Was sich Junge wünschen: Spaß, nette Kollegen und Vollzeit-Jobs

von in Arbeitsmarkt, Gehalt, HR am Donnerstag, 31. Mai 2012 um 11:07

Die Suche nach dem geeigneten Personal wird für Firmen immer schwieriger. Dabei geht es primär nicht um den heiß diskutierten Fachkräftemangel, sondern um das Finden und Binden neuer Mitarbeiter an sich. Besonders im Fokus: Die (verhältnismäßig schrumpfende) Gruppe der jungen Arbeitnehmer unter 30. Wie die viel zitierte „Generation Y“ tickt und worauf die auch „Millenials“ genannten jungen Menschen Wert legen, das zeigt die Jugend-Wertestudie 2011.

Ein Beruf, der Spaß macht

Gebildet, interessiert und individualistisch. So wird die „Generation Y“ gerne beschrieben. Wie die aktuelle Studie vom Institut für Jugendkulturforschung zeigt, gibt es trotz der großen Unterschiede in der individuellen Lebensgestaltung gerade im Hinblick auf die Anforderungen an den (künftigen) Beruf grundlegende Gemeinsamkeiten. Man möchte, so das Ergebnis der Studie, einen Beruf, der Spaß macht, der interessante Tätigkeiten beinhaltet und bei dem man sich im Kollegenkreis wohlfühlt. Gleichzeitig sind aber auch Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit  und gute Bezahlung (beides über 70 Prozent) von hoher Relevanz für die befragten jungen Österreicher. Dem neoliberalten Arbeitsethos mit mehr Verantwortung, einem hohen Maß an Eigenverantwortung und hohen Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen können sie allerdings weniger abgewinnen. So ist es für knapp 40 Prozent der Befragten besonders wichtig, dass der Arbeitsplatz in der Nähe ist.

Idealbild Freiberufler oder Selbstständiger

Interessant ist weiters die Erkenntnis, dass sich – hätten sie die freie Wahl – 39 Prozent der Befragten für eine freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit entscheiden würden, 36 Prozent wären gerne angestellt, sieben Prozent am liebsten Arbeiter. Nur sieben Prozent der Befragten würden sich eine Teilzeitbeschäftigung aussuchen. In mehreren verschiedenen Jobs gleichzeitig zu arbeiten wird als wenig attraktiv bewertet: Nur für fünf Prozent der Befragten ist dies erstrebenswert. Diese Ergebnisse zeigen, dass für die jungen Österreicher (hier vor allem für Männer und höher Gebildete) das Ideal der beruflichen Selbstbestimmung hoch im Kurs ist. Mit steigendem Alter hingegen, so die Studie, steigt der Wunsch nach einem Angestelltenverhältnis. Die Forscher erkennen darin klar ein Dilemma: auf der einen Seite streben die Jungen nach Sicherheit und einem Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben, auf der anderen Seite wollen sie gerne frei Entscheidungen treffen und beruflich autonom sein.

„Ein bisschen Stress, dass es einen pusht“

Besonders Jugendliche aus dem bildungsnäheren Niveau, so zeigt die Umfrage, stellen Selbstverwirklichungsansprüche. Ihnen ist es wichtig, Auslandserfahrung sammeln zu können, die eigenen Qualifikationen und Kompetenzen weiterzuentwickeln und einen Beruf zu haben, der dem eigenen Fähigkeitsprofil entspricht und zusätzlich noch interessant ist. Auch der Wunsch, anderen Menschen mit der eigenen Tätigkeit zu helfen, ist in dieser Gruppe besonders groß. Spaß in der Arbeit bedeutet für diese Gruppe vor allem Identifikation mit dem Beruf, Herausforderungen und Möglichkeiten der fachlichen persönlichen Weiterentwicklung. „Ein bisschen Stress, dass es einen pusht“, wie ein Teilnehmer formuliert hat, ist in diesem Fall in Ordnung. Abwechslung spielt für diese Gruppe eine große Rolle, ebenso wie eine gewisse Außenwirkung der eigenen Tätigkeit, da diese zum eigenen Sozialprestige beitragen soll.

Der Kampf: Arbeit versus Freizeit

Freizeit gehört für die Befragten zu den wichtigsten Lebensbereichen, 57 Prozent gaben an, diese sei „sehr“ wichtig, weitere 35 Prozent finden Freizeit „eher wichtig“. Aber auch die Arbeit wird, so die Studie, ähnlich bedeutsam empfunden. Daraus ergibt sich freilich ein Dilemma bzw. ein Kampf, welchem Lebensbereich die größte Priorität eingeräumt wird. Einigkeit herrscht lediglich in dem Punkt, dass man den Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben selbst in der Hand hat, dass man über die eigene Zeit auch selbst verfügen kann und die Entscheidung, wie viel man Arbeitet, nicht vom Arbeitgeber bzw. den äußeren Umständen bestimmt wird. Nur neun Prozent der Befragten gaben an, dass sich für sie die Frage nach der Work-Life-Balance nicht stelle, da man im heutigen Arbeitsleben ohnehin keine andere Wahl habe, als zugunsten der Arbeit auf Freizeit zu verzichten.

Fotonachweis: Colourbox, Grafik: Jugendstudie 2011

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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