Internet hebt Trennung von privat und beruflich auf

von in Social am Mittwoch, 9. Juni 2010 um 12:05

Ah, endlich Freitag, 17.00 Uhr! Rechner herunterfahren, Tasche zusammenpacken und raus aus der Bürotür – rein ins wohlverdiente Wochenende nach einer Woche harter Arbeit im Job! Nicht nur das Wetter, sondern auch die Poolparty am Wochenende verspricht heiß zu werden. Und am Sonntag wartet dann der adrenalingeschwängerte Höhepunkt des Weekends: Der erste Fallschirm-Alleinsprung! Gut, dass es Facebook, StudiVZ, Twitter und Co. gibt. Denn so sind alle Freunde immer mit Updates und den besten Fotos versorgt.

Und jetzt die Frage an Sie: Welcher Irrtum liegt dem obigen Absatz zu Grunde?

Die Antwort: Dass es eine Trennung zwischen privat und beruflich gibt. Das Social Web, das Internet des (öffentlichen) Dialoges also, dekonstruiert Stück für Stück den Begriff der „Privatheit“, den wir in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten aufgebaut haben. Das, was der Einzelne neben seiner beruflichen Tätigkeit unternimmt, wird durch diese neue Öffentlichkeit … nun, immer öffentlicher. Es gilt die Faustregel: Je jünger ein Mensch ist, desto weniger Privatheit scheint es zu geben. Zum einen erleben die Digital Natives, also die Personen, die von Geburt an mit dem Internet aufgewachsen sind, „Privatheit“ in der Regel als bei weitem nicht so wichtig wie die Älteren dies tun. Zum anderen muss sich bei vielen erst die Medienkompetenz entwickeln, die für mögliche Fallgruben des Web 2.0 sensibilisiert.

Zu große Naivität mit dem Umgang mit eigenen Informationen im Internet kann vor allem bei der Jobsuche ins Auge gehen. Eine aktuelle Umfrage von karriere.at macht ein großes Missverhältnis zwischen Bewerbern und Recruitern offenbar, wenn es um die Relevanz von als „privat“ eingeschätzten Informationen geht. 25 Prozent der Bewerber geben nämlich an, auf keinen Fall ihre Profileinstellungen, Fotos und sonstigen Infos auf den diversen Social Networks á la Facebook, StudiVZ und Twitter überprüfen würden, wenn sie sich bewerben. Sie wollen vor ihrem zukünftigen Chef ja keine keine Geheimnisse haben.

Die Frage ist allerdings, ob der Arbeitgeber des Begehrs mit dieser Einstellung auch tatsächlich der neue Chef wird. Denn lediglich 11 Prozent der Arbeitgeber sind der Meinung, dass jeder Mensch auch ein Privatleben haben sollte. Und fast die Hälfte der Arbeitgeber checken „auf jeden Fall“ die Accounts der Bewerber in den Social Networks. Schwer vorstellbar, dass sie dabei zwischen „beruflichen“ und „privaten“ Informationen unterscheiden.

Und haben Arbeitgeber damit nicht eigentlich recht? Denn lässt ein ausschweifender, unsteter und exzessiver Lebenswandel nicht auch darauf schließen, dass die Person auch im beruflichen Alltag, nun, sagen wir nicht die „ausgeglichenste“ ist?

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