Gehalt 2015: Drei Strategien für mehr Geld im Job

von in Gehalt am Montag, 20. Juli 2015 um 20:39

Sommerzeit bedeutet für viele auch: Durchatmen vor den Gehaltsverhandlungen im Herbst. Wir widmen uns im Sommer deshalb wieder schwerpunktmäßig dem Thema Gehalt. Unser aktuelle karriere.at-Online-Voting hat erfragt, wie Arbeitnehmer und Arbeitgeber das Thema Verhandeln sehen. Gehaltsexperte Conrad Pramböck wirft einen Blick auf die aktuelle Situation in Österreich und verrät drei Strategien für mehr Einkommen. In den nächsten Wochen analysiert er für die Serie „Gehalt 2015“ wieder verschiedene Branchen hinsichtlich Gehaltsentwicklung, Chancen und Risiken.

Der Wunsch nach mehr Geld

In der idealen Arbeitswelt würde der Weg zu mehr Gehalt folgendermaßen ablaufen: Man deponiert seinen Gehaltswunsch beim Chef, die Führungskraft willigt ein – Happy End. Läuft nur leider nicht so. Laut karriere.at-Stimmungsbild geben 39 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, dass Gehaltswünsche bei der Führunskraft zwar deponiert werden können, verhandelt wird aber nicht. Jeder Fünfte kann überhaupt nicht verhandeln, weil es fixe Gehaltstabellen gibt. Das jährliche Mitarbeitergespräch gibt immerhin 27 Prozent der Arbeitnehmer die Gelegenheit, mehr Verdienst zu fordern. 13 Prozent können mit ihren Gehaltswünschen jederzeit beim Chef vorstellig werden.
Gehalt verhandeln Arbeitnehmer

Gehaltsverhandlung: Ja, wenn die Leistung stimmt

So weit das Bild der Arbeitnehmer. Wie sehen Arbeitgeber das Thema Gehaltsverhandlung? 45 Prozent der befragten 140 Unternehmensvertreter geben an, dass Gehaltsverhandlungen das gute Recht eines jeden Arbeitnehmers seien. Jeder fünfte Teilnehmer findet, dass das Jahresgespräch den passenden Rahmen für Fragen nach mehr Gehalt bietet. Vorausgesetzt, die Leistung stimmt. Ebenso viele entscheiden über Gehälter im Führungskreis. 15 Prozent gewähren eine Gehaltserhöhung nur dann, wenn sie im Plan vorgesehen ist.

Gehalt verhandeln Unternehmensvertreter

Gehalt 2015: „Reale Einstiegsgehälter sind gesunken.“

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Gehalt – ein heißes Thema für einen heißen Sommer. Gemeinsam mit Conrad Pramböck analysieren wir bis Herbst die aktuelle Lage und werfen einen Blick auf ausgewählte Branchen: Wie viel Geld lässt sich holen – und wo ist überhaupt nichts drin? Bevor mir mit der Branchenanalyse starten, ein Blick auf die aktuelle Lage der Gehälter am Arbeitsmarkt und Strategien, um langfristig an höheren Verdienst zu kommen:

Wie haben sich Gehälter im Lauf der letzten Jahre entwickelt?

Conrad Pramböck: In Gesprächen mit Unternehmen habe ich auch immer wieder die Frage gestellt, wie sie die Gehälter in den letzten 10 bis 15 Jahren angepasst haben und die Antwort war: Maximal mit der Inflationsrate. Auf dem Papier sind die Einstiegsgehälter aktuell die gleichen, wie in den vergangenen Jahren. In der Zwischenzeit ist die Inflation vorangeschritten, laut meinen Recherchen zirka 20 Prozent – insgesamt auf die vergangenen 10 bis 15 Jahre gerechnet. Das bedeutet, vom absoluten Niveau her bewegen sich die Gehälter de facto auf gleichem Niveau, die realen Einstiegsgehälter sind sogar gesunken.

„Ausbildung rechnet sich zu Beginn der Karriere nicht.“

Um zu sehen, wie sich die Einstiegsgehälter gestalten, habe ich die Einkommen beim Eintritt in den Arbeitsmarkt nach verschiedenen Ausbildungen verglichen: Lehre, Matura und Bachelor. Als Berufsanfänger verdienen sie alle das Gleiche. Es macht zu Karrierebeginn also keinen Unterschied, ob ich einen Lehrabschluss habe, nach der Matura ins Berufsleben einsteige oder studiere: Mit Anfang bzw. Mitte 20 verdienen alle das gleiche. Ganz offen gesagt: Die Ausbildung rechnet sich zu Beginn der Karriere nicht. Danach wird es aber interessant. Wenn ich einige Jahre in die Zukunft sehe, haben Akademiker oft die besseren Karrierechancen und Gehälter steigen locker um 20 Prozent – verglichen mit dem Rest. Bei Maturaniveau und Lehre kommt es stark darauf an, was ich beruflich mache. Im Tourismus, Einzelhandel oder als Friseur sind die Gehälter relativ niedrig, nach technischen Ausbildungen wie einer HTL sind attraktive Karrieren auch ohne Studienabschluss möglich – zumindest in den ersten 5 bis 10 Jahren. In technischen Berufen sind die Gehälter auch viel besser. Grundsätzlich verdienen Akademiker deutlich mehr als andere, nur eben nicht zu Beginn der Karriere sondern erst später – nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung.

