Jobtausch: Vier Wochen in fremden Gefilden arbeiten

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 22. Mai 2014 um 10:23

Den Arbeitsplatz für vier Wochen wechseln. Dies steckt hinter dem für Österreich einzigartigen Kommunikator-Tauschprogramm von ÖAMTC und den PR-Agenturen alphaaffairs und asoluto. Insgesamt sieben Mitarbeiter absolvieren dafür ein einmonatiges Praktikum bei einem der Partner – Marlen Born und Katrin Pogats haben den Jobtausch bereits hinter sich. Sie berichten im karriere.at-Interview von ihren Erfahrungen.

„Nervös aber vor allem voller Vorfreude“

Katrin Pogats

Katrin Pogats

„Nervös wie am ersten Arbeitstag aber vor allem voller Vorfreude.“ So beschreibt Kommunikationsberaterin Katrin Pogats ihre Gefühle vor dem „Jobtausch“. Für insgesamt vier Wochen wechselte sie Arbeitsplatz, Kollegen und auch Chef. Ihr Arbeitgeber blieb freilich weiterhin der ÖAMTC, gewerkt hat sie jedoch für diesen Zeitraum an einem anderen Dienstort – nämlich dem Büro der PR-Agentur asoluto. „Für mich war dieses Projekt einfach nur toll. Wann bekommt man schon die Chance, aus einem sicheren Umfeld heraus ein anderes Unternehmen kennenzulernen, Ideen zu sammeln und auch den eigenen Marktwert auszutesten?“

„Wie läuft zum Beispiel ein Pitch ab?“

Marlen Born

Marlen Born

Auch Pogats Kollegin Marlen Born hat im Rahmen des neuen Programms bereits Agenturluft geschnuppert. „Das Tolle war, dass die Partner genau wussten, was man mitbringt und so war ich gleich ins Agenturgeschehen eingebunden.“ Den beiden wurde asoluto-Geschäftsführer Andreas Freitag als Mentor zur Seite gestellt. Er sorgte unter anderem dafür, dass Pogats und Born vorab festgelegte Abläufe und Aufgaben kennenlernten. ÖAMTC-Kommunikationschefin und Initiatorin des Projekts, Ursula Messner, erklärt: „Damit die Mitarbeiter wirklich profitieren und neue Dinge kennen lernen, haben wir vorab eine Liste mit Punkten erstellt, die unsere Mitarbeiter erleben sollen. Wie läuft zum Beispiel ein Pitch ab? Wie funktioniert ein jourfixe mit einem Kunden? Um solche Fragen drehte es sich hierbei.“

Bleibt man beim ersten Arbeitgeber, droht Betriebsblindheit

Die Idee zu dem Exchange-Programm kam Messner durch ihre eigene Biografie. „Ein- bis zweitägige Seminare reichen oft nur, um Anregungen mitzunehmen. Das Wissen in den Arbeitsalltag zu transferieren ist meist schwierig. Also habe ich überlegt, wo ich selbst am meisten gelernt habe – und das war bei der Agenturarbeit, als ich Dinge von einem anderen Blickwinkel sehen konnte.“ Das Problem, so Messner, ist, dass junge Mitarbeiter oft frisch von der Uni kommen und dann im Unternehmen aufsteigen. Natürlich ist dies einerseits gut, andererseits wird man so vielleicht schneller betriebsblind.

Tapetenwechsel als Lösung

Ursula Messner

Ursula Messner

Die Lösung ist ein Tapetenwechsel, der Zeitraum von vier Wochen ist schnell erklärt. „In der Vorbereitung ist dies möglich, da es für die verbleibenden Kollegen ist, als wäre ein Mitarbeiter länger in Urlaub. Diese Dauer ist genau ausreichend, um wirklich etwas von dem anderen Unternehmen mitzubekommen, die eigene Arbeit aber auch nicht zu sehr aus dem Auge zu verlieren.“ Auch die rechtliche Seite – eine Verlegung des Dienstortes für vier Wochen – war kein Problem. Die beiden Projektpartner alphaaffairs und asoluto waren schnell im Boot. Aktuell ist der dritte ÖAMTC-Mitarbeiter als Jobwechsler unterwegs. Im Herbst sind dann die Agenturmitarbeiter beim ÖAMTC im Einsatz.

„Man bekommt einen ganz anderen Blick auf die eigene Arbeit“

Das Fazit der beiden „Testpilotinnen“ fällt sehr positiv aus. Born: „Die Vorstellung, die ich vorher hatte, war schon, mich fachlich weiter zu entwickeln. Das ist absolut eingetreten. Ich habe viele neue Anreize, etwa zur Ideengenerierung, bekommen, die ich als hilfreich empfinde und auch jetzt in meinen Alltag einbaue.“ Pogats: „Für mich war die größte Überraschung die, dass die Agentur so ähnlich funktioniert wie unsere Abteilung. Man bekommt einen ganz anderen Blick auf die eigene Arbeit.“

Selbstverständnis für die eigene Rolle

Dieser andere Blick, das bessere Rollenverständnis, ist es auch, welches Messner so überzeugt hat. „Das Ziel des Projekts ist aus meiner Sicht komplett erreicht. Es ging auch darum, dass die Mitarbeiter ein Selbstverständnis für ihre Rolle entwickeln, sehen, was sie alles können und mehr Selbstbewusstsein für die eigene Tätigkeit entwickeln. Dieses ganz wichtige Learning ist absolut passiert.“

Das Projekt: „PEPin communication“

Für das Exchange-Programm „PEPin communication“ haben sich der ÖAMTC sowie die beiden Wiener PR-Agenturen alphaaffairs und asoluto zu einem österreichweit einzigartigen Projekt zusammengeschlossen. Insgesamt sieben Mitarbeiter aller drei Partner werden für jeweils vier Wochen ihren Arbeitsplatz tauschen und in das Agenturleben bzw. in die Unternehmenskommunikation eintauchen.

Bildnachweis: ArtFamily /Quelle Shutterstock, ÖAMTC

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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