Jeder Dritte misstraut seinem Chef

von in HR am Montag, 18. Oktober 2010 um 11:19

Es sind Zahlen, die Unternehmern eigentlich den kalten Schauer über den Rücken jagen sollten: Jeder dritte Arbeitnehmer misstraut seinem Chef, fast 50 Prozent sehen für sich keine Entwicklungschancen in ihrem Unternehmen. Und 33,5 Prozent wissen nicht einmal, was genau das Ziel ihrer Abteilung ist. Dabei sollte es eines der wichtigsten Ziele von Firmenleitungen sein, bei den Mitarbeitern Begeisterung für das eigene Unternehmen zu schaffen, betont Experte Franz Bailom.

Die gute Nachricht zuerst: 20 Prozent der Mitarbeiter sind im Job hochmotiviert. Das ergab die Strategieforschungsstudie der Denkwerkstatt IMP. Die weiteren Ergebnisse sind aber alarmierend: 47 Prozent der Mitarbeiter gaben an, in ihrem Job keine ausreichenden Entfaltungsmöglichkeiten zu sehen. 42 Prozent finden, dass sie sich weniger stark eigenverantwortlich einbringen können, als sie dies gerne tun würden. Ein Drittel sagt, nicht stolz zu sein, für sein Unternehmen zu arbeiten. Ebenso viele (33,5 Prozent)  kennen die Ziele der eigenen Abteilung nicht. Und: 30 Prozent der Angestellten gaben an, kein Vertrauen in die Kompetenz und das Verhalten ihres Chefs zu haben.
Wie unlängst berichtet, büßte gerade in den Jahren der Wirtschaftskrise die Hälfte der Unternehmen an Mitarbeiterengagement ein.

Dabei müsste eines der Kernziele von Unternehmensleitungen sein, ihren Angestellten den Sinn ihrer Arbeit aufzuzeigen, erklärt IMP-Gründer Franz Bailom im Interview mit der Tiroler Tageszeitung. „Viele Unternehmen haben bis heute nicht erkannt, dass sie nicht das Verhalten der Mitarbeiter verändern müssen. Vielmehr geht es darum, sich die Frage zu stellen, wie es gelingen kann, die Mitarbeiter davon zu begeistern, das Unternehmen durch aktives Zutun zu verändern“, ist Bailom überzeugt. Da Verbesserungen im Unternehmen nur mit und durch motivierte Mitarbeiter möglich seien, sei es wichtig, diese in den Produktentwicklungsprozess einzubinden.

Dass gerade in den vergangenen, wirtschaftlich schwierigen Jahren, die Kommunikation zwischen Chef und Angestellten der Grundstein für wirtschaftlichen Erfolg ist, betont der Unternehmensberater Gerhard Fahnenbruck von der Beratungsfirma Crisadvice in den Financial Times Deutschland (FTD): „Wenn die Mitarbeiter nicht wissen, was mit ihnen wie passiert, verwenden sie ihre ganze Energie darauf, selbst Antworten zu finden. Das A und O der Unternehmensführung in Krisenzeiten ist die Information.“
Bei knapp jedem zweiten Chef ist diese Erkenntnis auch durchgedrungen: Laut einer Umfrage der Boyden Personalberatung gaben 47 Prozent der Manager an, ihre Unternehmens und Mitarbeiterführung aufgrund der aktuellen Gegebenheiten angepasst zu haben. Wie die FTD-Grafik aber auch zeigt, sehen 50 Prozent der Führungskader in der Krise keinen Anlass, ihren Führungsstil zu ändern.


Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren