Internationaler Frauentag 2013: Halbe/Halbe oder was?

von in Arbeitsmarkt, Gehalt am Freitag, 8. März 2013 um 10:55

Genau heute vor einem Jahr: Die Graz Linien zollten dem Internationalen Frauentag am 8. März mit gratis Öffitickets für Frauen Tribut. Die Reaktion: Man(n) droht mit Klagen via Leserbrief in lokalen Tagesmedien und fordert Gleichberechtigung. Was willst du – Mann? Frauen verdienen noch immer für die gleiche Arbeit durchschnittlich 23,7% weniger als Männer. Viele leisten sich ein Öffiticket gar nicht – 2012 und auch 2013 nicht. Ein Lagebericht.

 

Ein Gastbeitrag von Rita Obergeschwandner

Frauen sind führend in Spitzenpositionen …

… aber nur was unbezahlte Jobs angeht. Mütter, Töchter, Schwiegertöchter pflegen Familienangehörige, betreuen Kinder und Enkelkinder, kochen, putzen, saugen Staub, waschen Wäsche und Geschirr, bügeln, kaufen ein, gießen die Blumen, besuchen Elternsprechtage, kutschieren die Kinder, besorgen Geschenke, dekorieren die Wohnung zu Ostern, zu Weihnachten, zu Feiern und sind für die „Beziehungsarbeiten“ zuständig.

Provokante Übertreibung und Klischee?

Untersuchungen zeigen: Frauen leisten 9,7 Mrd. Stunden jährlich für unbezahlte Hausarbeit und Kinderbetreuung. Die Pflege von Kranken oder Gebrechlichen sowie ehrenamtliche Tätigkeiten werden zu zwei Dritteln von Frauen geleistet. 92% der Frauen und 74% der Männer verrichten Arbeiten rund um den Haushalt. In Österreich verrichten Frauen täglich drei Stunden 42 Minuten Hausarbeit, Männer nur knapp zwei Stunden.

„47 % der Männer und 41% der Frauen üben Ehrenämter aus oder arbeiten unentgeltlich freiwillig. Aber man muss bei Ehrenamt und freiwilliger Arbeit zwischen formal (Sportverein und Feuerwehr u.a.) und informell (einkaufen, Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe …) unterscheiden.“
Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz

Frauen sind führend in Positionen …

… die schlecht bezahlt sind. Sie verdienen außerdem für die gleiche Arbeit durchschnittlich 23,7% weniger als Männer. Laut Rechnungshofbericht vom Dezember 2012 hat sich die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen bei den Durchschnittseinkommen (Teil- und Vollzeit zusammengenommen) in den vergangenen 14 Jahren nicht verringert. Mieten oder etwa Kosten für Nahrungsmittel, Strom oder Produkte des täglichen Bedarfs sind indes rasant angestiegen.

Laut Statistik Austria verdienen überdies Frauen 30+ merklich weniger als Männer. Mit dem Alter steigt zwar grundsätzlich der Lohn, allerdings bei Frauen nicht so stark wie bei Männern. Während 20- bis 29-jährige Frauen durchschnittlich 10 Euro und damit um rund 15% weniger verdienten als Männer in dieser Altersgruppe (11,70 Euro), lagen die Verdienste der Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren bei 11,45 Euro und somit um 28% unter jenen der Männer mit 15,95 Euro.

Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte Stadt Graz

Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte Stadt Graz

„Merkbar ist zwar eine Veränderung des Bewusstseins in der Bevölkerung, dass Frauen und Männer gleiche Löhne für dieselbe Arbeit bekommen sollen, dass zeigen auch Umfragen quer durch alle Altersgruppen. Aber die Unternehmen, teilweise auch die öffentlichen Dienste, hinken hinterher. Firmen ab einer gewissen Größe legen auch diesbezüglich ihre Gehälter nicht offen.“
Maggie Jansenberger

Gefangen in der Teilzeitfalle

Rund 81% der Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. Gründe dafür bei 38% der Frauen, aber nur 3,1% der Männer: Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene. Frauen sind in bezahlter und unbezahlter Arbeit eingespannt. Bei der bezahlten Arbeit verdienen sie weniger, tappen oder sitzen in Teilzeitfallen – oft, um nur über die Runden zu kommen!

In Graz lautet etwa das Motto zum Internationalen Frauentag: Zeitausgleich – entspannt statt eingespannt:
„Das Motto bezieht sich auf die Doppel- und Mehrfachbelastung von Frauen. Frauen befinden sich oft in Situationen – daheim und in der Arbeit – die Muße und Entspannung ausschließen. Muße ist sowieso ein viel zu sehr vernachlässigter Teil des Lebens.“
Maggie Jansenberger

In Summe ergeben die Zahlenspielereien folgendes Fazit: Frauen haben nur rund 60 Prozent des männlichen Durchschnittseinkommens zur Verfügung. Ein trauriges Ergebnis, doch trotzdem oder gerade deswegen haben Frauen vielerorts die Lust den 8. März zu feiern nicht verloren – und das ist gut so.

„Am 8. März 2030 möchte ich nicht mehr über die Themen Einkommensscheren, Betreuungspflichten, Gewalt gegen Frauen, Sexistische Werbung und Schwangerschaftsabbrüche diskutieren müssen.“
Maggie Jansenberger, Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz

Hintergrund: 8. März Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag oder kurz Weltfrauentag genannte Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden, wird weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen.

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Bildnachweis: Jurgita / Quelle Shutterstock, Foto Fischer/Graz

Redaktion

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