Fußballfieber im Job: EM-Guide zwischen Arbeitsrecht und Motivation

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht, HR am Dienstag, 14. Juni 2016 um 10:02

Die Fußball Europameisterschaft ist da und damit auch unermüdlich scheinende Feierlaune, Public Viewing und viele Fragen rund ums Arbeitsrecht – denn die Euphorie ums runde Leder birgt auch gewisse Risiken am Arbeitsplatz. Aber was Menschen verbindet, kann auch positive Auswirkungen auf Teambuilding und Unternehmenskultur haben. Wir klären, wie man Eigentore im Job vermeidet und welche Chancen die EM für die Mitarbeiter-Motivation bereithält.

Das kleine Arbeitsrechts-1×1 zur EM

Gemeinsames Fußballschauen mit Kollegen – vor allem bei Großereignissen wie der Fußball EM ein Thema. Aber Achtung: Wer in der Arbeitszeit fernsieht oder Alkohol konsumiert, riskiert seinen Job! Die AK Oberösterreich warnt davor, sich dem Fußballfieber auch im Job zu sehr hinzugeben und hält die wichtigsten Arbeitsrecht-Tipps zur EM bereit. Generell gilt: Besser im Vorhinein beim Arbeitgeber nachfragen und abklären, was geht und was nicht.
Hier die wichtigsten Punkte:

TV, Radio & Internet

Fernsehen am Arbeitsplatz – das ist meist nicht Bestandteil des Arbeitsvertrags und somit auch nicht erlaubt. Handelt es sich hingegen um einen Arbeitsplatz, bei dem es generell gestattet oder unausweichlich ist fernzusehen – etwa in einem Lokal oder Wettbüro – können Probleme nur dann auftauchen, wenn die geforderte Arbeitsleistung aufgrund der Ablenkung nicht geleistet wird.

Ist Radiohören während der Arbeitszeit generell erlaubt, dürfen natürlich auch während der EM Spiele mitverfolgt werden, solange darunter die Leistung nicht leidet. Dasselbe gilt übrigens auch fürs Internet: Nur wenn die Privatnutzung des Internets während der Arbeitszeit offiziell gestattet ist, dürfen Arbeitnehmer die Spielergebnisse auch online verfolgen. Kurzfristig, wohlgemerkt – verfolgt jemand ein gesamtes Spiel im Livestream, kann das problematisch werden. Schließlich kann bei einer Mindestdauer des Fußballmatchs von 90 Minuten nicht mehr von einer uneingeschränkten Arbeitsleistung die Rede sein. Ist prinzipiell weder Fernsehen, Radio oder Internet am Arbeitsplatz erlaubt, die Neugier aber größer, riskiert man eine Verwarnung und als Wiederholungstäter sogar eine fristlose Entlassung.

Ein Gläschen in Ehren – Alkohol am Arbeitsplatz

Zum Fußballschauen gehört für viele einfach ein Bier. Aber was sagt der Arbeitgeber dazu? Da wo man bezüglich Fernsehen bzw. Spielverfolgung via Radio oder Internet noch kulant sein mag, gibt es in puncto Alkoholkonsum am Arbeitsplatz oft keine Ausnahme. Ist Alkohol während der Arbeit verboten, so gilt das auch für die Zeit der Europameisterschaft und für gemeinsame Fußballnachmittage oder –abende im Unternehmen (je nachdem, ob als Arbeitszeit eingestuft oder nicht). Vorsicht: Das Verbot gilt natürlich auch in den Pausen! Wer trotzdem alkoholisiert im Job erwischt wird, muss mit Disziplinarmaßnahmen und im schlimmsten Fall auch mit Entlassung rechnen.

Von patriotischer Bürodeko bis zum Soccer Jersey Day

Flaggen von der Lieblingsmannschaft oder die Fußballdress als Bürooutfit – inwiefern darf man das Fußballfieber im Job ästhetisch ausleben? Prinzipiell hängt das von Arbeitsplatz und Tätigkeit ab. Rechtlich heißt es: Die Arbeitskleidung muss „betrieblich angepasst“ sein. Fordert der Job etwa Kundenkontakt, geht er meist mit einem entsprechenden Erscheinungsbild einher. Hier kann der Arbeitgeber Fan-Dressen oder ähnliche Utensilien jederzeit verbieten. In einer lockeren Arbeitsumgebung wird das aber in der Regel kein Problem sein.

Urlaub für die EM oder krankfeiern?

Ein kleiner Frankreichtrip, um ein Fußballspiel live zu verfolgen oder ein Urlaubstag, um mit Freunden einen EM-Tag einzulegen? Wer sich extra Urlaub nehmen will, muss das mit dem Vorgesetzten vereinbaren. Auch in (Ausnahme-)Zeiten wie der Fußball EM ist ein einseitiger Urlaubsantritt nicht zulässig. Achtung: Ohne Urlaubsvereinbarung daheim zu bleiben ist auch während der EM nicht ratsam – das gilt als unerlaubtes Fernbleiben und kann ein Entlassungsgrund sein. Der Chef erlaubt es nicht daheimzubleiben, da bleibt nur eins: krankfeiern!? Besser nicht: Sich krank zu melden und dabei beim Public Viewing gesichtet zu werden, kann eine fristlose Entlassung begründen.

