Denken Blogger an die Pension? Im Gespräch mit dariadaria

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 24. November 2016 um 11:25

Womit verdienst du eigentlich dein Geld? Eine Frage, die Madeleine Alizadeh ziemlich oft hört. Und was tut die Bloggerin unter dem Pseudonym dariadaria eigentlich so den lieben langen Tag, außer reisen und Fotos von schön anzuschauenden Dingen schießen? Eine Menge! Denn so uneingeschränkt wunderbar wie viele glauben, ist das Bloggerleben nämlich nicht. Berufliches und Privates vermischen sich und lassen das Wort „Freizeit“ zu einer Farce werden. Was Maddie in ihrem Job und der Zukunft beschäftigt, hat sie uns im Interview erzählt.

Work-Life-Balance – ein Begriff, der umstritten ist. Er suggeriert, dass Arbeit und Leben streng voneinander getrennt sein müssten. Und dann sollte da auch noch ein Gleichgewicht herrschen! Unrealistisch? – Für die Mehrheit der arbeitenden Menschen „ja“ und vor allem für Selbstständige. Madeleine Alizadeh ist seit einigen Jahren selbstständig und hauptberufliche Lifestyle-Bloggerin. Sie reist viel, hat keinen definierten Arbeitsort, geschweige denn fixierte Arbeitszeiten. „Ein Traum“ – finden viele. Die Gefahr dabei lauert allerdings schon um die Ecke. Privatleben und Berufliches verschwimmen rasch, Freizeit ist nicht mehr einfach Freizeit und ständige Verfügbarkeit kann auf Dauer belasten. Und was passiert eigentlich, wenn das Bloggen mal nicht mehr zum Leben reicht oder man sich irgendwann zu anderen Dingen berufen fühlt? Maddie hat uns verraten, was sie rund um den „Traumjob Blogger“ beschäftigt und wie sie die Zukunft unserer Arbeitswelt sieht.

 

Madeleine Alizadeh alias dariadaria

Madeleine Alizadeh

Du bist eine der bekanntesten Bloggerinnen Österreichs und verdienst deinen Lebensunterhalt damit. Gibt es Themen, die dich gerade beschäftigen, vor denen du Angst hast, wenn du an deine Arbeit und die Zukunft denkst?

Nein, ich habe generell keine Angst vor meiner Zukunft. Angst bringt mir nichts als Einschränkung. Ich bin optimistisch und freue mich, meinen Job als Bloggerin noch so lange zu machen, wie es mir Spaß und Freude bereitet und solange es funktioniert. Über das Danach möchte ich jetzt noch nicht entscheiden und ich erlaube mir, spontan zu reagieren.

Wie wichtig findest du Flexibilität in der Arbeit?

Sehr wichtig! Mir war immer klar, dass ein nine-to-five-Job nichts für mich wäre und ich mich da sehr schnell eingeengt fühlen würde. Eine gesunde Work-Life-Balance ist mir immens wichtig. Wenn es sein muss, sollte man sich nach einer intensiven Arbeitsphase auch eine Auszeit zwischendurch gönnen dürfen – das ist meine persönliche Einstellung dazu. Home Office und flexible Arbeitszeiten sind Themen, die in die richtige Richtung gehen und die noch viel mehr gefördert werden sollten.

Hilft, happy zu werden: Mache ich den Beruf, weil er mir Geld oder Prestige bringt – oder weil er mich wirklich erfüllt?

Was würdest du Leuten raten, wenn Sie kurz vor der Entscheidung stehen, einen Beruf zu wählen?

Geht in euch und versucht zu verstehen, ob ihr den Beruf ergreifen wollt, weil ihr es wirklich wollt und es euch glücklich macht. Oder nehmt ihr den Beruf nur aus finanziellen bzw. Prestigegründen an? Für mich persönlich gehört es zu den Basics des Glücklichseins, Dinge nur zu machen, wenn man davon überzeugt ist.

Deiner Meinung nach das Wichtigste, wenn es um die Zukunft der Arbeit geht?

Alternative Arbeitsmodelle. Zum Beispiel weniger arbeiten und dafür produktiver sein. Generell würde ich mir mehr Flexibilität für Menschen wünschen, die Familien planen oder zusätzlich ehrenamtlich oder anderweitig tätig sind.

zukunft der Arbeitswelt dariadaria

Wie schnell können sich Berufe verändern? Wie wird das deiner Meinung nach die Arbeitswelt verändern?

Sehr schnell! Die Arbeitswelt verändern wir selbst täglich mit unseren Entscheidungen. Ich denke, es wird in Zukunft mehr Optionen und mehr Flexibilität geben, weil es die Menschen für sich einfach einfordern werden.

Glaubst du, dass dein Job in der Zukunft von einem Bot erledigt werden kann?

Nein ;-) Solange ich das tue, was mir Spaß macht und mich erfüllt, denke ich nicht, dass meine Arbeit von einer Maschine erledigt werden kann – vor allem wenn es um Kreatives und Persönliches geht.

Denkst du schon an die Pension? Wie siehst du deine Zukunft?

Ich finde es wichtiger, sich jedes Jahr ein paar Wochen „Pension“ zu nehmen, statt alles für das Alter aufzuschieben. Ich bin jetzt jung und möchte jetzt mein Leben genießen – da muss die Arbeit auch mal hinten anstehen. Das hilft übrigens auch wunderbar, sich immer wieder auf die Arbeit zu freuen und nicht das Gefühl zu haben, nur fürs Wochenende oder den Urlaub zu leben!

 

dariadaria beim karriere.talk #2

Beim karriere.talk #2 am 30. November 2016 im Linzer Central gewährt uns Maddie alias dariadaria als eine der Speaker einen Blick hinter die Kulissen einer erfolgreichen Selbstständigen. Sie erzählt von den Herausforderungen im Alltag einer Bloggerin: dem Verschwimmen der Grenze zwischen privat und beruflich, Cybermobbing und der Behauptung eines Berufs, den es bisher so nicht gab. Kommt vorbei und diskutiert mit!

 

Zur Person

Madeleine Alizadeh schreibt auf Dariadaria.com einen der größten Lifestyleblogs im deutschsprachigen Raum. Sie bloggt hauptberuflich. Vor sechs Jahren gründete sie ihren Blog und machte sich damit mit Mitte zwanzig selbstständig.

Madeleine Alizadeh alias dariadaria

Bildnachweis: Andrea Cislaghi

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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