IT-Gehälter in Österreich: Wie viel verdienen Dev & Co.?

von in Gehalt am Mittwoch, 16. März 2016 um 11:24

Geld ist nicht alles. Stimmt. Geht es aber um das Rekrutieren von IT-Fachkräften, spielt der Faktor Gehalt eine entscheidende Rolle. karriere.at hat sich in einer repräsentativen Studie angesehen, wie es um das Gehaltsniveau von Developern, IT-Profis, Software-Testern und wie sie alle heißen, bestellt ist. Für Personalchefs noch wichtiger: Wo liegen die Gehalts-Benchmarks dieser begehrten Fachkräfte? Wie hoch muss einerseits die gebotene Summe sein, damit ein Jobangebot überhaupt in Betracht gezogen wird? Und wo liegen die Wunschgehälter? Ein Blick auf die Detailergebnisse.

Die vom Marktforschungsinstitut Marketagent.com durchgeführte karriere.at-Studie lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Den „klassischen ITler“ gibt es nicht. Wie auch? So heterogen, schnelllebig und vielfältig diese oft durch „Nerd“-Stereotypen charakterisierte Branche ist, ebenso vielfältig sind die darin zusammengefassten Berufsbilder – aber auch die Ansprüche ans Gehalt.

Die wesentlichen Trends aus dem IT Recruiting Report 2016 wurden vor kurzem an dieser Stelle präsentiert. Grundlage der Studie war die Befragung von 930 Personen, die in der österreichischen IT-Branche arbeiten, in Ausbildung sind oder einen Job suchen.

Ein Ergebnis gibt zu denken: IT-Fachkräfte fühlen sich tendenziell unterbezahlt. Und für die meisten ist „gute Bezahlung“ nach wie vor der größte Anreiz für einen Jobwechsel. Das heißt nicht, dass Faktoren wie Unternehmenskultur und Benefits nicht wichtig sind – im Gegenteil. Geld ist aber das Argument, welches mit der größten Wahrscheinlichkeit auf Gegenliebe stößt.

Grafik Studie IT Gehälter Österreich 2016

Gehalt: 3.000 bis 4.000 Euro

Was verdienen Österreichs IT-Fachkräfte? Die Auswertung der Bruttogehälter zeigt, dass die Mehrheit derzeit zwischen 3.000 und 4.000 Euro (28,9 Prozent) verdient, ein Viertel sogar zwischen 4.000 und 6.000. Ein Fünftel der 930 Befragten verdient Brutto zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Der relativ hohe Anteil der sehr gut Verdienenden erklärt sich aus der Zusammensetzung des repräsentativen Samples: Jeder vierte Befragte gibt an, in seinem Bereich in einer Führungsposition tätig zu sein (26,4 Prozent).

Grafik Studie IT Gehälter 2016 Österreich

3.300 Euro – so viel Geld müssen Recruiter im Mittel einer IT-Fachkraft bieten, um mit einem Stellenangebot überhaupt in Betracht gezogen zu werden. Das brancheninterne Wunschgehalt liegt naturgemäß höher, nämlich bei 4.000 Euro. Diese Werte stecken das Feld ab, in dem sich die durchschnittliche, österreichische IT-Fachkraft bewegt. Spannend wird die Sache aber – wie immer – mit der Betrachtung der Details.

