All-In-Vertrag und Diensthandy: Abschied vom Feierabend?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 3. März 2016 um 11:34

Ihr checkt auch nach Büroschluss öfter noch eure E-Mails oder seid telefonisch für Kollegen, den Chef oder Kunden erreichbar? Dann gehört ihr vielleicht zu jenen Österreichern, die einen All-In-Vertrag haben. Laut aktuellem Arbeitsklima Index steigt die Zahl dieser Art von Verträgen weiterhin und bringt eine Flexibilisierung, die nicht jeden glücklich macht.

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Österreichische Arbeitnehmer arbeiten immer öfter auch nach ihrem Dienstschluss weiter, das geht aus dem aktuellen Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer hervor. Zu Hause noch E-Mails bearbeiten, im Urlaub erreichbar bleiben oder vom Krankenbett aus Kollegen oder Kunden kontaktieren – Realität für ein Drittel der heimischen Beschäftigten. Der Grund dafür liegt laut AK in der steigenden Zahl der All-In-Verträge, Diensthandys oder Laptops.

Gearbeitet wird immer

Etwa ein Drittel der Beschäftigten arbeitet auch nach Dienstschluss weiter. Mehr als zehn Prozent geben an, das sogar häufig zu tun. In ihrem Urlaub sind 18 Prozent der Beschäftigten auch dienstlich erreichbar oder arbeiten etwas. Im Krankenstand können 14 Prozent der Österreicher nicht ganz loslassen. Die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwimmen am häufigsten bei Männern, mit zunehmendem Alter und höherer Bildung. Sechs von zehn Arbeitnehmer mit Matura erledigen in ihrer Freizeit noch etwas für die Arbeit, fast ein Viertel sogar häufig.

Gehalt und Arbeitszeiten genau überprüfen

Ob sich die Mehrarbeit in der Freizeit finanziell lohnt, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Ende vergangenen Jahres hatte bereits fast ein Viertel der erwerbstätigen Österreicher einen All-In-Vertrag, der alle ihre Arbeitsleistungen abdeckt. Im Rahmen solcher Vereinbarungen bezahlen Arbeitgeber einen pauschalierten Zuschlag, der ein gewisses Kontingent an Überstunden abdeckt. Das kann für beide Seiten sinnvoll sein, arbeitet man jedoch mehr Stunden als vertraglich vereinbart, bleibt diese Mehrarbeit meist unbezahlt. Eine Novelle bringt für Verträge, die seit 1.1.2016 abgeschlossen werden, mehr Transparenz. Am Dienstzettel oder Arbeitsvertrag muss der Bruttolohn für eine 40-Stunden-Woche ausgewiesen werden.

Mobil, unterwegs, immer im Dienst?

Diensthandy oder ein Laptop, der mit nach Hause genommen wird, fördern die ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit zusätzlich. Aktuell hat jeder siebte Arbeitnehmer ein Diensthandy, zehn Prozent haben einen dienstlichen Laptop oder ein Tablet. Jeder Dritte erledigt damit auch in seiner Freizeit berufliche Dinge. 14 Prozent tun das sogar täglich. Diese Flexibilisierung der Arbeitswelt kann Arbeitnehmern einige Freiheiten bringen – oder sich verhängnisvoll auswirken. Wer die Trennung zwischen Job und Privatleben nicht schafft und auch in seiner Freizeit immer im Dienst ist, läuft Gefahr, sich auszupowern oder überhaupt ins Burn-out zu rutschen.

Arbeitsklima Index All-In-Verträge

Info

Die Berechnung des Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter österreichischen Arbeitnehmern. Die Stichprobe von rund 4.000 Befragten pro Jahr ist repräsentativ ausgewählt, so dass daraus relevante Schlüsse für die Befindlichkeit aller Arbeitnehmer gezogen werden können. Der Arbeitsklima Index wird zweimal jährlich berechnet. Ergänzend dazu gibt es Sonderauswertungen.

Bildnachweis: Ilya Oreshkov / Shutterstock; AK OÖ (Grafik)

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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