Halali! Auf zur Mitarbeiter-Jagd im eigenen Freundeskreis!

von in Bewerbung, HR, Social am Montag, 16. August 2010 um 11:54

Dass Social Media für einen großen Teil der Unternehmen in den Bereichen Personalsuche und Employer Branding zum Standardrepertoire gehört wie früher das klassische Zeitungsinserat, ist auch in unseren Breiten mittlerweile Common Sense. Ausgehend von den USA lässt sich in den letzten Monaten immer stärker ein neuer Trend feststellen: Freundesnetzwerke von Menschen für Rekrutierugszwecke zu nutzen. Seit heuer kommt auch in Mitteleuropa vermehrt Schwung in das Headhunting unter Freunden.

Personalchef: „Wir brauchen einen Web-Designer, der folgendes kann: Erstens…zweitens…drittens. Kennt wer einen?“ Angestellter XY: „Ja, ein Fußballkollege von mir kann genau das und ist, was ich weiß, ziemlich unzufrieden in seinem momentanen Job.“ Personalchef: „Er soll mich anrufen.“

Persönliche Netzwerke der Mitarbeiter zum Recruiting zu nutzen, machen Personaler schon immer. Weil es oft am schnellsten geht, unkompliziert ist und in vielen Fällen die verlässlichsten Mitarbeiter bringt. Das sind für viele HR-Verantwortliche eben auch drei Argumente, warum sie sich gegen die Angestelltensuche via Social Media entscheiden, wo der Pool an Bewerbern zwar fast unerschöpflich ist, der menschliche Touch aber über weite Strecken zu kurz kommt.

Dieses Manko versuchen nun verschiedene Plattformen bzw. Applikationen mit ihren Angeboten auszumerzen, indem sie Freundes-Netzwerke bewusst für die Personalsuche nutzen.

  • Eines der neuesten Modelle heißt BranchOut, erst im Juli 2010 gegründet: Eine Facebook-App, die jede Menge Karrieredaten über die eigenen Freunde, deren Freunde und wiederum deren Freunde sichtbar macht. So werden gleichsam die Vorteile von Facebook mit jenen von LinkedIn kombiniert. Und: Firmen mit Personalbedarf können bald für nur 30 Dollar (!) pro Monat Stellenanzeigen bei BranchOut aufgeben. Quasi gratis also. Für alle, die mehr lesen wollen: Sowohl Marcus Tandler von Der JOBlog als auch die „Karrierebibel“ haben BranchOut bereits ihren Bewertungen unterzogen.
  • Ein weiteres Modell: SimplyHired, das es schon seit eineinhalb Jahren möglich macht, via LinkedIn zu sehen, welche Bekannten bei welchem Unternehmen mit freien Stellen arbeiten. Seit kurzem gibt es nun auch die Möglichkeit für Facebook-User, die Firmen ihrer Freunde nach Jobs zu durchsuchen und gleichzeitig auch Stellen mit ähnlichem Profil präsentiert zu bekommen. Eva Zils von online-recruiting.net hat sich näher mit Simply Hired beschäftigt und sieht darin eine ernsthafte Gefahr für klassische Stellenmärkte.
  • Doch auch in Mitteleuropa, besser gesagt in der Schweiz tut sich etwas in dieser Richtung: So gibt es seit Frühling die Neugründung „Hirschfactor“. Die drei jungen Zürcher machen sich ebenfalls die Vorteile der persönlichen Empfehlungen zunutze – fokussiert auf die Finanzdienstleister-Branche. Und: Für erfolgreiche Vermittlungen winken privaten Mitarbeitern laut Presseaussendung lukrative Prämien von bis zu 10.000 Franken. Hirschfactor richtet sich in erster Linie an 28- bis 40-Jährige mit mindestens drei Jahren Arbeitserfahrung und einem Jahreseinkommen von 100.000 Franken. Wer dazu noch mehr lesen möchte: Executivesearchconsultants.de sprachen mit Fabio Magagna, einem der drei Hirschfactor-Gründer, darüber, wie schwer es ist, sich mit gezieltem Headhunting am Schweizer Markt zu etablieren.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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