Fünf Details über IT-Gehälter, die Recruiter und Jobsuchende wissen sollten

  1. Männer fordern höhere Gehälter: Sowohl beim Mindestbetrag (3.500 Euro) als auch beim Wunschgehalt (4.000 Euro) liegen die männlichen IT-Spezialisten dieses Wirtschaftszweiges deutlich über jenen ihrer weiblichen Pendants. Für diese wird ein Jobangebot im Mittelwert bei 3.000 Euro interessant, das angegebene Wunschgehalt liegt bei 3.400 Euro.
  2. Je weiter östlich, umso teurer: Im Einzugsgebiet der Bundeshauptstadt, also in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, liegt das Mindestgehalt mit 3.500 Euro am höchsten. Das statistische Wunschgehalt ist überall in Österreich bei 4.000 Euro gleich – mit Ausnahme Kärntens und der Steiermark. Dort liegt dieser Wert bei 3.600 Euro. Auch das in Betracht gezogene Mindestgehalt ist im Süden des Landes mit 3.000 Euro am geringsten. In Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg pendelt sich die Untergrenze des Gehaltsspielraumes der IT-Profis bei 3.200 Euro leicht unter dem Österreich-Schnitt ein.
  3. Lehrabsolventen haben geringere Forderungen: Es gibt Fachkräfte, die unabhängig von ihren fachlichen Fähigkeiten häufig bereits in der Stellenausschreibung ausgeschlossen werden: Jene, die eine Lehre absolviert haben. Diese haben neben mehrjährigem „Training on the Job“ für Arbeitgeber noch einen entscheidenden Vorteil – sie liegen mit ihren Gehaltsanforderungen deutlich unter den anderen Ausbildungszweigen. Ab 2.600 Euro finden einschlägige Lehrabsolventen im Schnitt eine ausgeschriebene Stelle interessant, könnten sie ihr Wunschgehalt festlegen, würde dieses bei 3.200 Euro liegen. Umkehrschluss: Wer sich bei der Formulierung von Stelleninseraten auf die gewünschten Fähigkeiten, Programme und Erfahrungen konzentriert und nicht den akademischen Abschluss als Grundvoraussetzung sieht, erhöht seine Chancen und erweitert die Zielgruppe um 8 Prozent. So groß ist nämlich der Anteil an Lehrabsolventen unter den IT-Arbeitnehmern.
  4. Software Architect vs. System-Administrator: Was bin ich? Nicht nur eine philosophische Frage – auch in der IT-Branche lässt sich schnell der Durchblick über Berufsbezeichnungen verlieren. Für Arbeitgeber auf Mitarbeitersuche ist das deshalb wichtig, weil der Jobtitel auf dem Stelleninserat bereits mitentscheidet, wie hoch die Gehaltsansprüche des künftigen Kandidaten sein werden. Beispiel: Die Gruppe Software Architect / System- und Anforderungsanalytiker / Applikationsdesigner / IT-Consultant lässt sich die eigene Arbeitsleistung am teuersten abkaufen. Für diese Jobs ist ein Mindestgehalt von 3.700 bei der Verhandlungsbasis einzuplanen, das Wunschgehalt liegt bei 4.500 Euro. Die große Gruppe der Backend- bzw. Frontend-Developer / Web-Developer und Webdesigner liegt mit 3.300 Euro Mindest- und 4.000 Euro Wunschgehalt im gesamten Branchenschnitt. Die geringsten Gehaltswünsche haben übrigens System- bzw. Datenbankadministratoren (3.200 Mindest- / 4.000 Wunschgehalt).
  5. Gehaltswünsche wachsen mit Unternehmensgröße: Studienteilnehmer, die bei kleinen Unternehmen arbeiten, sind monetär leichter zufriedenzustellen als Arbeitnehmer, die in Organisationen mit mehr als 250 Mitarbeitern tätig sind. Während die Mindestgehälter der Arbeitnehmer in Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern bei 3.200 bis 3.500 Euro und das Wunschgehalt zwischen 4.000 und 4.200 Euro anzusetzen sind, steigen die Anforderungen ab der 250er-Marke: IT-Profis von Großbetrieben geben 3.750 Euro im Schnitt als Mindestwert für eine interessante Stellenausschreibung an. Ein Wunschgehalt von 4.500 Euro bildet bei dieser Gruppe den Median.

Je genauer, umso besser

Der Schluss, der sich aus dem Studienergebnis ziehen lässt: Es zahlt sich für Arbeitgeber auf alle Fälle aus, sich über die gewünschte Zielgruppe Gedanken zu machen, bevor man einen „IT-Profi“, „Systemadministrator“ oder einen „Programmierer“ per Inserat ausschreibt. Je genauer die Job-Definition, umso genauer lassen sich auch die Erwartungen – nicht nur monetär – abgrenzen. Und das hilft letztlich beiden Seiten: Dem Recruiter und dem potenziellen Kandidaten.

Die angegebenen Werte stellen jeweils den Median der analysierten Zielgruppe dar. Das bedeutet, dass diese statistisch gesehen die am häufigsten angegebenen Werte der jeweiligen Gruppe sind.

Bildnachweis: Solis Images / Quelle Shutterstock, Grafik (2): karriere.at

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.