„Chef, ich will mehr Geld!“, ist genauso wirksam wie: „Überfall!“. Strategien für die erfolgreiche Gehaltsverhandlung

von in Gehalt am Dienstag, 31. August 2010 um 12:01

„Chef – ich will mehr Geld!“ Die Grundaussage jeder Gehaltsverhandlung ist ja eigentlich immer die gleiche. Traumgehälter wird man damit aber wahrscheinlich nicht aushandeln. Es sei denn, Ihr Boss hält Ihre Aufforderung für eine kreative Form der „Guerilla“-Verhandlung. Denn jeder weiß: Kein Chef der Welt zahlt freiwillig mehr, als er muss. Und: Chefs sind in der Regel extrem geschickt, wenn es um Verhandlungen geht – ist ja immerhin ihr daily business. Wer also gut gewappnet in Gehaltsverhandlungen gehen will, sollte das nicht ohne klar definiertem Ziel, ausgefeilter Taktik und einer entsprechenden Exit-Strategie tun.

Wie wichtig ein angemessenes Gehalt für den Großteil der Arbeitnehmer ist, belegt eine aktuelle Umfrage von karriere.at.
Damit die Vorbereitung auf die nächste Gehaltsverhandlung auch wirklich perfekt ist, hier unsere dreistufige Verhandlungsanleitung: Ziel – Taktik – Exit-Strategie.

Klar definiertes Ziel:

  • Die absolut notwendige Wissensbasis jeder Gehaltsverhandlung: Was verdiene ich jetzt? Was will ich verdienen? Nämlich sowohl Brutto- als auch Nettowerte. Das beugt Peinlichkeiten für sie beim Gespräch vor. Dasselbe gilt für Ihr Wunschgehalt: Wer nicht weiß, wie viel oder wie wenig von einer Gehaltserhöhung tatsächlich auf dem Konto landet, hat dann meist nach der Gehaltsverhandlung den Aha-Effekt: Nämlich wenn der Lohnzettel kommt. Um dies zu vermeiden, sollte man Tools wie den Brutto Netto Rechner Österreich nutzen.
  • Wie ist die Höhe meines Gehalts einzustufen? Vergleichen Sie Ihr Gehalt mit jenen Ihrer Kollegen in vergleichbaren Positionen. Falls Ihnen ihr Dienstvertrag verbietet mit Kollegen über Gehälter zu sprechen, können Sie arbeitsrechtliche Schritte einleiten. Wenn Sie nichts herausfinden, bleibt Ihnen die Möglichkeit, sich bei anderen Unternehmen zu bewerben, um herauszufinden, was diese Ihnen zahlen würden.
  • Für Berufseinsteiger gibt es zahlreiche jährliche Reports über die Einstiegsgehälter in den einzelnen Regionen, beispielsweise von der Arbeiterkammer.

Ausgefeilte Taktik:

  • Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt: Wurde gerade erst die Kurzarbeit in Ihrer Firma beendet, ist es eventuell noch zu früh, um mehr Geld zu fordern. Das Unternehmen sollte einigermaßen stabil und konsolidiert sein. Denn „Wie stellen Sie sich das bitte vor?!?!“, ist keine Antwort des Chefs, die Hoffnungen wecken sollte bzw. die man provozieren sollte.
  • Dasselbe gilt für Ihre berufliche Situation: Nutzen Sie einen Zeitpunkt, zu dem sie auf aktuelle persönliche Erfolge verweisen können, die Sie als Argumentationsgrundlage nutzen können. Wenn Sie diese dann vorbringen: Mit dem zweitstärksten Argument beginnen, das schwächste nachschießen und mit dem dritten, stärksten schließlich überzeugen.
  • Kündigen Sie Ihr Gespräch beim Vorgesetzten an und sagen Sie ihm, dass Sie gerne etwas Feedback zu Ihren Leistungen hätten. So hat dieser die Möglichkeit, sich vorzubereiten.

Exit-Strategie:

  • Legen Sie sich vor dem Gespräch eine Exit-Strategie zu. Nur für den Fall, dass die Gehaltsverhandlung ohne monetäre Verbesserung für Sie enden sollte. Informieren Sie sich, welche Formen der Sachleistungen es gibt, die Sie vorschlagen könnten. Solche bringen dem Unternehmen oft steuerliche Vorteile und helfen dem Arbeitnehmer vielfach beim Sparen. Möglich sind hier Essensmarken, Firmenhandy oder –Laptop, Dienstwägen, vergünstigte Öffi-Tickets und vieles mehr. Auch hier ist es ratsam, zu erheben, was bei Kollegen möglich war bzw. ist.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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