„Es geht nicht um Bauch oder Kopf – Intuition verbindet beides“

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 17. September 2014 um 10:25

Sie kann ein „Aha-Erlebnis“ sein, sich wie eine kleine Warnung oder absolute Gewissheit anfühlen: Die Intuition. Als Bauchgefühl, Geistesblitz, Eingebung oder auch „einen Riecher haben“ hat sie im Volksmund viele Namen. Was steckt hinter dem plötzlichen Wissen, das entsteht, ohne bewusst nachzudenken?

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„Tu es nicht!“ sagt einem der Gedanke, der plötzlich aus dem Nichts kam. Vielleicht hält man sich daran, vielleicht auch nicht. Im Nachhinein wird man feststellen, ob etwas dran war an dem Ratschlag, der wie ein Geistesblitz auf einmal da war. Die Psychologin und Psychotherapeutin Regina Obermayr-Breitfuß ist der Intuition seit mehr als 20 Jahren auf der Spur und weiß: Wir alle haben sie, man muss sie nur erkennen.

„Mit dem Impuls kommt große Klarheit und Antriebskraft“

Regina Obermayr-Breitfuß

Regina Obermayr-Breitfuß

„Intuition ist wie eine geistige Kraft oder inneres Wissen, das einfach da ist“, erklärt Obermayr-Breitfuß. Mit Instinkt oder Unterbewusstsein hat die Intuition allerdings nichts zu tun. Denn während das Unterbewusstsein soziokulturell geprägt ist, ist die Intuition davon völlig frei und kommt vielmehr aus dem „Überbewusstsein“. Als „Gedanke vor dem Gedanken“ kann sie warnen oder Gewissheit verschaffen. „Sie ist meist spürbar als Impuls im Solarplexus oder tritt auch als Blitzgedanke auf: Warte damit noch! Tu das nicht! Man spürt dann auch eine Form der Gewissheit und mit dem Impuls kommt auch große Klarheit und Antriebskraft“, so die Intuitions-Expertin. Manchmal kommt es auch zu einer reflexartigen Verhaltensänderung. Dann nimmt man vielleicht ganz spontan doch einen anderen Weg nach Hause und trifft plötzlich jemanden, der sich als bedeutsam herausstellt.

Intuition und der Kampf mit dem Verstand

Wenn ein intuitiver Gedanke auftaucht, ist er sofort zur Stelle: Der Verstand. „Er ist immer versucht, zu überprüfen und zu korrigieren“, so Obermayr. Mit der Ungewissheit, ob der Informationsgehalt des intuitiven Gedankens wahr oder brauchbar ist, kann der Verstand schlecht umgehen. Man kann ihm aber Einhalt gebieten. „Ich sage dann immer: Wir unterhalten uns später“, verrät Obermayr-Breitfuß. Auch ratsam: Einmal darüber schlafen. Wer dem Verstand zu viel Gewicht beimisst, drängt seine Intuition dadurch zurück.

Intuition im Berufsleben

Intuition IdeenNicht nur im Privatleben, auch im Joballtag kann die Intuition nützlicher Helfer sein, z.B. beim Ausarbeiten neuer Strategien oder Produkte. Sie ist auch Nährboden für Kreativität. „Ich benötige die Intuition immer dann, wenn ich neue Lösungen brauche“, erklärt Obermayr-Breitfuß. Auch bei der Mitarbeiterauswahl kann man sich auf seinen „sechsten Sinn“ besinnen. Manchmal taucht auch vor bestimmten Arbeitsschritten ein „ungutes Gefühl“ auf, das einem keine Ruhe lässt und dazu führt, dass man seine Strategie noch einmal überdenkt oder Fehler aufdeckt. In Führungskräfteschulungen hält das Thema verstärkt Einzug. „Man kommt langsam heraus aus dem Entweder-Oder-Denken. Es geht nicht um Bauch oder Kopf, die Intuition verbindet beides“, so Obermayr-Breitfuß.

„Intuition lässt uns Freiraum, selbst zu entscheiden“

Intuition WunschBei der Entscheidungsfindung kann uns die Intuition eine Richtung weisen und bei der Orientierung helfen. Ausschlaggebend ist, dass sie uns Wahlfreiheit lässt – und damit vom Wunsch unterscheidet. „Intuition gibt uns einen guten Rat und lässt uns dabei Freiraum, selbst darüber zu entscheiden. Im Gegensatz zum Wunsch, der uns nicht frei lässt sondern Begierde zur Realisierung weckt.“

Tipps, um seine Intuition besser kennen zu lernen:

Intuition ist kein Gefühl sondern eine Denkfunktion, die auch trainierbar ist.

  • Tagebuch führen
    Um die Wahrnehmung für intuitive Gedanken zu schärfen kann es helfen, sie zu notieren und regelmäßig zu reflektieren: Eigentlich wollte ich heute mit dem Auto fahren, aber dann hatte ich das unbestimmte Gefühl, besser den Bus zu nehmen.
  • Die richtigen Fragen stellen
    Beginnen kann man damit gleich morgens, direkt nach dem Aufwachen. Ausschlaggebend ist dann die richtige Frage, weiß die Expertin: „Geeignet sind Was-Fragen, etwa: Was weiß ich über das, was heute für mich wichtig sein wird? Meist kommt dann schon etwas auf dem Weg ins Badezimmer oder die Küche. Am Abend kann man dann Rückblick halten und feststellen, ob mein intuitiver Gedanke Recht behalten hat“. Auch wenn sich tagsüber ein Geistesblitz einstellt, kann man sich kurz zurückziehen und ihn mit einer Was-Frage hinterfragen.
  • Zustand der inneren Stille schaffen
    „Man muss sich trauen, sich in einen Zustand zu begeben, in dem man nichts weiß. Das ist für uns Europäer etwas ungewohnt. Es braucht eine Beruhigung, damit Neues kommen kann“, sagt Obermayr-Breitfuß. Geistesblitze kommen oft unter der Dusche oder bei Tätigkeiten wie Putzen. Auch Meditation kann dabei helfen. Es ist ein gewisses Loslassen, das klare Gedanken entstehen lässt.
  • Intuitives Schreiben oder Zeichnen
    Nur für sich etwas schaffen und einfach vor sich hinarbeiten, ganz ohne Ansprüche oder Erwartungen der Außenwelt.

Zur Person

Regina Obermayr-Breitfuß ist Psychologin mit Praxis in Linz. Sie beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Intuition und ist auch als Lebens- und Sozialberaterin sowie als Coach tätig. Zum Thema Intuition hält sie außerdem regelmäßig Trainings ab. Für die 13-teilige BR-alpha TV-Doku „Auf den Spuren der Intuition“ war sie als Beraterin tätig.

Bildnachweis: Subbotina Anna /Shutterstock; alphaspirit /Shutterstock; solarseven /Shutterstock

 

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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