Gehalt

Spitzenverdienst: Investmentbanker haben weiterhin die Nase vorn

Wie sieht der Top-Absolvent mit Spitzeneinkommen aus?

Conrad Pramböck: Verglichen mit dem Vorjahr hat sich hier nicht viel geändert: Es sind nach wie vor Investmentbanker und Berater bei großen Consultingunternehmen. Die Gehälter liegen hier im Bereich von 60.000 Euro jährlich – das ist für Berufseinsteiger absolute Oberliga in Österreich. Arbeitgeber, die Top-Talente anziehen möchten, müssen aber auch Top-Gehälter zahlen. Es bringt nichts, sich nur innerhalb Österreichs zu vergleichen. Man muss als Arbeitgeber immer auch einen Blick nach Deutschland, London, Zürich oder in die USA werfen, denn Top-Talente sind durchaus gewillt, für einen Job und ein gutes Einkommen Österreich zu verlassen. Man muss aber auch bedenken, dass das Leben eines Investmentbankers in London oder den USA ein völlig anderes ist – Spitzenverdienst, aber kein Privatleben.

In welchen Branchen sieht es besonders gut aus?

Conrad Pramböck: Wie bereits angesprochen bei den Technikern – das wird sich vermutlich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Der Grund dafür ist, dass die Ausbildung oft schwieriger bzw. anspruchsvoller ist als bei anderen Studienfächern. Von Personalchefs habe ich bereits die Aussage gehört: Es ist einfacher, einem Techniker etwas Wirtschaftliches beizubringen als einem Wirtschaftler etwas Technisches. Gute Verdienstmöglichkeiten gibt es auch für Sales-Personal: Wer im Verkauf tätig ist, hat es leicht, seine beruflichen Erfolge darzustellen, in der Gehaltsverhandlung mit seinen Erfolgen zu argumentieren und so zu mehr Geld zu kommen.

2015 – Jahr der Gehaltserhöhungen?

Im Herbst stehen wieder Mitarbeitergespräche an – Gehalt ist dort meist auch ein Thema. Ist 2015 ein gutes Jahr für Gehaltsforderungen?

Conrad Pramböck: Grundsätzlich geht es der Wirtschaft gar nicht so schlecht, nur bei manchen Branchen wie Banken und Versicherungen sieht es etwas anders aus. Unternehmen schauen aber grundsätzlich sehr stark auf ihre Personalkosten – sie machen in vielen Betrieben den größten Brocken aus. In Dienstleistungsunternehmen liegt der Wert bei durchschnittlich 70 Prozent. Den meisten Unternehmen geht es darum, diese Kosten möglichst niedrig zu halten. Gehaltssprünge sind in den meisten Bereichen nicht möglich, solange man im selben Job tätig ist. Das heißt aber auch, dass Arbeitgeber gewillt sind, mehr zu bezahlen, sobald sich der Job verändert.

Gehaltserhöhung

Welche Strategien empfehlen Sie, um an höheres Gehalt zu kommen?

Conrad Pramböck: Die angesprochene Veränderung des Jobs führt zu zwei Argumenten, die für eine Gehaltserhöhung sprechen und sich kurz- bzw. mittelfristig ausdrücken. Und dann gibt es noch eine dritte Komponente, die auf lange Sicht mehr Geld bringt:

  1. Gute Leistung
    Je besser die Performance, desto wahrscheinlicher die Zusage zur Gehaltssteigerung. Diese drückt sich kurzfristig aus, meist in Form eines Bonus. Der Bonus gibt dem Arbeitgeber die Flexibilität, schnell zu reagieren, ohne den Vertrag zu ändern: Passt die Leistung nächstes Jahr nicht mehr, gibt es auch keinen Bonus mehr. Wer mittelfristig gute Leistung bringt, hat die Chance, sich innerhalb des Unternehmens zu entwickeln – das führt zum zweiten Grund für Gehaltserhöhungen:
  2. Mehr Verantwortung übernehmen
    Die Größe des Verantwortungsbereichs wirkt sich mittelfristig auf das Gehalt aus. Je mehr Verantwortung ich habe, desto größer ist mein Grundgehalt. Jungen Arbeitnehmern rate ich daher zur Strategie „Mehr Leistung – langsam mehr Verantwortung übernehmen“. Verantwortung kann dabei mehrere Facetten haben: Mitarbeiterführung, die Übernahme eines Etats, Betreuung eines größeren, geografischen Gebietes, Übernahme eines neuen Bereiches, neue Produktlinien betreuen etc.
  3. Karriere über das eigene Netzwerk
    An die wirklich guten Jobs – und damit auch an mehr Gehalt – kommt man über sein eigenes berufliches Netzwerk. Es besteht aus Personen, zu denen man wirklich gutes Vertrauen hat und die wissen, wie und mit welcher Qualität man arbeitet. Was dann passiert, ist, dass man aufgrund seiner guten Leistungen innerhalb dieses Netzwerkes weiterempfohlen wird, sobald eine gute Stelle frei wird. Die richtig tollen Jobs und Führungsposten werden fast ausschließlich innerhalb dieser beruflichen Netzwerke vergeben.

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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