Sicherer Job vs. Karriere – Wie tickt Österreichs Jugend?

von in HR, Social am Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 13:32

Mit welcher Einstellung macht Österreichs Jugend ihre ersten Schritte im Job? Wie steht sie zur Gehaltsschere zwischen Mann und Frau? Und was bedeutet soziale Gerechtigkeit für sie? Eine aktuelle Studie widmet sich nun den Wertigkeiten der 16- bis 19-Jährigen: Eine Zielgruppe, die von Werbung, Personalmarketing und auch Politik heiß umkämpft wird. Die aber die wenigsten wirklich gut zu kennen scheinen.

Junge sind auf Facebook, stehen auf Rapmusik und tragen Baseball-Caps. Oder so. Was also tun, wenn man diese Zielgruppe als Unternehmen, sagen wir im Rahmen einer Lehrlings-Offensive, erreichen möchte? Viel zu oft geschieht genau das: Reizwörter wie „cool“, „mega“ und „geil“ werden in klassische Werbeaktivitäten eingearbeitet und für Fotos posieren Menschen in Business-Outfits mit dem „Alles-OK-Daumen“ gemeinsam mit Modell-Jugendlichen. Das ganze dann noch auf eine eigens geschaffene Website und auf Facebook gestellt. Und dann? Geschieht in vielen Fällen nicht viel weiter. Unverständnis bei allen Beteiligten. Resignation und Gemurmel über die „Fun-Gesellschaft“, die sowieso mit ernsten Themen nichts anzufangen weiß und keine größere Visionen verfolgt. Wie tickt aber die Jugend?

Interessante Ergebnisse liefert in diesem Zusammenhang die aktuelle Studie „Jugend und Zeitgeist“ des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung. Darin werden unter anderem die Themen Beruf, soziale Aufstiegsmöglichkeiten beziehungsweise soziale Gerechtigkeit thematisiert. Mit Ergebnissen, die zum Teil überraschen.

Einstellung zu Beruf und Arbeitswelt

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung, "Jugend und Zeitgeist", 2011

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung, "Jugend und Zeitgeist", 2011

 

So zum Beispiel die Einstellung der Befragten zum Thema Job und Arbeitswelt: Zwei Drittel glauben beispielsweise, dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes wichtiger ist als die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten. Jeder zweite glaubt, dass Lehrberufe ohne Matura am Arbeitsmarkt nichts wert sind. Und immerhin vier von zehn geben an, dass berufliche Selbstverwirklichung guter Bezahlung unterzuordnen ist.

Einkommensgerechtigkeit top

Laut Studienautoren beschäftigen Jugendliche soziale Fragen grundsätzlich stark, allerdings über weite Strecken losgelöst von großen weltanschaulichen Konzepten. Dafür begründen diese ihre Meinung stark aus der persönlichen Betroffenheit heraus. Der Begriff „Soziale Gerechtigkeit“ bedeutet beispielsweise nur für ein Drittel der 16- bis 19-Jährigen, dass „Geld von Reichen zu Armen umverteilt wird“ (33 Prozent), oder dass „ärmere Leute vom Staat so viel Geld bekommen, dass ihr Lebensunterhalt gesichert ist“ (32 Prozent). Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau stoßen hingegen zwei von drei Befragten sauer auf (64 Prozent). Aber: Das Schließen der Einkommensschere ist nicht einmal jedem zweiten männlichen Jugendlichen wichtig (48 Prozent), dafür acht von zehn Mädchen.

Sechs von zehn wünschen sich darüber hinaus, dass alle Menschen die „gleichen Chancen haben, auf der sozialen Stufenleiter empor zu steigen“. Fast genau so viele (59 Prozent) fordern, dass jeder Östereicher die gleichen Chancen auf einen Job vorfindet.

Anbiedern verboten!

Um nicht falsch verstanden zu werden: Gerade wenn es um die oben erwähnte Ansprache von Jugendlichen, z.B. für Lehrlings-Personalmarketing, geht, sollten auf alle Fälle jene Kanäle (Facebook etc.) gewählt werden, derer sich junge Menschen bedienen. Dem Motto „Content is king“ folgend, sollte aber als erstes die inhaltliche Ausrichtung geklärt sein und solide Kenntnisse der Zielgruppe vorhanden sein. Alles andere wird keine funktionierende Kommunikation auf Augenhöhe herstellen, sondern immer etwas Anbiederndes, Oberlehrerhaftes haben. Junge Menschen wollen Themen behandelt wissen, die sie persönlich bewegen – und diese dürfen, je nach Thema, auch durchaus einmal ernsteren Hintergrund haben.

Bildnachweis: colourbox.com

Redaktion

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