Thema Gehalt im Bewerbungsgespräch: Ansprechen oder schweigen?

von in Bewerbung, Gehalt am Dienstag, 28. Juli 2015 um 10:43

Keine Bewerbung kommt ohne das Thema Gehalt aus. Ist das Bewerbungsgespräch der geeignete Ort, um das Thema anzusprechen? Oder soll der Gehaltswunsch gleich ins Bewerbungsschreiben? „Einfach nehmen, was geboten wird!“ sagen die einen, „Warum nicht gleich ansprechen, ist doch mein gutes Recht?“ fragen die anderen. Welchen Zeitpunkt HR-Verantwortliche für das Thema Geld passend finden, hat eine Studie erfragt. Außerdem: 3 Tipps, um die Vergütung im Jobinterview anzusprechen.

Die Frage nach dem lieben Geld

Gute Nachrichten für alle, die über mögliches Gehalt möglichst früh im Klaren sein wollen: Die Frage nach der Vergütung ist beim Bewerbungsgespräch kein Tabu mehr. Geht es nach den Personalverantwortlichen, dürfen Bewerber das Thema durchaus aktiv ansprechen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Arbeitsmarktstudie im Auftrag von Robert Half. Befragt wurden dafür 100 HR-Manager in Österreich.

Gehalt in der Bewerbung: Vom richtigen Zeitpunkt

Auch wenn im Stelleninserat ein Mindestgehalt oder ein Betrag als grober Richtwert angegeben ist, stellt sich für Bewerber doch die Frage: Wie viel verdiene ich im Job dann wirklich? Die Arbeitsmarktstudie hat bei HR-Verantwortlichen nachgefragt: Wann ist es für Job-Kandidaten angebracht, im Bewerbungsprozess das Gehalt anzusprechen? 

Zeitpunkt für die Frage nach dem GehaltPersonalverantwortliche
Ab dem zweiten Bewerbungsgespräch46 Prozent
Bereits im ersten Gespräch bzw. im Bewerbungsprozess33 Prozent
Im letzten Gespräch oder der Phase des Jobangebotes9 Prozent
Niemals, eine Gehaltsdiskussion sollte immer vom Arbeitgeber ausgehen12 Prozent

Für die Mehrheit der Befragten ist das zweite oder eines der nachfolgenden Gespräche der richtige Ort, um das Thema Gehalt auf den Tisch zu bringen. 12 Prozent möchten aber gar nicht, dass Bewerber den ersten Schritt tun und meinen, dass nur der Arbeitgeber die Diskussion ums Geld eröffnen darf.

Gehalt Bewerbungsgespräch

„Österreichs Unternehmen sind derzeit zwar bereit, höhere Gehälter zu bezahlen. Dennoch sollten Bewerber im Vorfeld ausloten, welche Vergütung angemessen ist und die eigenen Gehaltswünsche dann wohlüberlegt äußern und geschickt argumentieren“, erläutert Robert Szvetecz, Country Manager bei Robert Half. Wer die branchenüblichen Gehälter kennt, ist für Diskussionen ums Gehalt gut vorbereitet und kann realistische Forderungen stellen. Egal, ob das Thema zuerst vom Arbeitgeber oder vom Bewerber auf den Tisch gebracht wird. Völlig überzogene Forderungen können für ein vorschnelles Ende des Bewerbungsprozesses sorgen, zu niedrig angesetzte Gehaltswünsche signalisieren im schlimmsten Fall mangelndes Selbstbewusstsein oder fehlende Branchenkenntnis. Bei einem Arbeitgeberwechsel kann man laut Szvetecz bis zu zehn Prozent mehr Gehalt fordern.

3 Tipps für Gehaltsforderungen im Jobinterview

  • Flexibel bleiben
    Keine fixe Summe, sondern eine Gehaltsspanne nennen. Das lässt beiden Seiten noch Verhandlungsspielraum für den Fall, dass man mit seiner Vorstellung über oder unter dem liegt, was der Arbeitgeber tatsächlich bezahlen möchte. In diesem Zusammenhang sollte man auch überlegen, welchen Betrag man als absolute Untergrenze definieren möchte und welche Benefits als Zusatzleistung in Frage kommen könnten, z. B. ein Dienstwagen als Kompensation für weniger Gehalt.
  • Unternehmensgröße beachten
    Wie viel Gehalt der neue Arbeitgeber locker macht, hängt einerseits von der Größe des Unternehmens ab, andererseits davon, von welchem Arbeitgeber man wechselt. Vom Großkonzern in ein mittelständisches Unternehmen oder umgekehrt? Ist der neue Arbeitsplatz womöglich mit einem Umzug verbunden? Diese Aspekte sollte man ebenfalls berücksichtigen.
  • Karriere oder Freizeit?
    Geld ist nicht alles – und womöglich auch nicht der Hauptgrund dafür, dass man den Job wechseln möchte. Wenn Gehalt nicht das Hauptmotiv ist und man eigentlich viel mehr Wert auf eine gute Work-Life-Balance oder ein spannendes Aufgabengebiet legt, darf man das als Motiv im Jobinterview zur Sprache bringen. Trotzdem darauf achten, dass man mit dem Gehalt nicht unter die selbst definierte Mindestgrenze rutscht.

Bildnachweis: gualtiero boffi / Shutterstock; Ollyy / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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