8. März 2012 · Arbeitsleben · von

Internationaler Frauentag: (K)ein Grund zum Feiern?

Frauen haben in den oberen Managementetagen europäischer Unternehmen nach wie vor kein Leiberl und sind chronisch unterrepräsentiert. Auch Österreich hat sich in dieser Statistik nicht mit Ruhm bekleckert: Im europäischen Vergleich liegen wir an ruhmloser, drittletzter Stelle. Woran das liegt, hat diverse Gründe. Dieser Artikel klärt auf, merkt an und lässt Frauen zu Wort kommen, etwa die Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz, Maggie Jansenberger.

Von Rita Obergeschwandner

„Die Mama sitzt im Aufsichtsrat, der Papa macht den Kochsalat.
Quotenschote

89-27-44

Diese Maße gehören weder einer Frau noch einem Mann, sondern bezeichnen ein paar nicht ganz irrelevante Zahlen zum Thema Frauen in Spitzenpositionen. Ernst & Young hat etwa herausgefunden, dass der Gewinn von Unternehmen binnen sechs Jahren auf 89 Prozent stieg, wenn Frauen in den Vorstand geholt wurden. Zuvor lag der Gewinn bei 67 Prozent.

Geht es um Frauen in Spitzenpositionen (Management- und Vorstandsebene) liegt Österreich nur auf Platz 27 im europaweiten Vergleich. Schlusslichter sind Deutschland und die Niederlande.
Interessanterweise hat Litauen mit 44 Prozent den größten Anteil der Frauen in Führungspositionen, danach folgen Bulgarien und die Russische Föderation auf den Plätzen zwei und drei.

„Die Unternehmenskultur spielt letztlich eine große Rolle. Wenn von den MitarbeiterInnen in Führungspositionen erwartet wird, den Job ganz klar über familiäre Verpflichtungen zu stellen, kehren Frauen den Karrieremöglichkeiten oftmals den Rücken.
Dagmar Wilbs, Mercer

Linktipp dazu: www.mercer.de/press-releases/Frauen-in-Fuehrungspositionen

Laut dem AK.Frauen.Management.Report 2012 sind Frauen auf der Vorstands- und Aufsichtsratsebene die Ausnahme: 5,1 Prozent der Frauen sind in Vorständen der österreichischen Top200-Unternehmen, 11,2 Prozent Frauenanteil gibt es in Aufsichtsratspositionen.

Angesichts solcher Zahlen sollten Taten folgen. Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte hat die wichtigsten Forderungen in punkto Gleichstellung zusammengefasst:

  • 50 % Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen staatlicher, staatsnaher Unternehmen und Unternehmen an denen die Stadt, das Land und der Bund beteiligt sind (Tochter – und Enkelgesellschaften)
  • 50 % Frauen für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen und die Zusammensetzung des Vorstands staatsnaher Betriebe
  • 50 % Frauen bei von den kommunalen, regionalen und nationalen Regierungen zu besetzenden Top-Positionen und Gremien im öffentlichen Bereich
  • 50 % Frauen bei der Erstellung von KandidatInnenlisten für Wahlen (inkl. Bindung der Parteienförderung an die Erfüllung einer Frauenquote
  • 50%-Frauen in den kommunalen, regionale und nationalen Regierungen
  • Vergabe von staatlichen Aufträgen und Wirtschaftsförderung nur an Betriebe, die Kriterien der Geschlechter- und sozialen Gerechtigkeit und Frauenförderprogramme erfüllen

Zur Lage der Nation: Wo funktioniert Gleichstellung, wo nicht?

Andere Länder, andere Sitten – so auch in Österreich. Mancherorts wird den Frauen das Recht an höheren Weihen (Ämtern) zugestanden. Zwar nicht im Ausmaß von 50% aber immerhin – erste Schritte werden gesetzt. Im schönen Salzburgerland beschloss die Landesregierung unter dem Zepter von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller am 16. Mai 2011, den Frauenanteil in Aufsichtsräten von Unternehmen, an denen das Land Salzburg beteiligt ist und bei der Besetzung von Organen von Unternehmen, für die das Land ein Entsendungsrecht hat, bis Ende 2014 auf 25 Prozent und bis Ende 2018 auf 35 Prozent zu erhöhen.

