Benefits, Boni, neuer Job: Was tun nach der gescheiterten Gehaltsverhandlung?

von in Gehalt am Montag, 18. Juli 2016 um 20:15

Chef, ich will mehr Geld! Vor den Gehaltsgesprächen im Herbst widmen wir uns im Sommer wieder dem Thema Gehalt. Wie verhandle ich möglichst geschickt und welche Konsequenzen ziehe ich, wenn nicht mehr Geld drin ist? In den nächsten Wochen analysiert Gehaltsexperte Conrad Pramböck für die Serie „Gehalt 2016“ wieder unterschiedliche Branchen hinsichtlich Gehaltsentwicklung, Chancen und Risiken.

Kriegst du auch, was du verdienst?

Auf Sommer folgt Herbst und damit auch die Zeit der Mitarbeitergespräche und Gehaltsverhandlungen. Im besten Fall springt mehr Geld dabei heraus, im worst case gar nichts. Wir wollten von unseren Usern wissen, was sie im Fall eines gescheiterten Gehaltsgesprächs tun und starten heute unsere Serie „Gehalt 2016“:

31 Prozent der befragten Arbeitnehmer sagen sich „War halt nichts.“ Sie arbeiten weiter und versuchen, mit guter Leistung bis zur nächsten Verhandlungsrunde zu überzeugen. Ein Viertel der Befragten möchte die höhere Vergütung über Boni oder Benefits erreichen. 38 Prozent sparen sich weitere Gehaltsgespräche und sehen sich auf dem Arbeitsmarkt nach einem besser bezahlten Job um. Sechs Prozent geben an, dass sie auf Crash-Curs mit dem Chef gehen.

Wenn die Gehaltsverhandlung scheitert

Und wie reagieren Arbeitgeber auf die Forderungen nach mehr Geld? 161 Unternehmensvertreter beantworten die Frage so: 13 Prozent wägen ab und geben bei wichtigen Schlüsselkräften nach. 29 Prozent bieten, je nach Position des Mitarbeiters, Boni oder Benefits an. 42 Prozent erklären ihren Mitarbeitern, warum nicht mehr Geld drin ist und zeigen Perspektiven auf. 16 Prozent bleiben konsequent bei ihrem Nein und verweisen auf das Gehaltsschema, das für alle gilt.

„Für große Gehaltssprünge ist oft kein Geld da“

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Zum Auftakt unserer diesjährigen Serie „Gehalt 2016“ haben wir bei Conrad Pramböck nachgefragt: Ein Jobwechsel als letzte Konsequenz oder vorher doch noch einmal in die Verhandlungen gehen? Strategien für mehr Geld am Gehaltskonto:

2016 – ein gutes Jahr, um beim Chef nach mehr Geld zu fragen?

Pramböck: Die Stimmung ist derzeit gut und viele Mitarbeiter fühlen sich in ihrem Job grundsätzlich wohl – in den Gehältern drückt sich das aber nicht aus. Personalmanager argumentieren oft, dass eine Gehaltserhöhung nur dann möglich ist, wenn die Performance passt oder der Mitarbeiter seinen Verantwortungsbereich erweitert. Was ich in der Praxis oft sehe ist aber, dass Arbeitnehmer genau das machen, sie verkaufen z.B. mehr, ihr Gehalt wächst allerdings nicht dementsprechend mit. Auf der anderen Seite: In vielen Unternehmen, darunter auch sehr große Arbeitgeber, steht für Gehaltserhöhungen gar nicht ausreichend Budget für deutliche Gehaltssteigerungen zur Verfügung. Es ist also egal, wie sehr Arbeitnehmer ihre Performance steigern oder ob sie ihren Verantwortungsbereich erweitern – für einen großen Gehaltssprung ist oft einfach kein Geld da.

Allerdings muss hier differenziert werden: 10 bis 20 Prozent der Mitarbeiter machen nach wie vor gute Gehaltssteigerungen mit, das sind aber jene, die in den ersten zehn bis 15 Berufsjahren Karriere machen. Bis zu einer Altersgruppe von Mitte oder Ende 30 haben viele bereits 80 bis 90 Prozent ihrer Karriereentwicklung abgeschlossen. In jungen Jahren heißt es bei der Karriere daher: Gas geben!

