Gehalt 2015: Assistenz – „Die Zeiten werden immer härter“

von in Gehalt am Montag, 28. September 2015 um 10:28

Kein Chef ohne Chefsekretärin, kein Büro ohne Office Management, das den Laden am Laufen hält – sieht das auch in den nächsten Jahren noch so aus? Wie steht es um Karriere- und Gehaltschancen für Assistenten, Sekretariatskräfte und Office Manager? Gehaltsexperte Conrad Pramböck analysiert die Branche heute im Rahmen unserer Serie „Gehalt 2015“ für uns.

Assistenzkräfte kommen über eine gläserne Gehaltsdecke von rund 50.000 Euro Jahresgehalt selten hinaus, das hat Gehaltsexperte Conrad Pramböck bereits im Vorjahr für unsere Gehaltsserie festgestellt. Ein Blick auf die aktuelle Situation zeigt, dass die Prognosen keinesfalls besser geworden sind – im Gegenteil. Wer eine Karriere im Assistenzbereich anstrebt, muss sich warm anziehen. Bevor es an die detaillierte Analyse geht, die Gehälter der Branche im Überblick:

Gehalt Assistenz 2015

Fragen an den Branchenprofi

Wie ist Ihre Prognose für die Branche, wo liegen die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck: Für Assistenten wird es immer schwieriger, weil viele Office-Tätigkeiten bereits ins Ausland ausgelagert werden. Ein externer Dienstleister leistet das Gleiche – manchmal sogar schneller oder besser – aber zu einem viel günstigeren Stundensatz. Ein Beispiel: Früher wurden Reisebuchungen von der Sekretärin erledigt, große Unternehmen beauftragen damit jetzt externe Dienstleister, z. B. in Osteuropa. Viele Tätigkeiten wurden außerdem automatisiert oder werden von Arbeitnehmern verschiedener Abteilungen einfach miterledigt. Jedem Manager seine Sekretärin – das war einmal. Nicht jeder Arbeitgeber ist heute bereit, das zu bezahlen.

„An der Qualifikation arbeiten und Tätigkeiten möglichst aufwerten.“

Die Zeiten für Assistenten werden, meiner Meinung nach, immer härter. Assistenten müssen deshalb Dinge leisten, die ein Arbeitgeber nicht auslagern kann. Dabei kann es sich um die persönliche Unterstützung der Führungskraft handeln oder um ein wichtiges Upgrade seiner Qualifikation. Was die Jobs mit Basic-Tätigkeiten betrifft: Ich denke, die werden über kurz oder lang nicht mehr existieren. Wenn ein Arbeitgeber Personalkosten einsparen muss, werden zuerst jene Jobs gestrichen, deren Tätigkeit man in günstigere Länder auslagern kann. Auch dann, wenn Mitarbeiter in ihrem Job oft jahrelang gute Arbeit geleistet haben. Um diesem Trend zu entgehen, muss ich als Assistent an meiner Qualifikation arbeiten und meine Tätigkeiten möglichst aufwerten.

Welche Rolle spielen Bildungsgrad und Weiterbildung bei der Karriere?

Conrad Pramböck: Ein Trend, den man beobachten kann ist, dass es im Assistenzbereich immer mehr Akademiker gibt – falls es überhaupt noch Assistenzkräfte gibt. Meine Vermutung ist, dass es in ein paar Jahren bis Jahrzehnten nur noch sehr wenige oder keine Assistentinnen mehr geben wird. Nicht nur, weil die Jobs dann anders heißen, sondern auch, weil die Tätigkeiten sehr viel gehobener sein werden – und viele dieser Arbeitnehmer sind dann Akademiker.

Gehalt Assistenz Akademiker

Wie schnell kann man im Assistenzbereich Karriere machen?

Conrad Pramböck: Meine Empfehlung ist: Raus aus dem Assistenzbereich, um überhaupt Karriere zu machen und nicht um seinen Job bangen zu müssen.

Haben Sie Tipps für mehr Gehalt für jene, die sich trotzdem im Assistenzbereich behaupten möchten?

Conrad Pramböck: Höherwertige Tätigkeiten erledigen und mehr Verantwortung übernehmen in Bereichen, die Spaß machen. Mit diesen Argumenten kann man dann in die Gehaltsverhandlung gehen. Im Back Office kann man mit drei Prozent Gehaltssteigerung pro Jahr rechnen, der Großteil einer Gehaltserhöhung wird ohnehin von der Inflation aufgefressen. Ein Gehaltsplus von fünf bis sieben Prozent, vor allem über mehrere Jahre, ist schon Spitzenniveau für Assistenten. Stichwort Vertrauensverhältnis: Ein gutes Verhältnis zur Führungskraft ist Gold Wert. Wird man vom Chef nicht gefördert und unterstützt, kann es im Assistenzbereich schon sein, dass man der nächsten Restrukturierungswelle im Unternehmen zum Opfer fällt.

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

Zum Weiterlesen: Serie Gehalt 2015

Bildnachweis: Nonwarit / Shutterstock; Markgraf / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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