Die Stadt Graz hat sich etwa 2010 dazu verpflichtet, die Aufsichtsräte ihrer Beteiligungen mit mindestens 40% Frauen zu beschicken. Diverse Gremien werden zumindest quotenkonform nach besetzt.

Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte Stadt Graz

Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte Stadt Graz

„Frauen bilden die Hälfte der Bevölkerung, die Interessen von Frauen und Männern sind nicht identisch, daher können Männer nicht einfach Frauen vertreten. Nur eine verpflichtende Frauenquote stellt die gleichberechtigte Mitsprache von Frauen in allen Bereichen in absehbarer Zeit sicher. Das Quotensystem baut die Hindernisse, die Frauen bei der Teilhabe im Weg stehen, aktiv ab. Bei Frauenquoten geht es nicht um die Vertretung von Sonderinteressen, sondern um die Repräsentation der weiblichen Hälfte der Bevölkerung.“
Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz

Unterstützung für Frauen kommt auch von höchster politischer Ebene, der Frauenministerin: „Der europäische Zug, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, ist längst angerollt und losgefahren. Österreich steht da leider noch im Bahnhof und da müssen wir endlich aufspringen. Es macht auch wirtschaftlich Sinn, mehr Frauen an die Spitze zu bringen“, sagt Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Frauen und Öffentlicher Dienst.

Jetzt red‘ I: Sagerinnen zum Thema Frauen und Gleichstellung

Zum Thema Frauen und Gleichberechtigung haben sich einige blitzgescheite Frauen nicht den Kopf zerbrochen, sondern kein Blatt vor den Mund genommen.

„Quoten – ja für Frauen, nein für Männer, damit endlich Halbe/Halbe kommt und die besten Frauen drankommen, bevor alle mittelklassigen Männer versorgt sind.“
Lilian Hofmeister, Gender- und Menschenrechtsexpertin

Da Frauen 50 Prozent der Menschheit stellen, sollten sie auch 50 Prozent der Verantwortung und Mitgestaltung für unsere Welt haben.
Quoten sind wichtig um sicherzustellen, dass Frauen überhaupt eine veritable Chance im Berufsleben, in Politik und Öffentlichkeit erhalten.
Die Tatsache, dass Frauen es trotz gleicher oder auch besserer Qualifikation eher selten schaffen, in führende Positionen zu kommen, belegt die Notwendigkeit einen Quotenregelung.
Renata Schmidtkunz
, Journalistin und Moderatorin

Weitere Statements: http://quotenschoten.wordpress.com/die-quotenbotin/

Studien zum Thema gibt es viele…

Die Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz Maggie Jansenberger hat für mich die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:
•   Eine neue Führungs- und Aufsichtsratskultur ist notwendig. Der Führungsstil von Frauen wird als der Führungsstil der Zukunft gesehen: weibliche Kompetenz und Erfahrung in die Führungsorgane!
•   Gemischt geschlechtliche Führungsteams bringen wirtschaftlichen Erfolg. Solche Unternehmen verdienen mehr Geld, haben deutlich bessere Ergebnisse!
•   Es droht ein Fachkräftemangel. Frauen stellen die Hälfte der qualifizierten Arbeitskräfte!
•   50 Prozent der KonsumentInnen sind weiblich.

Fazit:

Zur Gleichstellung der Frauen im Job, in der Gesellschaft und auch im Famlienalltag ist es noch ein weiter Weg, aber frau darf den Mut darüber zu reden und zu schreiben nicht verlieren. In diesem Sinne: ein Prosit auf den 101. Frauentag!

Bildnachweis: colourbox.com, Foto Fischer/Graz

Redaktion

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