Gesund im Job: Österreicher ticken anders

von in Arbeitsleben, HR am Mittwoch, 9. Juli 2014 um 10:41

Wie heißt es so schön? Das höchste Gut eines Menschen ist die Gesundheit. Das wird oft erst bewusst, wenn es um diese nicht gerade rosig bestellt ist. An diesen Ansatz knüpft auch das so genannte betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) an. Einfach gesagt geht es darum, die Gesundheit der Mitarbeiter zu wahren und zu fördern. Was dies in der Praxis bedeutet und wie die Österreicher im Vergleich mit den Deutschen abschneiden, erklärt Psychologe Jochen Prümper heute im ersten Interviewteil. Morgen erklärt er an dieser Stelle unter anderem, wie viel das ganze kostet und bringt.

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Österreicher trinken und rauchen mehr

Wie ist es um die Gesundheit in Österreich bestellt und wie sieht dies im Vergleich zu Deutschland aus?

Jochen Prümper

Jochen Prümper

Jochen Prümper: Der gebürtige Wiener, Schauspieler und Kabarettist Karl Farkas hat einmal gesagt: „Wir Österreicher unterscheiden uns doch von den Deutschen durch so mancherlei, besonders durch die gleiche Sprache“, hätte womöglich aufgrund der aktuellen Gesundheitsdaten das Bonmot kreiert „Wir Österreicher leben und sterben zwar ungesünder als die Deutschen, aber dafür geht es uns besser“. Im Vergleich zu Deutschland trinkt man in Österreich mehr Alkohol, raucht mehr und hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit an Diabetes, Herzversagen, einem Arbeitsunfall oder durch die eigene Hand zu sterben. Dafür konsultieren Österreicher deutlicher seltener einen Arzt, weisen wesentlich weniger Fehlzeiten auf und sind – nach eigenen Angaben – deutlich mehr bei bester Gesundheit. Offensichtlich unterscheiden sich Österreicher und Deutsche also nicht nur durch die gleiche Sprache, sondern auch durch ihr arbeitsbezogenes Gesundheitsverhalten.

Einigkeit mit den deutschen Nachbarn

Wie reagieren österreichische und deutsche Unternehmen im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) auf diese Unterschiede?

Flexibilitaet im JobJochen Prümper: Im Rahmen unserer „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement“, in der wir über 500 Personen (vorwiegend Personalmanager und Führungskräfte)  befragt haben, sind wir genau dieser Frage nachgegangen. Die Studie zeigt, dass sich Deutschland und Österreich in ihren Anstrengungen rund um das Thema BGM in manchen Punkten sehr einig sind und sich in anderen wiederum deutlich unterscheiden. Einig sind sich die Nachbarn insbesondere dahingehend, dass der Stellenwert des betrieblichen Gesundheitsmanagements zukünftig deutlich zunehmen wird. Einigkeit besteht auch bezüglich der aktuell im Vordergrund stehenden Maßnahmen wie zum Beispiel: ergonomische Gestaltung der Arbeitsumgebung, flexible Arbeitszeitmodelle und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, Angebote zur Stressbewältigung oder Betriebssport.

Thema Impfungen ist in Österreich dominanter

Unterschiede zwischen den Ländern zeigen sich bei den angewandten BGM-Instrumenten: Während sich die deutschen Betriebe aktuell mehr mit „Hautschutz“ und „Sucht“ beschäftigen, ist in den österreichischen Betrieben das Thema „Impfungen“ dominanter. Bedeutsame Unterschiede zwischen den beiden Ländern zeigen sich auch bei den Zielgruppen und Themen des BGM. Während in Österreich aktuell der Zielgruppe „weibliche Beschäftigte“ und dem Thema „Burnout“ ein größerer Stellenwert zugeschrieben wird, stehen die Themen „Suchtprogramme“ und „betriebliches Eingliederungsmanagement“ mehr im Fokus der deutschen Betriebe.

Die drei Topzielgruppen

Welche Herausforderungen gibt es aktuell und welche kommen in der Zukunft im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagement auf uns zu?

Gesundheitsfoederung im JobJochen Prümper: Die drei aktuellen Topzielgruppen des BGM sind „Führungskräfte“, „ältere Beschäftigte“ und „Angestellte“ – und werden es auch in zehn Jahren noch sein. Neben den „älteren Beschäftigten“ weisen „Beschäftigte mit Migrationshintergrund“ und „gewerbliche Arbeitnehmer“ zudem die stärksten Zuwachsraten auf und rücken damit immer mehr in den Fokus des BGM. Vor dem Hintergrund, dass gerade Beschäftigten mit Migrationshintergrund aufgrund kultureller und sprachlicher Barrieren bislang nur begrenzt Zugang zu Programmen der betrieblichen Gesundheitsförderung hatten, tragen offensichtlich Bemühungen um das Thema interkulturelles betriebliches Gesundheitsmanagement Früchte.

Zur Person: Jochen Prümper

Prof. Dr. Jochen Prümper ist Diplom-Psychologe und Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie in Berlin. Er gilt als einer der führenden Experten zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement und unterstützt seit mehr als zwei Jahrzehnten zahlreiche Betriebe bei der Planung und Umsetzung eines strategischen Gesundheitsmanagements. Insbesondere bekannt sind – auch in Österreich – seine Projekte und entwickelten Verfahren zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Und auch bei seinem aktuellen, deutsch-österreichisches Forschungsprojekt BEM-Netz (www.bem-netz.org) zum Thema betriebliches Eingliederungsmanagement/Case-Management, welches er in Zusammenarbeit mit dem Sozialministeriumservice, Landesstellenleitung Oberösterreich durchführt, bleibt er seiner Forschungsdevise treu „Gesundheit kennt keine Grenzen“.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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