Welche Strategien bleiben Arbeitnehmern, um an mehr Gehalt zu kommen?

Pramböck: Wenn im aktuellen Job bessere Leistung oder ein größerer Verantwortungsbereich nicht zu mehr Geld führen, dann bleibt nur, sich auf dem Arbeitsmarkt neu umzusehen. Aus meiner Sicht ist das derzeit die einzige Möglichkeit, interessante Gehaltssprünge jenseits der 10 Prozent zu machen. Das ist für alle Beteiligten – sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer – allerdings nicht die ideale Lösung. Für einen Mitarbeiter ist jeder Jobwechsel mit Unsicherheit verbunden: Ist das Gras drüben wirklich grüner?

Und wenn nur die Möglichkeit bleibt, die Stelle zu wechseln?

Pramböck: Meine Empfehlung ist, strategisch zu wechseln, wenn es beim derzeitigen Arbeitgeber keine guten Entwicklungsmöglichkeiten mehr gibt. Natürlich müssen beim neuen Job nicht nur das Gehalt sondern auch die Tätigkeit und das Umfeld passen. Mein Credo lautet: Ich wechsle immer dann, wenn ich beim aktuellen Arbeitgeber meine beruflichen Ziele nicht mehr verfolgen kann. Dabei stellt sich immer die Frage: Wie kann ich mich innerhalb des Unternehmens noch entwickeln? Eine gute Karriere mit signifikanten Gehaltssprüngen machen vielleicht 10 bis 20 Prozent der Mitarbeiter, alle anderen bekommen Erhöhungen, die im Grunde nur die Inflationsentwicklung abdecken.

Gehalt 2016

Auch wer keinen Jobwechsel in Erwägung zieht, sollte sich zumindest auf dem Arbeitsmarkt umsehen: Welche Stellen sind zu haben, welche Gehälter bezahlen andere Arbeitgeber? Stichwort BATNA – das steht für „Best Alternative to a Negotiated Agreement“ und ist bekannt aus dem „Harvard Konzept“ – es bedeutet nichts anderes als die beste Alternative zu einer Verhandlung, bei der man sich nicht einig wird. Ich kommuniziere z.B. meinem Vorgesetzten, dass ich gerne zehn Prozent mehr Gehalt möchte. Wenn der Chef verneint, was passiert dann? Habe ich als Mitarbeiter keine bessere Alternative, kehre ich zu meiner Arbeit zurück: Sorry, wollte gar nicht stören. Kenne ich meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt jedoch oder habe vielleicht sogar ein konkretes Angebot vorliegen, kann ich nochmals verhandeln. Wichtig ist zu erkennen, wie meine Verhandlungsmacht ausgebaut ist. Derjenige mit der besseren Alternative gewinnt. Je weiter meine Karriere voranschreitet und je besser ich werde, desto höher sind auch meine Chancen, dass ich die Regeln vorgebe.

Laut unserer Online-Umfrage wünschen sich 25 Prozent der Arbeitnehmer Boni und Benefits, wenn die Gehaltserhöhung nicht gewährt wird.

Pramböck: Auch wenn Zusatzleistungen rational einen höheren Gegenwert haben, als eine monetäre Gehaltserhöhung, haben Mitarbeiter lieber Cash auf der Hand. In vielen Unternehmen können Arbeitnehmer de facto keine Zusatzleistungen verhandeln, weil es hier wenig Spielraum gibt. In großen Konzernen gibt es fixe Dienstwagenregelungen die festschreiben, wer welches Modell und welche Ausstattung bekommt. Andere Benefits wie Zusatzversicherungen gibt es ohnehin für alle Mitarbeiter. Der größte Verhandlungsspielraum besteht also beim Grundgehalt und beim Bonus, wobei manche Arbeitgeber auch hier fixe Schemata haben.

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des neuen Buchs „Karrierewege“.

Bildnachweis: Vector7/Shutterstock; Melpomene/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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