Großraumbüro macht krank

von in Arbeitsleben am Freitag, 30. April 2010 um 08:31

Sie fühlen sich nicht so toll? Sie haben Schwierigkeiten, sich auf Ihre Arbeit zu konzentrieren? Manchmal tränen Ihre Augen, hin und wieder quält Sie der Kopfschmerz?

Arbeiten Sie in einem Großraumbüro? Dann ist das vielleicht die Ursache Ihrer Beschwerden.

Eine aktuelle Studie des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft SECO (die Studie ist hier als PDF-Download erhältlich) lässt frisches Wasser auf die Mühlen der Großraumbüro-Skeptiker fließen. Die Ergebnisse sprechen nämlich eine klare Sprache: Großraumbüros machen Arbeitgeber ineffizient, krank und unzufrieden.

Ein paar Zahlen aus der Studie:
– 50 Prozent der Arbeitnehmer, die ihr Büro mit niemandem teilen müssen, waren in den letzten 12 Monaten krankheitsbedingt abwesend. Dagegen waren rund 70 Prozent der Personen, die in einem Großraumbüro mit 16 oder mehr Menschen arbeiten, im Krankenstand.

– „Außerordentlich zufrieden“ mit der Arbeit im Allgemeinen sind 17,5 Prozent der Einzelbüro-Angestellten, aber nur 7,5 Prozent der Personen in Großraumbüros mit 16 bis 50 Kollegen.

– Wenig überraschend ist die steigende Ineffizienz im Großraumbüro durch tägliche Störungen durch Gespräche anderer. Nur 9 Prozent fühlen sich im Einzelbüro dadurch unterbrochen. In Büros mit mehr als 50 Personen sind es dagegen über 68 Prozent, die sich durch die Kommunikation zwischen Anderen beeinträchtig fühlen.

– Rund 90 Prozent der Befragten in Einzelbüros geben an, dass es ihr Büroarbeitsplatz ermöglicht, produktiv zu sein. Büros mit 7–15 Personen schneiden mit nur gerade 60  Prozent positiver Antworten am schlechtesten ab.

Die Studie bringt neuen Schwung in den thematischen Dauerbrenner Großraum- versus Einzelbüro. Hüben die Arbeitgeber, immer auf der Suche nach Einsparungen und damit in den meisten Fällen glühende Verfechter von Großraumbüros mit ihren geringeren Kosten pro Arbeitsplatz. Drüben die Arbeitnehmer, die am eigenen Leib den werktäglichen Wahnsinn des Open Office ertragen müssen.

Ein weiterer Beweis, dass Grossraumbüros krank machen können: wenn Kollegen handgreiflich werden …

Fakt ist: Es gibt immer mehr Grossraumbüros, ob das die Arbeitnehmer wollen oder nicht. Matthias Pietzcker, Büroplaner bei der Consultingfirma Quickborner Team, sagt der Financial Times, dass hinter diesem Trend nicht nur das Sparen von Miet- und Heizkosten stehe. Pietzcker meint, dass die „… Anforderungen der modernen Arbeitswelt so komplex sind, dass es anders nicht mehr geht“. Außerdem seien heutige Großraumbüros dank Rückzugsflächen oder Lärmabsorbern ruhiger als herkömmliche Viermannbüros.

Abgesehen davon, dass auch ein geringes Geräuschlevel Stress und die damit verbundenen Symptome fördert: hier liegt noch ein anderes Problem begraben. Denn wie viele Grossraumbüros kennen Sie, in denen wirklich alle Möglichkeiten modernen Innenraumdesigns für den Arbeitsplatz genutzt wird? Keine Frage: Wenn von den Decken hängende, farblich geschmackvoll gestaltete Stoffbahnen die Akustik dämpfen, wuchernde Philodendrons den Raum in einen Indoor-Dschungel verwandeln, der für staubfreie Luft sorgt und noch dazu Trennwände aus dem Designer-Laden die Privatsphäre garantieren – dann kann auch das Großraumbüro durchaus seinen Reiz haben.

Die Realität schaut aber anders aus.

Vielleich öffnet die Schweizer Studie die Augen der Controller. Denn das Mehr an Krankheitstagen, das die Schweizer Forscher bei den „Open Officers“ festgestellt haben, sollte eine Sprache sein, die auch von ihnen verstanden wird.

Redaktion

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