Kälte im Büro: Heiß gekocht oder kalt geschüttelt

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Donnerstag, 2. Februar 2012 um 10:49

Europa wird derzeit von einer unappetitlichen Kaltfront (Heimat des Ungemachs wird in Sibirien vermutet) heimgesucht und noch ist kein Ende in Sicht. Auch in Österreich friert das Volk, insbesondere am Arbeitsplatz, wo es höheren Mächten – ergo den Arbeitgebern – ausgesetzt ist. Diese sind nicht selten der Meinung, dass eine gesunde Kälte noch niemandem geschadet hat. Nicht zuletzt auch ihrem eigenen Geldbeutel. karriere.at-Autorin Rita Obergeschwandner informiert: Gibt es Kälte-Richtlinien an Österreichs Arbeitsplätzen? Außerdem: Wärmste Empfehlungen, wie man im Job nicht auskühlt.

Ein Gastartikel von Rita Obergeschwandner

Das Büro ist kein Camp für Überlebenstraining

Büros mit mehr als einer InsassIn bergen besonders im Winter vorhersehbares Konfliktpotenzial. Da kämpft die Frischluftfanatikerin für jeden Millimeter offenes Fenster, der Warmduscher murmelt in seinen Pelzschal und nippt im Sekundentakt anklagend an seinem Tee. Laut Arbeiterkammer gilt: Büroräume in denen die MitarbeiterInnen hypnotisch vor den Computern sitzen, müssen mit 19-25 Grad Celsius eine Temperatur deutlich über dem Gefrierpunkt aufweisen. Der regelmäßige Gang zum Kopierer gilt nicht als hohe körperliche Belastung und ist keine Indikation für ein generelles Absenken der Raumtemperatur. ArbeitnehmerInnen die sich mehr bewegen (normale körperliche Belastung) haben ein Anrecht auf eine Raumtemperatur zwischen 18 und 24 Grad. Stärker körperlich arbeitende Personen dürfen bei mindestens 12 Grad ins Schwitzen kommen.

Energiesparwochenenden liegen im Trend

Nicht selten folgt nach einem erholsamen Wochenende die kalte Überraschung: Die am Freitag noch wohltemperierte Arbeitskajüte hat sich in einen Iglu verwandelt. Die Arbeiterkammer lehrt: ArbeitgeberInnen sind verpflichtet den Arbeitsräumen Wärme zuzuführen. Dies muss so erfolgen, dass schon bei Arbeitsbeginn (auch am Montag!) die oben genannten Mindestwerte erreicht werden.

Unverbindliche Tipps der Autorin:
1. Raumtemperatur Montag früh und zu anderen Zeiten messen, vergleichen ob sie sich unterscheiden und bei eklatanten Temperaturgefällen der Chefetage melden
2. Sich auf die Suche nach einem Thermostat begeben, das die Temperatur für das Büro zentral regeln und steuern kann. Dieser kann so eingestellt werden, dass es Montag früh bei Eintritt ins Büro lauschig warm ist.
3. Thermoskanne mit Tee in Reichweite hinstellen, oder die Muskeln bei einem straffen Marsch zur Kaffeemaschine aufwärmen.

Nix für Warmduscher…

…ist der Job am Gemüsestand. Laut Arbeiterkammer dürfen ArbeitnehmerInnen an Verkaufsständen im Freien (die organisatorisch und räumlich im Zusammenhang mit Verkaufsläden oder sonstigen Betriebsgebäuden stehen) nur beschäftigt werden, wenn die Außentemperatur am Verkaufsstand mehr als 16 Grad beträgt. Daran halten sich laut Beobachtungen der Autorin dieses Artikels nur die wenigsten. Da hilft nur: warm anziehen, Tee trinken und für die Pause wärmere Gefilde aufsuchen.

Und täglich grüßt die Kälte

…am Bau und das nicht zu wenige Monate im Jahr. Für diese in der arktischen Kälte wenig beneidenswerte Berufsgruppe sollte der Arbeitgeber zum (jederzeitigen) Aufwärmen einen beheizten Arbeitsraum oder Aufenthaltsraum zur Verfügung stellen. Dieser sollte Wind und Wetter trotzen und lauwarme 21 Grad aufweisen.

Die ins freie weisende Tür des genannten Unterstandes muss als Ausstattung einen Windfang besitzen. Eine ergänzende, gesundheitsfördernde Massnahme wäre die Bereitstellung heißer Getränke – es muss ja kein Glühwein oder Rumtee sein.

ArbeitgeberInnen müssen ihre MitarbeiterInnen, die im Winter im Freien arbeiten, mit Schutzausrüstung (Wetter-, Kälteschutzkleidung) versorgen – natürlich kostenfrei. Ist die Kleidung abgenützt und erfüllt ihren Zweck nicht mehr, ist sie kostenfrei zu erneuern.

Ohne Schweiß kein Preis

Der Kälte in den Knochen kann man natürlich auch mit sportlicher Betätigung in der Mittags- oder Rauchpause zu Leibe rücken. Hier ein paar Tipps meiner gesundheitsförderlichen Trainerin, die vierzehntägig das Büro aufsucht und auch per E-Mail nicht mit Empfehlungen spart:

  1. Aufstehen, sich hinter dem Sessel postieren und mehrmals jedes Bein schwingen und zur Seite heben (dog-style und natürlich nicht gleichzeitig), Hitzefaktor: 4 von 5 (individuelle Einschätzung)
  2. Arme schwingen, Schultern kreisen, mit dem Kopf „Ja“ und „Nein“ sagen, Hitzefaktor: 3,5
  3. FINGERFÄCHER: Hände ausschütteln und 3 x nach links, 3 x nach rechts kreisen. 
Dann die Arme parallel zueinander nach vor Strecken, die Hände nach oben klappen, sodass die Finger Richtung Decke zeigen. Jetzt die Finger nacheinander – beginnend beim kleinen Finger – wie einen Fächer „umfallen“ lassen. Dann noch 3x wieder aufstellen und wieder umfallen lassen.
 Danach noch einmal kräftig die Hände ausschütteln. Hitzefaktor oberhalb des Bauchnabels: 3
  4. Augen schließen und und sie langsam und 3x im Uhrzeigersinn und 3x in die andere Richtung rollen. Danach einen tiefen Atemzug nehmen – tief hinunter in den Bauch, weit hinein in die Brust atmen. Augen wieder öffnen. Hitzefaktor: 2,5 (zumindest im Kopf)
  5. Für Mutige mit viel Platz: wie ein Hampelmann springen und Kniebeugen machen, Hitzefaktor: top
  6. Wer ungern seinen angewärmten Sitzplatz verlässt, kann sich noch immer mit der Schokoladen-Notration aus der Schublade behelfen: spart Energie, schont die Nerven, fördert den Winterspeck (wärmt zusätzlich) und lässt den Serotoninspiegel in ungeahnte Höhen steigen.

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Webtipps

www.arbeiterkammer.at

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Redaktion

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