Gendern im Stelleninserat: So gehts!

von in HR am Freitag, 7. Oktober 2016 um 10:36

Schlecht lesbar, unverständlich und manchmal schlichtweg unsinnig: So sehen viele das Thema „Gendern“ in Texten. Im Stelleninserat wird man als Arbeitgeber allerdings mit gesetzlichen Gegebenheiten und – bei Verstößen – sogar mit Bußgeldern konfrontiert. Wir zeigen, wie mans richtig macht:

Das Ziel hinter dem Gendern ist ja ein edles: die Gleichstellung der Geschlechter. Da, wo Frauen im Beruf finanziell meist noch benachteiligt werden und in Führungspositionen weniger stark vertreten sind, soll zumindest auf sprachlicher Ebene Gleichheit hergestellt werden.

Oft geschieht es unabsichtlich oder unbewusst, dass bei der Suche nach neuen Mitarbeitern ein bestimmtes Geschlecht bevorzugt wird: IT-Techniker und Developer werden gesucht? Ein Mann ist es, der den meisten da sofort in den Sinn kommt. Vermutlich einer mit Brille, nicht allzu sportlich und eher ruhig vom Gemüt her – auch ein Klischee. Traditionen und Gewohnheiten sind es, die uns so denken lassen. Schließlich war der Technikbereich lange eine reine Männerdomäne. Oder umgekehrt: Reinigungsfachkräfte sind doch quasi immer weiblich oder? Umgangssprachlich sagt man ja schnell mal „Putzfrau“, aber sicher nicht „Putzmann“…

Solche als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ empfundenen Berufe sind dann in den dazugehörigen Stellenausschreibungen meist auch mit typisch männlichen respektive weiblichen Eigenschaften versehen: So gibt es beispielsweise Stärken, die in den Köpfen der Mehrheit der Menschen eher dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, wie Eloquenz, Durchsetzungsvermögen oder Willensstärke. Damit übergeht man aber (unbewusst) die andere, weibliche Seite. Um diese Benachteiligungen zu verringern bzw. irgendwann ganz zu vermeiden, versucht man einseitige Denkweisen aufzubrechen – auch auf gesetzlicher Ebene.

„Falsche“ Stellenausschreibungen und ihre Konsequenzen

Eine geschlechtsspezifische Benachteiligung von Arbeitnehmern ist verboten und kann für den Arbeitgeber mit Konsequenzen verbunden sein. Laut einer EU-Richtlinie müssen Berufsbezeichnungen in Stelleninseraten „geschlechtsneutral“ sein. Konkret gilt das unter anderem für die Ausschreibung, die Einstellung, den Abschluss eines Arbeitsvertrags, aber auch die Begründung des Arbeitsverhältnisses (beispielsweise wenn ein abgelehnter Bewerber nachfragt, warum man sich nicht für ihn entschieden hat). Allerdings unterschätzen viele Arbeitgeber diese gesetzliche Tatsache.

Geschlechtsspezifische Inserate verletzen das Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung, das ist geregelt im „Bundesgesetz über die Gleichbehandlung“. 59 oberösterreichische Firmen wurden im Sommer 2016 in Linz wegen unkorrekter Stelleninserate angezeigt, berichteten die OÖN im September 2016. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft beurteilt hier relativ streng. Mitte November 2016 hat das Landesverwaltungsgericht OÖ Bescheide der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land allerdings aufgehoben und Stelleninserate mit Zusatz „m/w“ als zulässig eingestuft. Generell sollte aber ein Arbeitsplatz weder intern noch öffentlich nur für Männer oder nur für Frauen ausgeschrieben werden. Konkret heißt das: Die Formulierung muss sowohl Frauen als auch Männer ansprechen. Neben privaten Arbeitsvermittlern können auch Arbeitgeber (für sogenannte „Anweisungen zur Diskriminierung“ oder selbst verfasste Inserate)  für Verstoße bei der Stellenausschreibung belangt werden. Nach einer Verwarnung können Geldstrafen folgen (bis zu € 360,-).

