervergleich haben es österreichische Frauen besonders schwer.

Eine internationale Karriere bringt viele Herausforderungen mit sich, z.B. Reisetätigkeiten. Iris Fischlmayr und Katharina Puchmüller vom Institut Internationales Management an der JKU verglichen die Situation betroffener Frauen aus Österreich, Kanada, Kolumbien und Taiwan. Auf alle Länder trifft zu, dass Frauen nach wie vor einen Großteil der Kinderbetreuungsaufgaben und der Hausarbeit übernehmen. Befinden sich Frauen auf Dienstreise im Ausland, springen Partner, Familie, Freunde oder Unternehmen ein und übernehmen die familiären Aufgaben.

Überraschend: In Ländern, in denen traditionellere Frauenrollen vorherrschen, werden Frauenkarrieren eher anerkannt.

Wie intensiv die Frauen von ihren Helfern unterstützt werden, fällt von Land zu Land allerdings sehr unterschiedlich aus. Überraschend ist, dass in Ländern mit traditionellerem Frauenbild, z.B. Taiwan oder Kolumbien, internationale Frauenkarrieren eher akzeptiert werden. „Im Gegensatz dazu sehen sich Frauen in Österreich besonders häufig mit Stereotypen und wenig sozialer Akzeptanz aus der Gesellschaft konfrontiert, wenn sie sowohl eine internationale Karriere als auch Familie haben“, so Fischlmayr.

Von anderen lernen: In Österreich besteht bei der Kinderbetreuung definitiv Nachholbedarf!

In Kolumbien funktioniert die Kinderbetreuung trotz wenigen Betreuungseinrichtungen besser, in Taiwan sind Kindergarten & Co. den teilweise sehr langen Arbeitszeiten nicht angepasst – trotzdem schneiden Frauen dieser Länder im Vergleich besser ab – warum? Ein Grund liegt in der Großfamilie, die in diesen Ländern nach wie vor einen Großteil der familiären Pflichten übernimmt. In Österreich ist das nicht die Regel. Auch die staatliche Betreuung für Kinder ist nicht flächendeckend vorhanden. Darüber hinaus sind Arbeitgeber oft nicht ausreichend sensibilisiert, was Unterstützungsmaßnahmen für vielreisende Frauen betrifft. „Flexiblere Arbeitszeiten vor und nach Reisen, ein Betriebskindergarten oder Krabbelstuben mit längeren Öffnungszeiten würden hier helfen“, schlägt Fischlmayr daher vor.

Laut Studie sehen die betroffenen Österreicherinnen die Vereinbarkeit von Familie und Karriere allerdings nicht als Bürde, sondern als Vorbildfunktion für ihre Kinder und Bereicherung für sich selbst. Die Forschungsarbeiten zu diesem Thema gehen weiter, im nächsten Schritt wird die Nationalitätenvielfalt weiter ausgebaut und ein stärkerer Fokus auf Unterstützungsmaßnahmen durch Arbeitgeber und Staat gelegt.

Bildnachweis: Capricorn Studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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