Ideenklau im Büro – Fünf Tipps, wie Sie sich gegen dreiste Kollegen schützen können

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 6. Oktober 2010 um 14:02

Ihre Idee, Ihre Umsetzung, Ihre Arbeit. Und jetzt geht der Kollege mit dem fertigen Projekt beim Chef hausieren? Und streift auch noch die Lorbeeren ein! Jeder kennt Kollegen, die die Kategorie „Ideenklau im Büro“ zur Königsdisziplin erhoben haben. Und die beim Vorgesetzten hoch im Kurs stehen, obwohl diese Ihrer Meinung nach nichts zustande bringen, als heiße Luft zu produzieren und schließlich – zum richtigen Zeitpunkt – die Leistungen anderer für sich beanspruchen. Fünf Tipps, wie man das Urheberrecht auf die eigene Arbeit bis zum Schluss behält.

Gerade geborene Teamplayer kennen das Problem. Sie rackern sich ab, reiben sich auf und „reißen“ aber, wie man auf gut österreichisch sagt, damit im Endeffekt nichts. Den hart erkämpften Erfolg verbuchen andere. Wie im Fußball. Dass der Flügelflitzer den 60-Meter-Sprint gegangen ist, zwei auf die Schienbeine bekommen hat, einen herrlichen Doppelpass gespielt und schließlich die perfekte Flanke auf den Stürmer gezirkelt hat, wird ewig eine Randnotiz bleiben. Was zählt, ist das Tor.

Sicher, um funktionierende Teams zu bilden, gilt es zuallererst die richtige Mischung aus Arbeitsbienen und Selbstdarstellern zusammenzustellen. Das haben wir mithilfe von Cristiano Ronaldo bereits beschrieben. Auch wie man sich kurzfristig abreagieren kann, wenn einen die Kollegen derart nerven, dass man ausflippen könnte. Was aber tun, wenn der Ideenklau ein dauerhaftes Problem ist, und sogar zur Gefahr für die weitere Karriere werden könnte? Wenn ihr heißluftproduzierender Kollege dank Ihrer eigenen Ideen plötzlich zu Ihrem Vorgesetzten zu werden droht? Spätestens dann sollten Sie überdenken, ob Sie nicht ein allzu leichtes Opfer für gewerbsmäßige Ideen-Diebe sind.

Fünf Tipps gegen Ideenklau

  1. Jammern bringt’s nicht! Auch wenn Sie sich noch so viel darüber ärgern, dass Ihr Kollege mit Ihren Ideen reüssiert, vermeiden Sie es, die Heulsuse zu spielen. Es hat keinen Sinn, bei anderen Kollegen mit Ihrem Kummer auf Herbergssuche zu gehen. Neben einigen, die sicher Ihren Ärger teilen, werden Sie auf viele andere stoßen, die ebenfalls keine Lorbeeren mit dem konkreten Fall abstauben konnten. Und bei denen werden Sie dann rasch als quengelnder, Zwietracht säender Egomane unten durch sein. Also: Kopf hoch – ab jetzt besser machen!
  2. Lage checken! Zunächst einmal überdenken, was eigentlich passiert ist. War es das erste Mal, dass Ihnen eine Idee gestohlen wurde? War es ein bestimmter Kollege oder waren es mehrere? Wenn Ihnen das ständig passiert: Können Sie ein System ausmachen? Rekonstruieren Sie den Ablauf – sehen Sie sich Ihre alten Protokolle an – wurde die Idee nicht vielleicht doch gemeinsam geboren? Oder ist es einem Kollegen, den Sie im Übrigen schätzen und mit dem Sie gerne zusammenarbeiten, „passiert“? Dann hilft oft ein einfaches, klärendes Gespräch unter Freunden, um die Wogen wieder zu glätten.
  3. Taktik ändern! In vielen Fällen tragen gerade die oben erwähnten „geborenen Teamplayer“ ihr Herz in Kreativ-Meetings, Entwicklungs-Klausuren oder Gruppen-Besprechungen auf der Zunge: Weil es ihnen einfach Spaß macht, mit anderen Dinge auf die Beine zu stellen. Das ist zwar grundsätzlich positiv, doch hilft dies maximal denjenigen, die abwarten, bis ein Projekt präsentierfähig ist. Und die schlagen dann in der Regel zu. Wenn man also mit potenziellen, bereits entlarvten Ideenklauern im Team arbeitet, sollte man seine Taktik etwas ändern: Weiter konstruktiv arbeiten, aber die konkreten Lösungsideen vorerst einmal vage umreißen. Das kann dann auch die Dampfplauderer-Kollegen motivieren mitzuarbeiten, weil sie merken: „Hoppla, hier gibt es eine Idee. Wenn ich hier etwas ernten will, muss ich auch mitarbeiten um am Laufenden zu bleiben.“
  4. Selbstbewusstsein zeigen! Helfen kann auch, seine Ideen vom ersten Augenblick an als die deklariert eigenen zu verkaufen. Man stellt sich damit auch automatisch für den Auswahlkader an potenziellen Projekt- und Teamleitern auf. Und wird eher für so einen Posten ausgewählt. Man trägt dann zwar bei Misserfolgen auch die Verantwortung dafür, aber das tut der vorlaute Kollege auch. „Preis des Erfolges“ nennt sich das.
  5. Realist bleiben! Handelt es sich beim „Ideenklauer Nr. 1“ um Ihren Vorgesetzten, sollten Sie wirklich Vorsicht walten lassen. Denn diesem vorzuwerfen, er hätte Ihre Idee gestohlen, wird dem weiteren Aufstieg im Unternehmen schon gar nicht förderlich sein. Hier gilt es besonders sensibel vorzugehen und abzuwägen: Ist der Chef auch ein persönlicher Du-Freund, lässt sich die Situation vielleicht mit einem einfachen Gespräch bei einem Kaffee entspannen. Gerade bei stark ausgeprägten Hierarchien im Unternehmen, stellt man aber mit solchen Anschuldigungen – egal ob wahr oder nicht – mit größter Wahrscheinlichkeit seinen Schreibtisch zur Disposition.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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