Intuition oder Hirn – Sind Bauchentscheidungen besser? Drei Tipps für schwierige Situationen

von in Bewerbung, Jobsuche am Montag, 10. Januar 2011 um 13:42

„Listen to your heart when it’s calling for you“, sangen Roxette schon vor Jahrzehnten. Was nahelegen soll, in schwierigen Entscheidungssituationen im Zweifelsfall auf die innere Stimme zu hören, widerlegen nun britische Forscher zum Teil. Denn: Nicht bei allen Menschen hat das Herz immer Recht. Für sie stellte sich die Intuition in gewissen Situationen als schlechter Ratgeber heraus. Drei Tipps, wie Sie Entscheidungen mit Herz und Hirn treffen.

Wer kennt sie nicht, jene Entscheidungen, in denen sich Herz und Hirn einen Wettlauf um die Lösungskompetenz zu liefern scheinen. Vor allem in längeren Bewerbungsphasen treten solche Situationen immer wieder auf – Beispiele: Man würde von einem Unternehmen mit Handkuss genommen, aber irgendetwas „sträubt“ sich gegen die neue Aufgabe. Man wittert eine Riesenchance in einer neuen Firma mit großen Zukunftsperspektiven, entscheidet sich dann aber doch für einen anderen Job.

Intuition kann helfen, Strategien zu entwickeln

„Hätte ich doch nicht auf meinen Bauch gehört“, oder „Hätte ich doch bloß auf meinen Bauch gehört“, sind dann Floskeln, die man in vielen Fällen hört, wenn sich die Ernüchterung über den neuen Job dann einstellt.

Dass in puncto Bauch- versus Vernunftentscheidungen kein Lösungsweg automatisch besser als der andere ist, besagt eine neue Studie der Cambridge University, über die science.orf.at berichtet.
Die Psychologen rund um Barnaby Dunn untersuchten, welchen Einfluss Reaktionen des Körpers in schwierigen Situationen wie beispielsweise der Herzrhythmus mit der Entscheidungsfindung zusammenhängen. Sie führten die Versuchsreihe anhand eines neuen Kartenspiels durch, das die 92 Probanden zu erlernen hatten. Weil noch keiner der Teilnehmer, die auf Herzschlag und Schweißentwicklung untersucht wurden, auf eine wirksame Strategie zurückgreifen konnte, um das Spiel zu gewinnen, war ihre Intuition gefragt. Sprich: Bauchentscheidungen.

Ergebnis: Die Forscher stellten fest, dass die Körperwerte in direktem Zusammenhang damit standen, wie schnell die Versuchs-Kartenspieler ihre Entscheidungen trafen. Laut der Studie waren gerade jene Teilnehmer besonders gut in ihren Entscheidungen, die auch gut auf ihre Körperfunktionen hören konnten. Andere wiederum, die ebenfalls besonders hellhörig ihrem eigenen Körper gegenüber waren, schafften es nur schwer, eine Spieltaktik daraus abzuleiten. Fazit des Studienleitners: Man solle nur bedingt auf seinen Körper hören und vorsichtig sein – in manchen Situationen behindere die Intuition nämlich dabei, das Richtige zu tun.

Herz vs. Hirn – Drei Tipps für schwierige Entscheidungen

Aha, nun sind wir nicht wirklich schlauer. Was also anfangen mit dem Ergebnis? Was tun, wenn das Herz in einer Situation „ja“ sagt und der Kopf „nein“ oder umgekehrt?
Drei Tipps:

  • Analogien suchen: Welche Entscheidungen (beispielsweise in Bewerbungsphasen) in der Vergangenheit sind mit dem aktuellen Problem annähernd vergleichbar? Wie bin ich damals mit dem Problem umgegangen? War das Ergebnis damals gut oder schlecht?
  • Analyse: Bauchgefühle lassen sich vielfach auch rational argumentieren. Beispiel: Wenn die Abneigung einem möglichen zukünftigen Vorgesetzten gegenüber schon im Bewerbungsgespräch nahezu Funken schlägt, ist dies einerseits eine Gemütsentscheidung. Andererseits sagt auch der Verstand ganz klar, dass man wahrscheinlich nicht alt wird in dieser Position. Daher: Am besten versuchen, diffuse Bauchgefühle in klare Worte zu fassen.
  • Andere: Oft kann es vorkommen, dass sich Bauchgefühl und Verstand gegenseitig blockieren, sodass  kluge Entscheidungen oft gar nicht mehr möglich scheinen, weil plötzlich alles blockiert. Dazu kommt dann die Angst vor fatalen Fehlern, die noch stärker hemmt. Oft helfen in solchen Situationen die Sichtweisen anderer, unbeteiligter Personen, mit denen man gemeinsam in „Plus-Minus-Listen“ die Vor- und Nachteile von den Entscheidungsoptionen aufarbeitet. Dabei ruhig alle Punkte, also sowohl Intuitions- als auch Verstandesargumente, auf dieselbe Liste schreiben. Dann abwägen, mit welchen Nachteilen man sich eventuell arrangieren könnte beziehungsweise herausfinden, ob es Hemmnisse gibt, die nicht hinnehmbar sind.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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