Frust im neuen Job: Wenn der Job nicht hält, was er verspricht

von in Jobsuche am Donnerstag, 10. Februar 2011 um 11:25

Gerade den neuen Job angetreten und nach dem Bewerbungsgespräch überzeugt davon gewesen, den Traumjob gefunden zu haben? Nach der ersten Woche dann die Ernüchterung: Das Arbeitsklima doch nicht so freundschaftlich und fair wie beschrieben und der Vorgesetzte in Wahrheit ein kleiner Tyrann. Wenn die Realität der Job-Beschreibung nicht standhalten kann und wie man die Ernüchterung nach dem Vorstellungsgespräch vermeidet.

Als ich mich für meine aktuelle Stelle beworben habe, wurde mir vieles versprochen. Leider hat sich die Realität anders gezeigt und der Job hält keineswegs das, was im Bewerbungsgespräch vermittelt wurde. Jetzt sehe ich mich nach einer anderen Herausforderung um. Was kann ich in Zukunft tun, damit aus Informationen im Vorstellungsgespräch keine leeren Versprechen werden?

Im Recruiting-Prozess  neigen manche Firmen dazu, sich selbst nur von der besten Seite zu präsentieren. Eine realistische Job-Beschreibung ist für viele Unternehmen ein Fremdwort. Ein Vorstellungsgespräch ist immer auch ein Informationsgespräch und damit keine Einbahnstraße: Nicht nur die Firma will wissen, mit welchem Bewerber sie es zu tun haben. Auch der Bewerber soll darauf achten, wer und was ihn erwartet. Es ist daher unerlässlich, gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch zu gehen, damit möglichst viel über den Arbeitsablauf und das Aufgabengebiet erfragt werden kann. Dazu gehört nicht nur genau nachzufragen, wie ein Tagesablauf aussieht, welche in der Stellenausschreibung geforderten Fähigkeiten aus Sicht der Firma besonders wichtig sind oder wie der Arbeitsplatz gestaltet ist. Genau so wichtig ist, dass der Bewerber klar macht, worauf er besonderen Wert legt. Fragen signalisieren Eigeninitiative und eine professionelle Einstellung, auch wenn damit heikle Bereiche angesprochen werden: Wieso ist die Stelle frei geworden? Was ist aus meinem Vorgänger geworden? Welche aktuellen Probleme gibt es im Team?  Fragen nach dem sozialen Umfeld sind unerlässlich.

Informieren Sie sich über Kompetenzen („Wer ist mein Vorgesetzter? An wen muss ich berichten?“), aber auch über Problemzonen und Konfliktlinien. Die Unternehmenskultur ist ein weiterer wichtiger Faktor der Berufszufriedenheit: Welche Werte werden gelebt? Mit welcher Gesinnung werden welche Ziele  verfolgt? Wenn Sie als ausgesprochener Familienmensch in einem Unternehmen arbeiten, in dem oft eine Nachtschicht eingelegt wird, sind Sie möglicherweise fehl am Platz.

Bei jedem Dienstantritt ist es taktisch sinnvoll, nach den ersten Arbeitstagen eine kleine Bestandsaufnahme zu machen und sich mit dem Vorgesetzen abzusprechen. Zeigt sich die Firma nicht bereit, den Aufgabenbereich mit dem in Einklang zu bringen, was im Vorstellungsgespräch verabredet wurde, gilt: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

David Kitzmüller

David Kitzmüller ist Marketing-Teamleiter bei karriere.at. Zwischen Werbekampagnen und Performance-Analysen schreibt er in seinen Blogposts über Trends und neueste Entwicklungen in der Webwelt.

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