Gehalt 2016 – Marketing, PR und der Kampf um gekürzte Budgets

von in Gehalt am Montag, 10. Oktober 2016 um 10:21

Gehaltsexperte Conrad Pramböck analysiert heute im Rahmen der Serie „Gehalt 2016“, wie die Karrierechancen für Marketingprofis und Kommunikationsexperten aussehen und welches Gehalt PR- und Marketingprofis erwarten dürfen.

„Marketing und Kommunikation sind Bereiche, die aus keinem Unternehmen wegzudenken sind – trotzdem genießen sie nicht überall denselben Stellenwert. „Großes Thema ist, dass Marketingbudgets immer kleiner werden. Geht es einem Unternehmen schlecht, werden zwei Budgets als erstes gekürzt: Marketing und Personalmanagement. Damit haben viele Marketer zu kämpfen – quer durch alle Branchen“, sagt Conrad Pramböck.

Die Gehälter im Überblick

Gehalt Marketing Kommunikation 2016

Wie ist ihre Einschätzung zur Branche derzeit – wo liegen die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Pramböck: Beim Marketing ist es so, dass in großen Konzernen viel von oben vorgegeben wird. Möchte ich kreativ arbeiten und aktiv gestalten, muss ich ins Headquarter. Liegt das außerhalb von Österreich und ich arbeite hier vor Ort, habe ich schlechte Karten. Dann setze ich nur um, was die Konzernzentrale vorgibt. Positiv ist, wenn ich Trends gegenüber aufgeschlossen bleibe: Mit Internet und Social Media sind Kanäle dazugekommen, die Marketing spannender und kostengünstiger machen – und hier ändert sich laufend etwas. Als Marketer ist es deshalb notwendig, ständig am Ball zu bleiben und darauf zu achten, welche Kanäle für meine Zielgruppen relevant sind oder in Zukunft werden. Das hat auch Einfluss auf meinen persönlichen Erfolg. Mein Eindruck ist, dass Marketing immer stärker in die Vertriebsergebnisse miteinbezogen wird. Früher war der Erfolg einer Kampagne nicht so messbar, wie das heute online der Fall ist. Dazu reicht ein Blick darauf, wie Unternehmen mit Influencer zusammenarbeiten: es geht um Zahlen, Fans und Zugriffe.

Kommunikation ist nach wie vor wichtig, hat in vielen Unternehmen aber nicht den Stellenwert, den sie haben sollte. Bessere Kommunikation steht bei vielen Mitarbeiterbefragungen an erster Stelle der Wunschliste.  Das Thema ist absolut wichtig, nur in wenigen Unternehmen werden ausreichend Ressourcen dafür bereitgestellt. Viele Kommunikationsabteilungen befinden sich im Zwiespalt zwischen Kommunikation nach außen und der nach innen: Die Unternehmenszahlen werden positiv nach außen kommuniziert, nach innen wird weitergegeben, dass für Gehaltssprünge kein Geld da ist.

Welche Rolle spielen Aus- und Weiterbildung?

Pramböck: Die erste Ausbildung spielt eine eher geringe Rolle. Der Einstieg ins Marketing erfolgt oft über ein Wirtschaftsstudium, im Kommunikationsbereich rate ich vom klassischen Publizistikstudium ab – hin zu einem wirtschaftlichen Studium und dazu, sich die notwendigen Kenntnisse in der Praxis anzueignen. Die laufende Weiterbildung passiert während der beruflichen Tätigkeit über modulare Fortbildungen wie Workshops oder Seminare, um sich mit aktuellen Trends vertraut zu machen. Für manche Teilbereiche, die Spezialwissen erfordern, wie z.B. SEO-Optimierung, werden in der Praxis meist externe Berater hinzugezogen. Wenn ich darauf achte, mich hier mit Spezialisten zu umgeben, ist das meist sinnvoller als ein großer Lehrgang zum Thema.

Wie schnell ist Karriere in Marketing oder Kommunikation möglich?

Pramböck: Hier bewegen wir uns im Mittelfeld: Mit Mitte 30 kann man durchaus Führungsverantwortung übernommen haben, wichtiger ist die Frage: Wohin geht es danach? Im Top-Management gibt es selten Personen, die aus dem Marketing heraus in diese Position gekommen sind. Möchte ich im Marketingbereich tätig bleiben? Wenn nicht, bietet sich strategische Bewegung in andere Bereiche an, z.B. in den Vertrieb.

Im Bereich Kommunikation verhält es sich ähnlich. Meist handelt es sich um eine kleinere Stabsstelle im Unternehmen, von der aus keine hierarchische Weiterentwicklung möglich ist. Mögliche Strategien sind hier: Zusätzlich zur Kommunikation weitere Themen betreuen, sich eine Stelle in einem anderen Unternehmen suchen oder selbstständig machen. Absolut entscheidend ist dann aber, zum Start der Selbstständigkeit bereits über zahlende Kunden zu verfügen.

 

Zur Person

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des neuen Buchs „Karrierewege“.

Bildnachweis: racorn/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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