Gehaltsverhandlung: Ich brauche keine Millionen … ich will lieber einen Laptop

von in Gehalt am Dienstag, 14. September 2010 um 13:12

Handy, Laptop, Firmenwagen – was lassen Unternehmen am ehesten springen? Gerade wenn Gehaltsverhandlungen nicht den gewünschten Erfolg bringen, sollte man mit einer ausgefeilten Exit-Strategie dem Personalchef gegenüber sitzen und versuchen, wenigstens noch Sachbezüge herauszuhandeln. Denn was die meisten bei der Gehaltsverhandlung nicht bedenken: Für die Unternehmen bringen Sachbezüge steuerliche Vorteile, für die Mitarbeiter eine finanzielle Entlastung. Eine aktuelle Studie des CRF Institutes zeigt nun, welche Sachbezüge Top-Unternehmen am ehesten zusätzlich zum Gehalt genehmigen.

Dass „Chef, ich will mehr Geld“ nicht gerade die geeignetste Floskel am Beginn einer erfolgreichen Gehaltsverhandlung ist, haben wir vor rund zwei Wochen beschrieben. Was aber tun, wenn das herbeigesehnte Gehalts-Upgrade trotzdem ausbleibt? Dem Chef die Meinung geigen oder sofort kündigen? Besser nicht.
Viel besser versucht man es im scheinbar festgefahrenen Gehaltspoker noch mit einem letzten Trumpf: Den Sachleistungen. Diese bringen dem Unternehmen nicht nur einen günstigen steuerlichen Effekt, sondern immer mehr Betriebe erkennen auch deren Wert in puncto Mitarbeiterbindung: „Sachbezüge sind nicht nur ein Anreiz bei der Anwerbung von Top-Fachkräften. Sie sind zugleich Bestandteil der Personalpolitik, um Mitarbeiter stärker und langfristiger an das Unternehmen zu binden. Vom Laptop über den Fortbildungsurlaub bis hin zum Pensionsplan – die Benchmarkstudie zeigt die Verschiedenartigkeit der Angebote“, erklärt Thorsten Jacoby vom CRF Institute.

Insgesamt 300 Top-Arbeitgeber in neun europäischen Ländern wurden in der Studie unter die Lupe genommen – die Ergebnisse lassen einige Trends ableiten. Laptop, Firmenwagen und Handy seien, so die Ergebnisse für Deutschland (die sich wohl auch auf Österreich übertragen lassen), für viele Firmen bereits Standard-Tools zur Mitarbeiter-Gewinnung bzw. –Bindung. Ein Trend: Besonders die jüngere Generation fordert von ihrem Arbeitgeber immer stärker familienfreundliche Modelle mit flexiblen Arbeitszeiten. Und vor allem bei Neulingen im Job sei es wichtiger denn je, Beruf und Privates gut vereinbaren zu können.
Großes Potenzial sehen viele Firmen auch in der Weiterbildung ihrer Angestellten: Vier von fünf Arbeitgeber bieten gezielte Freistellungen für Fortbildungsaktivitäten an, so die Studie.

Auf einen Blick – die Top Ten der von Top Unternehmen angebotenen Zusatzleistungen sind:

  1. Laptop: 95 Prozent
  2. Erfolgsbeteiligung: 94 Prozent
  3. Firmenwagen: 93 Prozent
  4. Finanzieller Überstundenausgleich: 87 Prozent
  5. Zuschuss zu Verpflegungskosten: 84 Prozent
  6. Bonus: 80 Prozent
  7. Freistellung zu Studienzwecken: 80 Prozent
  8. Fitness- und Sportangebote: 78 Prozent
  9. Internetanschluss zu Hause: 69 Prozent
  10. Pensionsplan: 67 Prozent

All jenen, die nach Sichtung der Zahlen bereits zu jubilieren beginnen, frei nach dem Motto „Wenn meine 100 Euro Gehaltserhöhung nicht durchgehen, boxe ich mir eben einen Firmenwagen heraus“, sei gesagt: Top-Unternehmen (und solche wurden untersucht) beschäftigen jede Menge Top-Arbeitskräfte, für die Leistungen wie Firmenwagen, Handy und Laptop längst Usus sind, was auch den hohen Prozentsatz erklärt, der wiederum nicht auf alle Abteilungen im Haus übertragen werden kann.

Ein weiterer Aspekt, der jedoch vom Thema ‚erfolgreiche Gehaltsverhandlung’ gesondert betrachtet werden muss, ist jener, ob Laptop, Firmenhandy und Internetanschluss die persönliche Freiheit auch wirklich erhöhen oder ob sie lediglich Arbeitszeit vom Büro ins private Heim verlagern. Dass dies von vielen gerne in Kauf genommen wird, belegen zahlreiche Mails der Kollegenschaft im Posteingang: Gesendet, Samstag, 22.48 Uhr. Ob die Höhe der Telefonkosten-Ersparnis durch ein Firmenhandy aber auch die Kosten der Gratis-Arbeitszeit, die man mit dem Checken der Firmen-Mails in der Freizeit ableistet, aufwiegt muss jeder für sich selbst abschätzen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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