Expertenforum HR-Kennzahlen: Wer viel misst, misst viel Mist

von in HR am Donnerstag, 1. März 2012 um 12:40

Personalcontrolling ohne Erbsenzählerei – im Optimalfall proaktiv, effektiv und mit den richtigen Kennzahlen. Zum Expertenforum „HR-Kennzahlen: Vertrauen ist gut, Controlling ist besser“ des Netzwerk Humanressourcen trafen sich im Wifi Linz rund 50 HR-Experten und Personalverantwortliche zum Diskutieren und Netzwerken. In fünf Vorträgen ging es einen Vormittag lang um die Wichtigkeit von Personalcontrolling in Theorie und Praxis.

Controller sollen keine Erbsenzähler sein

Der Frage „Warum wird Controlling auch im HR-Bereich immer wichtiger?“ widmete sich Prof. (FH) Mag. Dr. Albert Mayr, Professor für Controlling und Finance an der Fachhochschule Oberösterreich. Controlling helfe Unternehmen dabei, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Um finanziell erfolgreich zu sein müsse man daher rechtzeitig in die Potenziale der Mitarbeiter investieren, so Mayr. „Der wichtigste Faktor im internationalen Wettbewerb ist für mitteleuropäische Unternehmen das Personal.“ Nach dem Material sind Personalkosten allerdings auch der zweitwichtigste Kostenfaktor – in Dienstleistungsunternehmen sogar der wichtigste.

In diesem Spannungsfeld stellen Controller zunehmend das „Sollen“ bei Mitarbeitern in den Vordergrund. Mayr vermutet hinter diesem gestiegenen Leistungsdruck einen möglichen Grund für die steigende Anzahl an Erkrankungen wie Burnout und Depressionen. Zentrale Herausforderungen für die Zukunft sieht Mayr im Hinblick auf die Entwicklung der Erwerbspersonen nach Altersgruppen – es gibt weniger Geburten und mehr ältere Arbeitnehmer. Diese seien anders und schwieriger zu motivieren, wie etwa junge Arbeitskräfte. Wichtiger Aufgabenbereich von HR-Managern sei daher auch die Wahrnehmung von inneren Kündigungen, Motivationsdefiziten und Mitarbeiterüberforderung.

Zum Ende seines Vortrages wartete Mayr mit einer Definition von Personalcontrolling auf: „Personalcontrolling macht das Wirken und die Ergebnisse des Personalmanagements transparent und hilft, die Professionalisierung des Personalmanagements voranzutreiben. Controlling macht sensibel für die Situation im HR-Bereich durch Quantifizierung der Ist-Situation, Entwicklung von neuen Zielen und die Implementierung geeigneter Steuerungsmaßnahmen.“

Anforderungen an Kennzahlen

Mag. Monika Pleschinger, selbständige Personalmanagerin, zeigte mögliche Kennzahlen auf, die für Personalcontroller interessant sein können. Sie definierte dabei ein Set an Anforderungen, die Kennzahlen erfüllen müssen:

  • Jede Kennzahl muss mit einer Vorgabe verbunden sein
  • Jede Kennzahl muss mit einem unternehmerischen Ziel verbunden sein
  • Zahlen müssen vollständig sein
  • Zahlen müssen vergleichbar sein (einheitliche Bezeichnung)
  • Zahlen müssen übersichtlich aufbereitet sein
  • Kennzahlen müssen leicht verständlich sein
  • Kennzahlenauswertung muss effektiv, sprich benutzerfreundlich sein
  • Kennzahlen dürfen weder viel Zeit noch Geld oder Kapazitäten kosten

Voraussetzung um überhaupt Kennzahlen erheben zu können ist eine entsprechende Datenqualität – ansonsten heißt es laut Pleschinger „Garbage in – Garbage out“. Weiters gilt es, sich die Frage zu stellen, ob Kennzahlen strategieorientiert oder problemorientiert generiert werden. Während strategieorientierte Kennzahlen darauf abzielen, zu überprüfen, ob die Unternehmensziele erreicht werden können, verfolgen problemorientierte Kennzahlen den eher datenbasierten Ansatz Problemstellungen detailliert zu erkennen, zu verfolgen und Vermutungen zu evaluieren.

HR-Kennzahlen in der Praxis

Die Kennzahlen die von Unternehmen in der Praxis verwendet werden, sind über weite Strecken administrativer Natur: Resturlaub, Personalstand, Krankenstandstage, Teilzeitquoten und Personalproduktivität um nur einige davon zu nennen. Pleschinger hat in ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit unter anderem mit Kennzahlen wie „Offer Acceptance Rate“ (Wie viele Kandidaten, die einen Dienstvertrag bekommen hätten, haben diesen nicht angenommen?), Früh-Fluktuation (Wer ist nach einem Jahr noch im Unternehmen tätig?) oder der Erfassung von Bewerberaussagen und -fragen, sowie mit Austrittsgründen gearbeitet.

Letztlich sei wichtig, mit den für das Unternehmen am besten geeigneten Kennzahlen zu arbeiten – mittelständische Unternehmen brauchen oftmals andere Kennzahlen wie große Industriebetriebe. Deswegen: Wer (zu) viel misst, misst viel Mist – manchmal mit den falschen Daten, manchmal mit der falschen Zielrichtung.

Daniela Probst, von FCI Austria GmbH, Mag. (FH) Christoph Dottolo, Salzburg AG und Prok. Siegfried Gegenhuber von der Hypo NÖ Landesbank AG komplettierten den Vortragsreigen mit zahlreichen praktischen Einblicken in ihre Unternehmenswelten. Ausführliche Informationen zur Veranstaltung gibt es auf der Website des Netzwerk Humanressourcen.

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Bildnachweis: Petra Thaller

David Kitzmüller

David Kitzmüller ist Marketing-Teamleiter bei karriere.at. Zwischen Werbekampagnen und Performance-Analysen schreibt er in seinen Blogposts über Trends und neueste Entwicklungen in der Webwelt.

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