Ein Rausschmiss als Karrierekick: „Heute bin ich dafür sehr dankbar.“

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 13. April 2016 um 10:28

Darüber, wie eine erfolgreiche Karriere aussieht, hat jeder seine ganz eigene Vorstellung: Vom (hoffentlich) sicheren Arbeitsplatz auf Lebenszeit bis hin zu Lebensentwürfen, bei denen man sich auf keinen Fall auf irgendetwas festlegen möchte. Vier ungewöhnliche Karrierewege standen auch beim ersten karriere.talk in Linz im Mittelpunkt. Unter anderem mit dabei: Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann und seine persönliche Geschichte.

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Karrieren sind so individuell wie die Menschen selbst. Nicht selten führen ungewöhnliche Strategien zum Ziel oder aus einer vermeintlichen Niederlage wird plötzlich die große Chance. Johannes Gutmann ist Geschäftsführer von Sonnentor und hat aus einem kleinen Kräuterstand ein Unternehmen mit mehr als 290 Mitarbeitern in Österreich aufgebaut – ganz ohne Bilderbuchlebenslauf. In Linz war er beim ersten karriere.talk zu Gast und sprach über seinen Werdegang. Wir haben uns außerdem vorab mit ihm unterhalten:

Alles anders: Vom Angestellten zum eigenen Chef

Wie kam es zur Gründung von Sonnentor und Ihrem Weg in die Selbstständigkeit?

Gutmann: Meine letzte Entlassung als Angestellter war der Hauptgrund meiner Selbstständigkeit. Nach einem Tag der Traurigkeit habe ich erkannt: Was ich für andere machen kann, das kann ich auch für mich selbst! Nach vier monatiger Arbeitslosigkeit als Vorbereitungszeit für meine Startphase, habe ich mein Gewerbe angemeldet und meine One-Man-Show gestartet! Ich habe es bis heute nicht bereut.

Der Abschied aus der Unselbstständigkeit war nicht geplant, weil ich auch als Angestellter erfolgreich war, diese tiefe emotionelle Verletzung und Enttäuschung durch den Rausschmiss war dann auch der Antrieb für mein schnelles Durchstarten. Heute bin ich diesen Leuten sehr dankbar.

„Zu anderen so sein, wie man selbst behandelt werden möchte.“

Hatten Sie während der Gründung einen Mentor?

Gutmann: Ich hatte leider keinen Mentor, hätte mir aber einen gewünscht. Meine „Mentoren“ waren Freunde und Familie und die hatten eigentlich Angst – weil sie sich selbst nie selbstständig gemacht hatten und von dem, was ich tun wollte, ja auch keine Ahnung hatten. Ich habe in dieser Situation Beistand gesucht und Mitleid bekommen – das bringt nix.

Wie wichtig ist Unternehmenskultur bei Sonnentor? Was macht Ihr Unternehmen anders oder besser?

Gutmann: Als ich mich selbstständig gemacht habe, schwor ich mir, dass es bei Sonnentor einmal anders sein sollte, wie bei meinen vier Arbeitgebern zuvor. Ich wollte ein Vertrauenssystem mit Wertschätzung für alle Partner in allen Ebenen einführen und auch leben. Es ist mir ebenfalls von Anfang an gelungen, so zu anderen sein, wie ich selbst behandelt werden möchte. Sonnentor versucht seit Anfang an, mit seiner Unternehmenskultur anders zu sein wie die anderen, damit besser und somit auch cleverer zu werden.

Warum arbeiten die Menschen gerne bei Sonnentor?

Gutmann: Weil wir uns gegenseitig schätzen, jeder darf seine Talente einbringen und muss sich keinem extra Druck aussetzen. Wir müssen keine Rollen spielen, wir sind und bleiben damit authentisch und das motiviert uns noch einmal extra. Wir haben den Sinn an unserer Arbeit gefunden und teilen die Freude.

Dass sich die Unternehmenskultur an der Gemeinwohlökonomie orientiert, hat wohl auch Einfluss darauf …

Gutmann: Einer der ersten Sätze, die ich meinen Mitunternehmern bei Eintritt sage, ist: Sie arbeiten nicht für den Chef, sie arbeiten für sich. Jeder ist so in einer verantwortungsvollen Rolle, um zu sehen, wie es dem Team gemeinsam geht. Der Wir-Gedanke wird so von Beginn an eingepflanzt und beginnt immer mehr zu leben.

Was bedeutet Erfolg für Sie persönlich?

Gutmann: Wenn wir gut vorgeleistet und vorgearbeitet haben, dann teilen wir diesen Erfolg mit allen – weil jeder daran beteiligt war und ist. Es geht uns immer um das gemeinsame WIR-Gefühl. Wenn Sonnentor wieder etwas gelungen ist, dann wird das auch gemeinsam gefeiert.

Könnten sie sich heute vorstellen, wieder für jemand anderes zu arbeiten?

Gutmann: Nein – ist man einmal selbstständig, hat man Blut geleckt und weiß, dass man die ganze Arbeit für sich selbst macht. Man kann ganz anders und einfacher arbeiten, als in einem abhängigen Arbeitsverhältnis unter jemand anderem.

Selbst gründen: Bloß nicht Freunde und Familie fragen

Was würden Sie Menschen raten, die sich in Österreich mit einer eigenen Idee selbstständig machen möchten?

Gutmann: Keine Freunde und Familienangehörige fragen, ob das was werden könnte, sondern wirkliche Unternehmer fragen, die es schon gemacht haben. Generell nicht zu viel fragen, learning by doing hat mir am meisten geholfen. Probieren geht über studieren, es geht ja um’s Umsetzen! Am meisten habe ich von meinen Kunden gelernt, die sagen, was sie gerne hätten. Österreich hat nicht wirklich Unternehmenskultur und Unternehmern haben nur bedingt den Status eines Vorbildes. Was in letzter Zeit in den Medien passiert – z.B. die Sendungen über Start-ups – finde ich sehr gut. Das macht Mut, auch über seine eigenen Ideen nachzudenken. Es geht immer darum, das Thema positiv zu kommunizieren.

Bildnachweis: SONNENTOR

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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