Sie nerven! – Fünf Dinge, die eine gute Bewerbung ausmachen

von in Bewerbung, Jobsuche am Mittwoch, 9. Februar 2011 um 16:10

Fehlendes Anschreiben, kein Unternehmenswissen, selbstgemachte Handy-Fotos über dem Lebenslauf: Als „unterdurchschnittlich“ beurteilen die Personalverantwortlichen derzeit die Qualität der bei ihnen eingehenden Bewerbungen. Grund genug für eine Aufklärungsrunde!  Was wünschen sich Österreichs Personalchefs von den Kandidaten? Was bringt sie bei Bewerbungen so richtig auf die Palme? Und womit kann man sie beeindrucken? Fünf Faktoren, auf die Sie achten sollten.

Eine vielversprechende Stellenausschreibung, eine spannende Aufgabe und die eigenen Qualifikationen passen auf das Anforderungsprofil wie die Faust aufs Auge. Yes! Traumjob gefunden. Bewerbung mit Lebenslauf hingeschickt und fertig. Die werden sich dann schon melden…
Muss nicht sein. Denn diese Idee hatten ziemlich sicher auch andere. Im für Sie schlimmsten Fall: Hunderte. „Ich bekomme pro Jahr rund 2.500 Bewerbungen auf den Tisch“, berichtet beispielsweise KTM-Personalchef Alexander Pertele. Eine riesige Menge also, aus der man allen voran schon mit dem Anschreiben herausstechen sollte. Um dann überhaupt das heißersehnte Vorstellungsgespräch und/oder das Assessment Center absolvieren zu dürfen.
Ein Bewerbungsschreiben ist die erste Duftmarke, die man als möglicher Arbeitnehmer in einem Unternehmen setzen kann. Überzeugt man in dieser ersten Runde, ist der Grundstein für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch zumindest einmal gelegt.

Fünf Minuten entscheiden über Glück und Elend

Rasch auf den Punkt zu kommen, ist dabei unerlässlich: Denn wie eine international durchgeführte Studie des deutschen Personaldienstleisters Robert Half zeigt, wenden österreichische Personalchefs im Schnitt maximal fünf Minuten Zeit auf, um Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse eines Bewerbers durchzuchecken. Gerade einmal eine Zigarettenlänge haben Bewerber also, um den Personalchef schriftlich von ihrer Überdurchschnittlichkeit zu überzeugen.

Und es dürften mehr unterdurchschnittliche Bewerbungsuntelagen auf den Schreibtischen der Personalisten landen, als man annehmen möchte: Mit einer bescheidenen Schulnote von 3,53 beurteilen Österreichs Unternehmer die Qualität der eingehenden Bewerbungen in einer aktuellen Umfrage von AnzeigenDaten unter 250 stellenausschreibenden Unternehmen.

Tipps für die perfekte Bewerbung gibt es in Hülle und Fülle – auch in diesem Blog und in unserem Karriere.Center. Das Wissen, was eine solche ausmacht, scheint aber – trotz der Fülle an verfügbarer Information – noch lange nicht bei allen Bewerbern angekommen zu sein.

Eine Studie der Grazer „top-jobs-europe Consulting“ hat sich den Ansprüchen der Personalabteilungen gewidmet. Und bereits einige wenige Ergebnisse daraus, machen klar, wo die größten Schwächen bei Bewerbungssreiben liegen.

1. Risikofaktor Anschreiben:

„Kein Motivationsschreiben und Serienbriefe als Anschreiben“: Zwei Dinge, die Alexander Pertele als häufigste Fehlerquellen von Bewerberseite erlebt. Der KTM-Recruiter spricht das aus, was den meisten seiner Kollegen den Hut hochgehen lässt. Wie die top-jobs-Studie, für die 900 Unternehmen befragt wurden, nun ergab, sagen exakt drei von vier Personalverantwortlichen, dass es ihnen sehr wohl darauf ankommt, dass ein Anschreiben individuell gestaltet ist (sehr wichtig: 46,6 Prozent, wichtig: 28,4 Prozent – siehe Grafik). Ein gängiges Manko in dieser Hinsicht: Dass man aus den Schreiben „nicht erfährt, wofür sich der-/diejenige bewirbt“. Eine Grundvoraussetzung, möchte man meinen.

Was jeder Bewerber – ob berufserfahren oder nicht – sich also in puncto Anschreiben einbrennen sollte: Sie haben exakt eine A4-Seite Platz, um überzeugend zu erklären, warum Sie für den Job der/die Richtige sind. Bereits hier gilt es, mit Wissen über die Firma zu punkten und zu demonstrieren, dass es Ihr Know-How ist, das dem Unternehmen an der ausgeschriebenen Position bis dato gefehlt hat. Soll heißen: Recherchearbeit! Was genau wird von mir verlangt? Was macht das Unternehmen genau? Warum identifiziere ich mich mit diesem Unternehmen und will Teil davon sein?
Sämtliche Tipps, was genau in ein Anschreiben gehört, haben wir für Sie übersichtlich aufgelistet.

