Gewalt am Arbeitsplatz – Frauen sind häufig Opfer

von in Arbeitsmarkt, Arbeitsrecht am Mittwoch, 23. November 2011 um 13:43

Denkt man Gewalt am Arbeitsplatz, assoziiert man damit am ehesten physische Übergriffe auf Kollegen. Diese Form der Gewalt ist aber in der Realität selten der Fall. Die weitaus häufigste Form der Gewalt in Büros ist und bleibt psychische Gewalt. Das Spektrum hier reicht von Beleidigungen, über Einschüchterungen bis hin zur Schikane und regelrechtem Mobbing. Das Erschreckende daran: Die Opfer in österreichischen Büros sind mehrheitlich Frauen!

Mobbing gleicht Körperverletzung! Das haben wir schon in einen früheren Artikel erläutert. Dennoch ist und bleibt es die häufigste Form von Gewalt am Arbeitsplatz. Das zeigt auch die aktuelle Studie des Instituts für Familienforschung (ÖIF) im Auftrag des Wirtschafts- und Familienministeriums zum Thema „Gewalt in der Familie und im sozialen Umfeld„. Die erschreckende Bilanz: Nahezu jede dritte Frau wurde bereits am Arbeitsplatz schikaniert.

Psychische Gewalt dominiert in den Büros

In den letzten drei Jahren waren 41 Prozent der befragten Frauen und 32 Prozent der befragten Männer von psychischen Gewaltübergriffen betroffen. Frauen wurden vor allem auf verletzendende Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt. 18 Prozent der Frauen empfanden diese Form von Gewalt als absolut bedrohlich. Im Gegensatz dazu waren nur 10 Prozent der Männer, Opfer von derart massiv empfundenen Gewaltübergriffen. Männer sind eher wiederholten Beleidigungen, Einschüchterungen und aggressivem Anschreien ausgesetzt.

Bitte nicht nachpfeifen!

Eine positivere Bilanz kann bei körperlichen Übergriffen gezogen werden. 15 Prozent der befragten Frauen und Männer haben in den letzten drei Jahren körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Als die bedrohlichste Art der körperlichen Gewalt wurde vor allem das absichtliche wegstoßen durch andere empfunden. Dicht gefolgt von der leichten Ohrfeige, von der 5 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer betroffen waren.

Sexuelle Belästigung zählt noch immer zu den häufigsten Formen von Gewalt. In den letzten drei Jahren waren 31 Prozent aller befragten Frauen mit sexuellen Übergriffen konfrontiert. Im Gegensatz dazu berichteten gerade mal sechs Prozent der Männer von solchen Übergriffen. Fast ein Fünftel aller befragten Frauen empfand es diesbezüglich als aufdringlich, dass man ihnen zu nahe gekommen war. In unpassenden Situation belästigende sexuelle Angebote, beispielsweise am Arbeitsplatz oder im Studium erhielten 6 Prozent aller befragten Frauen. Männer werden seltener sexuell belästigt – meist in Form von zu nahe kommen (4 Prozent).

Gewalt erkennen und bekämpfen!

Was man nicht sieht, ist schwer zu ahnden. So wird wahrscheinlich ein Mitarbeiter, der einen anderen schlägt, seinen Job verlieren. Wird ein Mitarbeiter allerdings psychisch angegriffen, muss der Täter die Folgen kaum fürchten. „Die Gesellschaft hat erkannt, dass es mehr Formen der psychischen Gewalt gibt, als noch vor einigen Jahren. Gerade Mobbing aber auch Diskriminierung passieren im Arbeitsalltag. Das zeigt allein die Tatsache, dass endlich auch Gesetze für diese Problematik geschaffen wurden. Es entwickelt sich eine Sensibilität für psychische Gewalt und daher können wir diese Werte auch besser den je ermitteln“, so Studienleiter Dr. Olaf Kapella. Jetzt gilt es, gegen diese neuen Formen der Gewalt vorzugehen. „Sowohl die Unternehmen, aber auch die einzelnen Mitarbeiter erkennen diese Formen der Gewalt. Jetzt gilt es, dagegen vorzugehen und den Opfern zu zeigen: Psychische Gewalt ist gleichzusetzen mit Körperverletzung. Und das sollte in keinem Unternehmen geduldet werden.“

Bildnachweis: www.colourbox.at

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren