Karriere als Expatriate: „Regionale Grenzen sind oft nur eine Sache der Perspektive.“

von in HR, Jobsuche am Dienstag, 28. September 2010 um 12:07

Sie sind jung, motiviert, gut ausgebildet. Und werden immer mehr. Die Rede ist von so genannten Expatriates, also Arbeitskräften, die von ihren Unternehmen für eine bestimmte Zeit Karriere im Ausland machen. Studien schätzen ihre derzeitige Zahl weltweit auf rund 1,5 Millionen. Was aber bewegt junge Manager, abgesehen von guter Bezahlung, sich auf eine völlig neue Umgebung einzustellen? karriere.at sprach darüber mit Stefan W. (28), einem jungen Bauingenieur aus Oberösterreich, der derzeit im deutschen Ruhrgebiet lebt, um dort für einen großen Baukonzern zu arbeiten. Zuvor verbrachte er mehrere Monate in Rom. Ab Herbst wird er seine beruflichen Zelte in Zürich aufschlagen.

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karriere.at: Was waren Ihre Beweggründe, ins Ausland zu gehen?
Stefan W.: Bei mir war es in erster Linie die Herausforderung des Jobs. Bei den Jobmöglichkeiten in Österreich wurden mir meine neben dem Studium erworbenen Berufserfahrungen weniger anerkannt und so haben sich im Ausland für mich attraktivere Möglichkeiten ergeben.

karriere.at: Sie treten im Herbst Ihre dritte Auslands-Station an. Kann man „süchtig“ nach Auslands-Jobs werden? Verliert das Heimatland mit der Zeit im Ausland an Reiz?
Stefan W.: Aus meiner Sicht verliert das Heimatland nicht unbedingt an Reiz. Ich achte laufend darauf, was in Österreich passiert und ob sich für die weitere Zukunft Möglichkeiten ergeben, die interessant sein könnten. Zudem lese ich auch im Ausland regelmäßig österreichische Medien und informiere mich über die Vorgänge in der Heimat. Natürlich ist man aber – wenn man einmal den Schritt ins Ausland gewagt hat – auch für andere „Aus-Länder“ offen und beobachtet nicht nur die Entwicklungen am Heimatmarkt, sondern am gesamten Kontinent oder gar weltweit.

karriere.at: Welche Rolle spielen die Grenzen der Nationalstaaten für Sie?
Stefan W.: Man sieht diese eindeutig relativer. Wenn man beispielsweise in ein Mitgliedsland der Europäischen Union wechselt, weiß man zweifelsfrei deren Vorteile zu schätzen, wenn auch natürlich nicht alles so funktioniert, wie man es von zuhause kennt. Aber alleine die Vergleichbarkeit der Preise in den Ländern, die den Euro als Währung nutzen, das automatische Aufenthaltsrecht, die einem Inländer weitestgehende Gleichbehandlung im Arbeitsrecht oder schlicht die zollfreie Einfuhr von Hausratsgütern beim Umzug vereinfachen unheimlich viel. Für mich sind regionale Grenzen oft nur eine Sache der Perspektive. In der kleinen Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, spielt es schon eine Rolle, aus welchem Ortsteil man kommt. Auf Österreich bezogen ist es oft Thema, aus welchem Bundesland man stammt. Befindet man sich aber am anderen Ende der Welt, fühlt man sich jedoch wiederum anderen Europäern in gewisser Weise gleich nahe.

karriere.at: Wie sieht es mit sprachlichen Hürden aus?
Stefan W.: Die sprachliche Hürde lässt sich aus meiner Sicht viel leichter überwinden, als man dies vermuten möchte und stellt nur zu Beginn eine tatsächliche Hürde dar.

karriere.at: Mit welchen Schwierigkeiten sieht man sich konfrontiert, wenn man für einen Job ins Ausland wechselt? Wie steht es beispielsweise um soziale Kontakte?
Stefan W.: Ich kann jedem, der ins Ausland wechselt, nur empfehlen, sich möglichst engagiert um ein Umfeld außerhalb der Arbeit zu bemühen. Sofern es Vereinsstrukturen gibt, bilden diese etwa eine gute Möglichkeit, um mithilfe seiner Hobbys Kontakte zu knüpfen. Wechselt man an Orte, an denen es auch ein österreichisches Konsulat gibt, ist es auch ganz hilfreich, sich in die österreichische Gemeinschaft zu integrieren. Um soziale Netzwerke zu knüpfen, braucht es eben meist einen gewissen Ausgangspunkt, der dann mitunter auch in derselben Nationalität liegen kann.

karriere.at: Wie wirken sich Jobs im Ausland Ihrer Meinung nach auf den Lebenslauf und auf weitere Karrierechancen aus?
Stefan W.: Aus meiner Sicht ist das davon abhängig, was jemand macht beziehungsweise welche Perspektive jemand in seinem Leben hat: Bewegt man sich in einem sehr internationalen Geschäftsfeld und findet der Wettbewerb zwischen den Unternehmen auf internationaler Ebene statt, ist eine gewisse Auslandserfahrung und eine im Lebenslauf nachweisbare Flexibilität sicher förderlich.

Bei karriere.at finden sich immer wieder Angebote, bei denen Unternehmen gezielt nach Experten für zeitlich begrenzte, berufliche Auslandsaufenthalte suchen. Derzeit beispielsweise der Softwarekonzern Fabasoft.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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