2. Herausforderung Lebenslauf:

Der Lebenslauf birgt nach wie vor großes Unsicherheitspotenzial unter der Bewerberschaft. Wie gehört er aufgebaut? Chronologisch oder nicht? Mit oder ohne Foto? Formelle Fragen sollten ebenfalls nicht das Problem sein: Fragen zu Aufbau und dem perfekten Bewerbungsfoto lassen sich durch einfaches Nachlesen lösen. Letzteres finden laut der oben angeführten Untersuchung ganze 83 Prozent wichtig, die meisten wollen sich also auf alle Fälle ein „Bild gemacht“ haben bevor sie jemanden persönlich kennenlernen. Dass Schönheit ein Bewerbungskiller sei, besagen zwar Studien, die man allerdings nicht allzu ernst nehmen sollte: Versuchen Sie sich dabei auf jeden Fall von der besten Seite zu zeigen! Jedenfalls ein Riesen-Fauxpas, so KTM-Personal-Praktiker Pertele: „Bewerbungsfotos, die man von sich selbst mit der Handykamera gemacht hat.“

3. Geheimcode Dienstzeugnis:

Natürlich ist es bei vielen Unternehmen Usus, Mitarbeitern die im Guten gehen, selbst das Schreiben ihres Dienstzeugnisses zu überlassen. Weil diese Praxis aber leider nur allzu gängig wurde, hat es auch zu einer gewissen Entwertung des makellosen Dienstzeugnisses beigetragen. Umso stärker fallen hingegen dann oft Bewertungen von Personalverantwortlichen ins Gewicht, die andren Kollegen durch die Blume verraten, was sie von ihrem Ex-Mitarbeiter halten.

So hat sich nämlich über Jahre hinweg ein regelrechter Geheimcode in der Dienstzeugnis-Sprache herauskristallisiert, den man entschlüsseln können sollte, bevor man mit seinem Arbeitszeugnis allzu stolz zu prahlen beginnt:  Steht beispielsweise geschrieben, dass Sie sich „im Rahmen Ihrer Fähigkeiten“ eingesetzt hätten, bedeutet das nichts anderes, als dass Ihr Fähigkeits-Rahmen ziemlich eng war. Und attestiert man Ihnen: „Zeigte Fachwissen und großes Selbstvertrauen“, so heißt das in der Regel, dass Sie Ihr Ex-Chef für einen Angeber hielt.

4. Disqualifikationsgrund „Lästig sein“:

Wer glaubt, seinen Traumjob in einem Inserat gefunden zu haben, sollte sich auf jeden Fall damit zurückhalten, sofort ein zweites Schreiben nachzuschießen, wenn auf das erste nicht sofort eine Antwort zurückkommt: Sechs von zehn Befragten gaben gegenüber top-jobs-europe Consulting nämlich an, dass sie Mehrfach-Bewerbungen „schlecht“ bis „sehr schlecht“ auffassen würden.

Dasselbe gilt für das „Nachfragen“. Noch am selben Tag nachzufragen, ob die Bewerbung „eh angekommen“ sei, wirkt mehr als peinlich. Zwei Wochen Zeit gelten laut Experten als durchaus angemessen – vor allem wenn der angegebene Bewerbungszeitraum mehrere Wochen oder Monate umfasst.
In die Kategorie „Lästig“ fällt übrigens auch, sich nicht an vorgegebene Übermittlungsverfahren zu halten. Wird bereits im Stelleninserat aufgefordert, sich „per Mail“ zu bewerben oder ein vorgegebenes Formular auszufüllen, sollte man sich dringend daran halten. Der Irrglaube, dass postalisch versandte Unterlagen größeres Gewicht hätten, hält sich nach wie vor bei vielen Bewerbern.

Mittlerweile gilt die E-Mail-Bewerbung als durchaus etabliert – zwei von drei Personalchefs bevorzugen das Outlook-Postfach gegenüber jenem aus Blech, wie die Grafik zeigt.

5. Bewerbungs-Killer Schlampigkeit:

Absoluter Bewerbungs-Killer Nummer eins sind bei Personalchefs Rechtschreibfehler: Im Schnitt sind es gerade einmal 2,5 Stück, die bei einem österreichischen Personalverantwortlichen die Ampel auf dunkelrot umschalten lässt, so die in der Einleitung erwähnte Robert-Half-Studie.

Tippfehler aber auch gänzlich falsche oder falsch geschriebene Namen, sowie ein falscher Betreff können jedoch ebenso das vorzeitige Aus für Bewerber bedeuten.

Denn relativ rigoros verfahren die heimischen Personalchefs mit Bewerbungen, die Schlampigkeitsfehler aufweisen: 30 Prozent ignorieren Bewerbungen mit offensichtlichen Mängeln gleich generell. Weitere 28 Prozent machen die Bewerber auf ihre Fehler aufmerksam – ebenfalls peinlich!
Nachsatz: Männliche Personalentscheider geben sich mit 46,7 Prozent deutlich kulanter, was  die Bereitschaft, Fehler in Bewerbungen zu ignorieren, betrifft. Ihre weiblichen Pendants sehen nur zu einem guten Drittel (35 Prozent) über Nachlässigkeiten hinweg.

Bildnachweis: Odua Images /Quelle Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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