Generation Praktikum: Mythos versus Massenphänomen

von in Arbeitsmarkt, Bewerbung, Jobsuche am Montag, 16. Mai 2011 um 16:01

Gibt es sie nun oder doch nicht? Die Rede ist von der berühmten „Generation Praktikum“. Glaubt man einer heute präsentierten, im Auftrag des Wissenschaftsministeriums durchgeführten Studie, lautet die Antwort „Nein“. Der Großteil der Uni- und FH-Absolventen sei nur kurz auf Jobsuche.

Es ist die Horrorvision vieler Studenten, die vor ihrem Abschluss stehen: Angehöriger der berüchtigten „Generation Praktikum“ zu werden: Sich von einem befristeten Job zum nächsten zu retten in der Hoffnung, dass im Endeffekt doch einmal eine Vollzeit-Stelle mit adäquater Bezahlung herausschaut. Sprich: Ein „normaler“ Job.

Eine aktuelle Studie besagt nun, dass sich ganze Jahrgänge – vor allem von Geisteswissenschaftlern – wohl umsonst gefürchtet haben, berichtet Die Presse. Denn laut dem Internationalen Zentrum für Hochschulforschung Kassel (INCHER), das vom Wissenschaftsministerium mit der Untersuchung unter 23.000 Absolventen beauftragt wurde, sei die Ausgangslage für Uni-Abgänger in Österreich nicht schlecht. Jeder Zweite der Befragten (46 Prozent) gab in der Online-Umfrage an, dass sie nach ihrer letzten Prüfung direkt ins Arbeitsleben eingestiegen seien. Nach einem halben Jahr waren bereits acht von zehn erwerbstätig.

Drei Viertel (75 Prozent) dürfen sich laut Studie gleich bei ihrem ersten Job über eine Vollzeit-Stelle freuen, 61 Prozent sogar in unbefristeten Dienstverhältnissen. Und – was ebenfalls überrascht – zwischen Bachelor– und Diplomstudien bzw. zwischen FH- und Uni-Studien sei ebenfalls kein wesentlicher Unterschied feststellbar.

Grund zur Sorge biete jedenfalls die Einkommenssituation: Frauen verdienen bereits in ihrem ersten Job um bis zu 500 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Nach fünf Jahren im Job sei der Unterschied dann noch größer. Männer: 3.720 Euro brutto. Frauen: 2.910 Euro brutto.

Summen, die den „Berufspraktikanten“ höchstwahrscheinlich utopisch hoch erscheinen werden. Gut, dass es nur wenige betrifft – ist man als studierter Kommunikationswissenschaftler und langjähriger freier Dienstnehmer in der Medienbranche versucht zu sagen.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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