Knock-Out für High Potentials: Selbstüberschätzung und wenig Selbstkritik

von in Arbeitsmarkt, HR am Freitag, 3. Februar 2012 um 11:51

Hochqualifizierte Fachkräfte sind begehrter denn je: Mehr als die Hälfte der österreichischen Unternehmen muss jeden vierten Wunschkandidaten ziehen lassen, weil es nicht gelingt, diesen für sich zu überzeugen. „Saugut und trotzdem arbeitslos“ ist trotzdem ein Schicksal, das mitunter auch Top-Nachwuchskräfte, so genannte „High Potentials“, treffen kann. Denn glaubt man den Ergebnissen einer aktuellen Studie, kritisieren Personalmanager bei diesen in erster Linie zwei Dinge: Selbstüberschätzung und zu geringe Fähigkeit zur Selbstkritik im Job.

Soft Skills – oft unterschätzt und bei der Personalauswahl hinter die fachlichen Qualifikationen gestellt. Das kann sich rächen. Denn gerade bei hochqualifizierten Fachkräften seien mangelnde Selbstkritik und Selbstüberschätzung der häufigste K.O.-Grund in Unternehmen, besagt die aktuelle „High Potentials Studie 2011/12“ der Managementberatung Kienbaum für die 460 Unternehmen der D-A-CH-Region befragt wurden. „Ein High Potential braucht mehr als ein Zeugnis mit sehr guten Noten. Er muss neben seiner fachlichen Qualifikation auch durch seine Persönlichkeit überzeugen“, kommentiert Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer von Kienbaum Communications, die Ergebnisse. Besonders gefragt bei Unternehmen: Eigenmotivation, Fach- und Methodenkompetenz, Praxiserfahrung und – natürlich – Fremdsprachenkenntnisse.

Top-Bewerber sind jedenfalls gefragter denn je: 87 Prozent der befragten Unternehmen gaben beispielsweise an, im kommenden Jahr bis zu 15 „HPs“ einstellen zu wollen. In den Bereichen Forschung und Entwickung, IT und Produktion sei es besonders schwer, ausreichend qualifizierte Bewerber zu finden.

„Persönliche Motive“ Haupt-Kündigungsgrund in Österreich

Interessant ist die Auswertung, warum Top-Nachwuchskräfte aus Unternehmen ausscheiden (in drei von vier Fällen geschieht das in Österreich erst nach mindestens drei Jahren): Während in Österreich und Deutschland „persönliche Motive“ am häufigsten als Trennungsgrund vom Dienstgeber genannt werden, sind in der Schweiz zumeist Abwerbungen durch andere Unternehmen verantwortlich.

Was wiederum auffällt: Der Abschlussgrad des Bachelors ist in der Wirtschaft noch nicht wirklich angekommen: Laut Studie wünschen sich die meisten Unternehmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz hauptsächlich Master- und Diplomabsolventen.

Gehälter in Österreich am niedrigsten

In puncto Einstiegsgehälter können die österreichischen Top-Bewerber nur neidvoll über die Grenze nach Deutschland schielen: Dort verdienen promovierte Berufseinsteiger (PhD/Dr.) im Schnitt 52.200 Euro brutto/Jahr, Uni-Master-Absolventen 46.500 Euro, Diplomanden und Bachelors 44.000 Euro – jährlich also rund 10.000 Euro mehr als vergleichbare Absolventen in Österreich. „Das geringere Niveau bei den Einstiegsgehältern macht es vielen österreichischen Unternehmen schwer, High Potentials aus den Nachbarländern Deutschland und Schweiz zu rekrutieren. Deshalb ist es für Firmen in Österreich umso wichtiger, High Potentials mit einem attraktiven Gesamtpaket als Arbeitgeber zu überzeugen“, betont Christoph Dovits von Kienbaum Wien.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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