Abseits vermeiden: Spielregeln vereinbaren!

„Auch wenn die Euphorie groß sein wird, sollten die Beschäftigten achtsam sein und mit ihren Arbeitgebern Spielregeln vereinbaren“, empfiehlt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer zur EM 2016.

EM Guide für den Job

Corporate Viewing als Motivationsboost für Mitarbeiter

Neben den oben erwähnten Themen, die zur EM im Job mitunter Probleme bereiten können, ist bei solchen Großereignissen auch sehr viel positives Potenzial vorhanden. Der Personaldienstleister für Fach- und Führungskräfte Robert Half hat dazu eine Studie unter 200 HR-Managern in Deutschland durchgeführt. Erfreuliches Ergebnis der Befragung: 91 Prozent der Personalmanager bewerten Firmenveranstaltungen aus sportlichem Anlass als positiv. Denn Großveranstaltungen, die das Gemeinschaftsgefühl ansprechen, können neue Impulse bei Mitarbeitern setzen.

Die Mehrheit der befragten Personalverantworlichen finden, dass sich „Corporate Viewing“ – das gemeinsame Schauen von Sportveranstaltungen mit Kollegen – vor allem auf eine gesteigerte Mitarbeitermotivation auswirken. Eine Kehrseite gibt es hier leider auch: 76 Prozent halten es gleichzeitig für wahrscheinlich, dass sich Mitarbeiter am Tag nach so einer gemeinsamen Veranstaltung krankmelden.

Vorteile abwägen: mehr Motivation vs. vermehrte Krankmeldungen

Obwohl HR-Manager eine Zunahme an Krankmeldungen während der EM 2016 befürchten, überwiegt die Überzeugung von den positiven Effekten des Corporate Viewing: Nur 9 Prozent sehen keine Vorteile, wenn Fußballspiele im Kollegenkreis geschaut werden.

Das sind die erwarteten positiven Nebeneffekte:

  • Mehr als die Hälfte der HR-Manager (52 Prozent) erhofft sich eine höhere Mitarbeitermotivation
  • Auf ein besseres Mitarbeiterengagement und eine stärkere Mitarbeiterbindung spekulieren jeweils 39 Prozent
  • Ein angenehmeres Arbeitsklima ist für 16 Prozent ein Pluspunkt
  • Und jeder Zehnte (13 Prozent) geht davon aus, dass sich Corporate Viewing produktivitätssteigernd auswirkt

„Hinter dem Erfolg überdurchschnittlich wachsender Unternehmen steht immer ein hochmotiviertes Team. Diese Motivation müssen Unternehmen geschickt fördern“, weiß Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half.

Gemeinsame Erlebnisse, zu denen auch das kollektive Fußballschauen im Kollegenkreis zählt, können hier einen nicht unwesentlichen Effekt haben. Dementsprechend sollte von Führungsseite Verständnis gezeigt und gewisse Anreize geboten werden. Unter speziellen Bedingungen mehr Spielraum zu bieten – etwa durch einen Tag Home Office oder ein gesponsertes Team-Frühstück am Tag nach einem wichtigen Spiel – beugt Krankmeldungen vor und erhöht Motivation, Produktivität und Loyalität der Mitarbeiter. Und zwar auch nach der vierwöchigen Spielzeit.

3 Führungskräftetipps für mehr Motivation während der EM

#1 Spieltermine bei der Planung wichtiger Meetings beachten
Eher ungünstig: Bedeutende Meetings oder Mitarbeitergespräche, die mit einem Fußballspiel der Nationalmannschaft kollidieren oder am frühen Morgen nach solch einem Match angesetzt sind. Entscheidende Termine sollten daher besser auf den späten Nachmittag oder den Folgetag verlegt werden.

#2 Mitarbeiter entspannt in den Arbeitstag starten lassen
Verständnis gegenüber Mitarbeitern und Kollegen, die am Vorabend den Sieg ihrer Mannschaft etwas länger gefeiert haben, zahlt sich aus. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern an, morgens etwas später in die Arbeit zu kommen. Ausgeruhte Mitarbeiter sind produktiver als müde!

#3 Home Office erlauben
Ist der Anfahrtsweg ins Unternehmen lang und war der Fußballabend ebenso, sind Ihre Mitarbeiter sicher dankbar für die Möglichkeit, einen Tag von zu Hause aus zu arbeiten. Ob das funktioniert und mit einer Extraportion Motivation von daheim belohnt wird, stellt sich recht schnell heraus.

Bildnachweis: Olaf Naami / Shutterstock; racorn/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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