Geld verdienen macht Männer glücklich – Frauen flexible Arbeitszeiten

von in Arbeitsmarkt, Gehalt am Montag, 27. September 2010 um 12:34

Es ist seit Jahrzehnten ein „No-Na“-Thema: Frauen verdienen deutlich weniger Geld als ihre männlichen Kollegen – trotz oftmals gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Zwei aktuelle Studien dazu geben nun weiteren (traurigen) Aufschluss zum Thema Gehaltsschere: Beispielsweise darüber, dass sich Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte in den vergangenen 25 Jahren nicht geändert haben. Aber auch über die Tatsache, dass Managerinnen andere Dinge von attraktiven Arbeitgebern erwarten als Männer. Denn diese fühlen sich in erster Linie wohl, wenn das Gehalt stimmt. Für Frauen ist das Geld zweitrangig, so die Studie.

Jahr für Jahr schlagen heimische ArbeitnehmerInnen-Vertreter Alarm: Frauen verdienen rund ein Viertel weniger als Männer. Und Jahr für Jahr wird festgestellt, dass sich an dieser Situation eigentlich nichts ändert. Und Jahr für Jahr werden dieselben möglichen Maßnahmenpakete zur Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt gefordert.
Dass diese Einkommenskluft nicht nur unter „normalen“ Arbeitnehmern besteht, sondern in extremer Form sogar im Top-Management, belegt nun die Studie „Wer führt in (die) Zukunft“ von Dr. Sonja Bischoff von der Universität Hamburg. Die Kernaussagen: 62 Prozent der Männer in Management-Positionen verdienen mehr als 75.000 Euro im Jahr. Allerdings nur lediglich 33 Prozent der Frauen in Führungsebenen. Das Traurige an den Studienergebnissen: In den vergangenen 25 Jahren – die Studie wird seit 1986 durchgeführt – hat sich kaum etwas geändert. Denn nach wie vor sind Vorbehalte im eigenen Unternehmen die größten Karriere-Killer für Managerinnen. Diese Vorurteile kämen jedoch nicht ausschließlich von den Herren der Belegschaft, sondern vielfach von Mitarbeiterinnen, erklärt die Wissenschaftlerin: Frauen beurteilen die Leistung der weiblichen Führungskräfte vielfach kritischer als dies Männer in Spitzenpositionen täten. Selbst wenn sich Frauen genauso verhalten wie Männer – Ellbogeneinsatz von Managerinnen werde beispielsweise von Frauen weitaus weniger goutiert als von Männern, erklärt Bischoff.
So weit, so bekannt, so frustrierend.

Interessante Ergebnisse brachte nun eine Studie des Marktforschers Innofact im Auftrag der Berautugsgesellschaft Rundstedt unter 520 Führungskräften hervor. Die Auswertung der Studie liefert Zahlen, nach denen ein hohes Gehalt den Frauen weniger wichtig ist, um sich in ihrer Funktion wohlzufühlen, als Männern: Weil sie andere Vorstellungen haben, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht.

Männer: Geld verdienen – Fortbildung – Lob

Interessant ist, dass es für männliche Top-Manager nach wie vor in erster Linie der schnöde Mammon ist, der sie gern zur Arbeit gehen lässt: Zwei von drei männlichen Führungskräften (67 Prozent) gaben demnach an, dass eine leistungsbezogene Bezahlung DER entscheidende Faktor ist. Personalentwicklungsmaßnahmen wie Coachings und Fachseminare sind 62 Prozent der Befragten wichtig. Und immer noch 60 Prozent lassen sich gerne von ihren Kollegen streicheln und tätscheln: Ihnen ist Lob und Anerkennung ein wichtiger Zufriedenheitsfaktor.

Frauen: Flexible Arbeitszeit – Geld verdienen – motivierende Ziele

Flexible Arbeitszeitmodelle sind für 67 Prozent der weiblichen Führungskräfte ausschlaggebend, wenn es darum geht, die Attraktivität eines Arbeitgebers zu bewerten. Dann erst (63 Prozent) kommt der Faktor leistungsbezogene Bezahlung, an dritter Stelle kommt die Aussicht auf motivierende Ziele (55 Prozent) sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Mit dem Ergebnis der letztgenannten Studie sollte vorsichtig argumentiert werden. Wenn es um Belange der Mitarbeiterbindung geht, können die Daten für Personalabteilungen auf alle Fälle von großem Nutzen sein: Unternehmen müssen genau analysieren, welche Bedürfnisse und Erwartungen ihr Top-Personal hat. Wollen Unternehmen ihre High Potentials langfristig binden, sollten diese Faktoren auch berücksichtigt werden.

Die Argumentation „Frauen ticken anders – sie wollen ja gar nicht so viel verdienen“, rechtfertigt die Studie aber auf keinen Fall. Denn dass jene 62 Prozent der Frauen bei der Gehaltsfrage nur unmerklich weniger sind als die 67 Prozent der Männer, sei nur am Rande erwähnt. Peinlich wäre es, wenn Unternehmen ihre diskriminerende Gehaltspolitik mit diesen Zahlen zu untermauern versuchen. Was nämlich 2010 nicht mehr betont werden müsste: Gleiche Leistung = gleiches Gehalt. Beim Bäcker bekommt eine Frau ja auch keinen Frauen-Rabatt, weil sie weniger verdient.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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