 

Das ist im Stelleninserat in puncto „Gendern“ zu beachten:

  • Nur Frauen bzw. Männer in Stelleninseraten anzusprechen, ist gesetzlich nicht zulässig
  • Das gilt für den gesamten Inseratentext (nicht nur die Überschrift!)
  • Der Hinweis auf beide Geschlechter gekennzeichnet durch (m/w) allein reicht prinzipiell nicht aus (wurde aber im oben angesprochenen Verfahren als Grenzfall und damit als kein eindeutiger Gesetzesverstoß eingestuft)
  • Bei fremdsprachigen Berufsbezeichnungen, für die es im Deutschen keine entsprechende weibliche Form gibt (z.B. Patissier, Discjockey, Senior Trader), muss man Klarheit schaffen, etwa durch die Beifügung: m/w
  • In einer Ausschreibung, die zur Gänze in einer Fremdsprache verfasst ist, muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass sie sich an Frauen und Männer richtet
  • Erlaubt: im Sinne der Gleichstellung ist es möglich, in einem Stelleninserat ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Bewerbung von Frauen in einem männerdominierten Arbeitsbereich besonders erwünscht ist (gilt natürlich auch vice versa für Männer in frauentypischen Bereichen)
  • Besteht ein gesetzliches Beschäftigungsverbot für Frauen, sollte das Inserat zusätzlich zur männlichen Berufsbezeichnung den Hinweis „gesetzliches Beschäftigungsverbot für Frauen“ enthalten
  • Übrigens: Auch Gehaltsangaben sind im Stelleninserat verpflichtend

Das geht nicht:

  • Widersprüchliche Botschaften, eine bestimmte grafische Gestaltung bzw. der Verweis „Im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes wenden wir uns an interessierte Damen und Herren“ – das macht eine ansonst geschlechtsspezifische Stellenausschreibung nicht zu einer geschlechtergerechten
  • Sprachlich nicht korrekte Formulierungen „Wir suchen eine/n Diplomingenieur. Wir suchen eine/n Einkäufer/Kalkulant.“ – Einer Stellenbezeichnung mit männlicher Endung einen Artikel mit weiblicher und männlicher Endung voranzustellen erweckt nur den Anschein einer geschlechtsneutralen Ausschreibung
  • Geschlechtspezifische Überschrift/Berufsbezeichnung und neutraler Text – das erweckt den Eindruck, dass nur Interesse an der Bewerbung von Männern besteht. Beispiel: „Gesucht: Projektleiter –  Sie (m/w) verfügen über …“
  • Unklare Begriffsbildungen: Die Bildung neuer Begriffe wie „Verkäuferpersönlichkeit (statt Verkaufspersönlichkeit) ist ebenso problematisch wie die Formulierung „Verkaufsprofi“ (Profi ist die Abkürzung von professional – Fachmann, also geschlechtsspezifisch)
  • Unzulässig sind außerdem Stellenausschreibungen, die Anforderungen enthalten, die nichts mit der beruflichen Qualifikation zu tun haben (harmonisches Familienleben, adrettes Äußeres)

Ausnahme:

Geschlechtsspezifische Stellenausschreibungen sind nur dann zulässig, wenn ein bestimmtes Geschlecht unverzichtbar für die Ausübung der vorgesehenen Tätigkeit ist. Das kommt allerdings nur sehr selten zu tragen, beispielsweise bei Models, Sängern/Sängerinnen, Schauspielern/Schauspielerinnen, Sozialarbeiterinnen für ein Frauenhaus oder Sozialberater für eine Männerberatungsstelle.

 

Beispiele:

FalschRichtig
Manager (m/w)Managerin – Manager
BürokaufmannBürokaufmann – Bürokauffrau
KellnerinKellnerIn
LehrerLehrer/in
Assistentin der Geschäftsführung (w/m)Assistenz der Geschäftsführung
Leiter Logistikabteilung (m/w)Leitung Logistikabteilung
FacharbeiterFachkraft

Nähere Informationen gibts im Leitfaden zur „Geschlechtergerechten Stellenausschreibung“ der Gleichbehandlungsanwaltschaft des Bundeskanzleramts Österreich.

Bildnachweis: Antonio Guillem / Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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