Kind und Karriere: Was kostet die Auszeit vom Job?

von in Arbeitsleben, Gehalt am Donnerstag, 21. Juli 2016 um 10:35

Kurze Karenz oder lange Karenz? Die Entscheidung darüber wird auch aus wirtschaftlichen Gründen gefällt. Mit welchem Modell und welchem Zeitpunkt der Rückkehr in den Job steigen Frauen am besten aus? Eine Studie hat untersucht, ob Frauen, die das längste Karenzmodell in Anspruch nehmen, langfristig finanziell schlechter aussteigen.

Bei der Frage nach der Dauer der Elternzeit spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle. Ist die Angst, durch lange Karenzzeiten finanzielle Einbußen zu erleiden, berechtigt? Verpassen Frauen während langer Karenz eventuell Karrierechancen? Dieser Frage gingen Sylvia Frühwirth-Schnatter, Leiterin des Instituts für Statistik und Mathematik an der WU Wien, ihre Kolleginnen Helga Wagner von der Uni Linz und Liana Jacobi von der University of Melbourne nach.

Untersucht wurden dafür die Einkommensdaten und Karenzzeiten von insgesamt 31.000 österreichischen Müttern. Zur Anwendung kam dabei ein Modell, das mittels eines lernfähigen Algorithmus Antworten auf die Frage „Was wäre, wenn?“ geben kann. So ist es möglich, herauszufinden, ob Frauen mit Karenzzeiten von 18 Monaten oder länger einen Vorteil gehabt hätten, wenn sie sich für ein kürzeres Karenzmodell entschieden hätten. Mit dem Modell lässt sich auch berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich Eltern für eine Karenzvariante entscheiden.

Durchschnittlich 4.700 Euro jährlich verdienen östereichische Frauen nach ihrem Wiedereinstieg weniger. Dass Mütter meist in Teilzeitarbeit in ihren Job zurückkehren, ist einer der Gründe dafür. Drei Jahre nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz reduzieren sich diese Einbußen wieder. Auch wenn Kinder ins Schulleben starten, sieht es für Mütter finanziell wieder rosiger aus.

Karriereperspektiven beeinflussen Wahl der Karenzzeit

Bei der Entscheidung für eine kurze oder lange Karenzzeit haben Frauen laut vorliegender Studie ihre Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten genau im Blick. Jene Mütter, die 18 Monate oder mehr in Karenz bleiben, tragen laut Studie finanziell auch keinen Schaden davon. „Dies erklärt sich in der Regel dadurch, weil diese Frauen vor der Karenz keinen Karriere- oder Gehaltssprung in Aussicht hatten“, sagt WU-Professorin Frühwirth-Schnatter.

Wer hingegen nur eine kurze Karenz in Anspruch nimmt, tut das aus gutem Grund: bei einer längeren Auszeit würden diese Frauen nämlich sehr wohl finanzielle Einbußen erleiden. „Wir sehen aus heutiger Sicht, dass Frauen, die im Untersuchungszeitraum nur kurz in Karenz waren, tatsächlich langfristig finanzielle Einbußen von 15 Prozent gehabt hätten, weil sie Karrierechancen nicht wahrnehmen und somit den ‚Sprung‘ nicht machen hätten können“, erklärt Frühwirth-Schnatter. Wer sich für ein kurzes Karenzmodell entscheidet, gehört meist zu den Besserverdienern. Die Entscheidung für eine kurze Elternzeit wurde demnach bewusst gefällt, damit Karrierechancen im Job wahrgenommen werden können.

Arbeiterinnen haben das Nachsehen

Vergleicht man Angestellte mit Arbeiterinnen, haben letztere schlechtere Karten: Sie müssen nach ihrer Rückkehr rund zehn Prozent stärkere Einbußen hinnehmen – unabhängig von der Länge ihrer Karenz und dem Verdienst davor. Für alle Wiedereinsteigerinnen gilt jedoch: Bei Rückkehr zum selben Arbeitgeber steigt man finanziell besser aus, als beim Start in einem neuen Unternehmen.

Bildnachweis: Africa Studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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