Die sieben häufigsten Identifikationskiller

von in HR am Mittwoch, 16. Juli 2014 um 10:25

Mitarbeiter sind wichtige Markenbotschafter für ein Unternehmen. So weit, so gut. Die wichtigste Zielgruppe für Marken- oder Werteprojekte sind jedoch die Führungskräfte. Denn sie sind es, die Werte vorleben und so erlebbar machen. „Ein Spruch an der Wand oder in der Kantine hilft wenig, wenn er nicht von oben vorgelebt wird“, weiß Wirtschaftsgermanistin und Kommunikationsprofi Karin Krobath. Im Interview nennt sie die häufigsten Identifikationskiller.

„People join companies and leave managers“

Mitarbeiter stehen als so genannte Markenbotschafter im Mittelpunkt. Werde dabei die Führungskräfte nicht vergessen?

Karin Krobath

Karin Krobath

Karin Krobath: Tatsächlich sind Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen gemeint. Der wichtige Knackpunkt ist jener, dass die Chefs eine extrem wichtige Rolle dabei haben, ob sich ein Mitarbeiter als Markenbotschafter fühlt oder nicht. Es werden viele Projekte gemacht, um Werte in Unternehmen zu etablieren. So richtig glauben tun die Mitarbeiter diese aber nur, wenn auch der unmittelbare Vorgesetzte danach handelt – gute Kommunikation bringt hierbei wenig. Werte, die nur als Poster an der Wand hängen, glaubt man nicht.

Wie kann dies im Alltag aussehen?

Karin Krobath: Wenn ein Arbeitgeber sich zum Beispiel Flexibilität oder Kreativität auf die Fahnen schreibt, die Mitarbeiter im Alltag jedoch vorwiegend Kontrolle und Einschränkungen erleben. Denn dann glaubt man nicht an die Freiheit. Hier fällt mir das Zitat ein: „People join companies and leave managers“. Wenn ich wo hingehe, weil ein Arbeitgeber einen bestimmten Ruf hat, dieser aber nicht gelebt wird, bin ich wohl schnell wieder weg. Deshalb müssen die Führungskräfte für alle Werte- und Markenprojekte die wichtigste Zielgruppe sein. Denn sie sorgen als Multiplikatoren dafür, dass eine Idee wirklich durchdringt.

Drei Hebel für ein funktionierendes Projekt

Was braucht es, um Werte wirklich umzusetzen?

Mitarbeiter wohlfuehlenKarin Krobath: Man muss an drei Hebeln ansetzen: 1. Der Kommunikation. Hierfür sind meist die PR-Abteilung oder das Marketing zuständig. 2. Das HR-Management. Hier wird unter anderem geklärt, wie man das Mitarbeitergespräch, Feedbacksysteme oder Karrieremodelle und die Wertewelt zusammen bringen kann. 3. Die Führung. Man muss sich die Frage stellen, wie man mit den Führungskräften arbeiten muss, damit Werte und Ideen auch tatsächlich gelebt werden. Es geht darum dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen.

Vorsicht vor den Identifikationskillern

Als Leitfaden für Führungskräfte hat Krobath die so genannten Identifikationskiller entwickelt. Sie verhindern, dass Mitarbeiter sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und sollten daher unbedingt vermieden werden. Hier ein Auszug:

  1. Je besser die Freunde, desto strenger die Rechnung: Privat kann man selbst entscheiden, wie streng man Rechnungen teilt. In der Firma ist es jedoch ein absolutes No Go, privates und berufliches zu vermischen. Private Essensrechnungen oder gar Friseurbesuche haben in der Firmenbilanz nichts verloren. „So etwas macht irrsinnig schnell die Runde“, weiß Krobath.
  2. Heikles Thema Autos: „Tauschen Sie die Vorstandsautos nicht, wenn Sie gleichzeitig Mitarbeiter entlassen oder auf Kurzarbeit umstellen – auch wenn es der Leasingvertrag vorsieht“, rät die Expertin. „Autos sind meist ein sehr emotionales Thema.“
  3. Mitarbeiterveranstaltungen ernst nehmen: Als Vorstand oder Geschäftsführer muss man pünktlich erscheinen und sollte nicht zu früh gehen. „Auch, wenn man die Umstände oft nachvollziehen kann, die Mitarbeiter erleben ein spät kommen oder allzu früh gehen als mangelnde Wertschätzung.“
  4. Keine übertriebene Sicherheit: Zugangssysteme, die nur den Bereich zugänglich machen, in dem ein Mitarbeiter arbeitet, torpedieren jeden Versuch, die interne Kommunikation und den Teamgeist zu stärken.
  5. Gesichter und Namen merken: „Eine Führungskraft gibt den Ton im Team vor. Es ist ein wesentlicher Teil der Führungsaufgabe, seine Mitarbeiter zu kennen, zu grüßen und ihnen so Respekt und Anerkennung entgegen zu bringen.“
  6. Auf karenzierte Mitarbeiter nicht vergessen: Diese sind Teil der „Mannschaft und sollten auch als solcher behandelt werden. „Auch dank der zunehmenden Bildungskarenzen ist das Handling hier besser geworden“, so Krobath.
  7. Nicht mit Anerkennung geizen: Sparen Sie, wenn es sein muss, aber sparen Sie nicht beim freundlichen Wort. „Erwischen“ Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch, wenn sie etwas richtig machen.

Zur Person: Karin Krobath

Als jahrelange Kommunikationsfrontfrau in der Finanzwelt kennt sie das Spannungsfeld in dem Führungskräfte und Unternehmen stehen. Seit zehn Jahren kombiniert sie Marke & Organisationsentwicklung für große Namen und kleine Flaggschiffe. Krobath publiziert zudem laufend, sie ist Gründungspartnerin von IDENTITÄTER und Partnerin von wortwelt®.

Bildnachweis: Theeradech Sanin /Quelle Shutterstock, Identitäter, Andresr /Quelle Shutterstock

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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