Karenz in der Praxis: Vier wahre Stories

von in Arbeitsleben am Montag, 10. März 2014 um 11:44

Das Thema der Karenzen ist ein spannendes: Zum einen, weil es nun die neuen Karenzmodelle gibt, zum anderen, weil eine Karenz alle Betroffenen vor eine große Herausforderung stellt: die Eltern, die Haushaltskasse und nicht zuletzt die Kollegen. Die Theorie ist bei diesem Thema nicht einfach – es gibt zahlreiche Modelle, die die Babypause von Müttern aber auch Vätern regeln. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Was sind die Vor- und Nachteile? Wir haben nachgefragt und zwar bei denen, die es wissen müssen: den Eltern.

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Der richtige Zeitpunkt?

Den richtigen Zeitpunkt für die Familienplanung gibt es selten bis nie – und wenn es ihn gibt, ist schon die Frage, ob Mutter Natur auch mitspielt. Die Fragen, die sich Familien stellen, lautet: Wie lange geht wer in Karenz? Das Thema der Väterkarenz ist hierbei eines der heißesten Eisen. Aber auch der Wiedereinstieg in den Job sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden diskutiert. Vier Betroffene erzählen:

Fall 1: Ein Jahr einkommensabhängig

Einkommensabhaengige KarenzFür IT-Systemadministratorin Beate Heilingbrunner war die Entscheidung für das einkommensabhängige Karenzmodell keine schwierige: Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie sich für das Modell 12+2 entschieden, Ehemann Clemens war zwei Monate zu Hause. „Grundsätzlich war das eine super Entscheidung und hat gut gepasst. Das einzige Problem war die Kinderbetreuung nach der Karenz, weil die Krabbelstube bei uns im Ort Kinder erst ab eineinhalb Jahren nimmt.“ Als Lösung gibt es neben den Großeltern – „Ohne Oma wäre das nicht gegangen“ – nun eine private Betreuung in Linz. Auch beim zweiten Kind, welches sich mittlerweile schon sichtbar ankündigt, wird die Familie wieder das einkommensabhängige Karenzmodell wählen. „Für uns ist das das ideale Modell und wir hatten Glück, dass wir unseren Sohn mit einem Jahr so problemlos in Fremdbetreuung geben konnten. Wichtig ist, dass das Kind auch mitspielt“, so Heilingbrunner.

Fall 2: Zwei Monate Väterkarenz

Gerald Plankenauer

Gerald Plankenauer

Der Controller Gerald Plankenauer war vor knapp zwei Jahren einer der Väterkarenz-Vorreiter in seinem Unternehmen. „Jetzt fällt auf, dass immer mehr Männer in Väterkarenz gehen.“ Plankenauer war zwei Monate zu Hause, der Arbeitgeber hat ihn dabei unterstützt. „Das Tolle war, dass meine Freundin in der Zeit auch zu Hause war und wir so als Familie zusammenwachsen konnten. Wenn man ein Kind bekommt, verändert das alles, und durch die gemeinsame Zeit haben wir rasch als Familie zusammen gefunden.“ Die Erfahrung der Väterkarenz kann Plankenauer nur jedem Mann empfehlen, „ich würde es sofort wieder machen, wenn wir ein zweites Kind bekommen.“

Fall 3: Alte und neue Regelung

Karenz FamilieDie Grafikerin Anita Eglauer kennt sowohl das alte als auch das neue Karenzmodell. Bei ihren ersten beiden Kindern (14 Jahre und 10 Jahre) war sie jeweils eineinhalb Jahre zu Hause, bei dem jüngsten Kind (2 Jahre) entschied sie sich für das neue, einkommensabhängige Modell. Ihr Fazit: „Das einkommensabhängige Modell war toll, finanziell ging es mir besser als vorher mit einer 20-Stunden-Anstellung. Der finanzielle Einbruch kam erst nach diesem einen Jahr.“ Für sie war es gut, „nur“ ein Jahr weg vom Job gewesen zu sein. „Je nach Branche tut sich in einem Jahr viel Neues, so hatte ich nicht viel Bammel, als ich wieder eingestiegen bin.“ Aktuell arbeitet Eglauer Teilzeit (30 Stunden), einen Posten als Art Director hat sie abgelehnt. „Die Work-Life-Balance wird mit jedem Kind wichtiger, da darf nicht der Beruf an erster Stelle stehen. Denn die Kinder sind am Abend auch da. Es gibt zwar den Papa und die Oma, der Dreh- und Angelpunkt bin aber ich.“

Fall 4: Die „klassische“ Version

VaeterkarenzThomas Olbrich und seine Frau haben drei Söhne (5 Jahre, 3 Jahre und 6 Monate), bei der Kinderbetreuung haben sie sich für das jeweils längste Modell entschieden. „Es gab die Grundentscheidung, dass jemand von uns lange bei den Kindern bleibt. Meine Frau wollte auf jeden Fall daheim bleiben, deshalb ist die Aufteilung bei uns eher klassisch. Ich wäre zwar gern in Väterkarenz gegangen, leider hat es sich beruflich nie optimal ergeben“, so Olbrich. Einzig beim ersten Kind war der HR-Manager drei Monate in Bildungskarenz, durch die Krise war die Karenzzeit von seinem damaligen Arbeitgeber sogar erwünscht. „Später war es so, dass es einfach nicht mehr gepasst hätte. Wir haben das gemeinsam so entschieden, es war also stets unsere Entscheidung, und nie die vom Arbeitgeber.“ Für die Bindung zum Kind ist gemeinsame Zeit das wichtigste, das hat Olbrich nicht nur in seiner kurzen Auszeit erlebt. „Wenn man als Mann nicht in Väterkarenz gehen kann, muss man trotzdem schauen, sich viel gemeinsame Zeit mit den Kindern freizuschaufeln. Irgendwie ist das immer möglich.“

Bildnachweis: Dmitry Kalinovsky /Quelle Shutterstock, Nazarenko Andrii /Quelle Shutterstock, ToskanaINC /Quelle Shutterstock, Tom Gowanlock /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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