Gehalt 2014: Personalmanagement – Wenn Insider ihr eigenes Gehalt verhandeln

von in Gehalt, HR am Montag, 1. September 2014 um 10:42

Im vorhergehenden Teil der Serie „Gehalt 2014“ hat Conrad Pramböck, Experte für Gehaltsfragen, die Gehaltsentwicklungen in Marketing und Kommunikation analysiert. Heute betrachtet er für uns Gehälter und Karriereperspektiven für Personalmanager – vom HR Generalist bis zum Bereichsleiter Personal.

„Stellenwert des Personalers ist im Unternehmen oft schlechter als sein Ruf draußen“

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Personalmanager bewegen sich während ihrer Tätigkeit in einem Spannungsfeld: Einerseits müssen sie die Interessen des Unternehmens vertreten, andererseits sind sie als Mitarbeiter selbst von der Personalpolitik des Arbeitgebers betroffen. Das kriegen sie auch dann zu spüren, wenn es um ihr eigenes Gehalt geht, weiß Conrad Pramböck: „Das größte Problem, das Personaler haben ist, dass sie in vielen Unternehmen als Kostenfaktor gelten. Ich kenne viele Leute, die noch nicht im Personalmanagement arbeiten und sagen: Ich arbeite gerne mit Menschen, ich gehe in die Personalabteilung. Da kann ich Leute rekrutieren oder entwickeln. Wenn ich dann im Unternehmen bin, ist der Stellenwert des Personalers aber häufig schlechter als sein Ruf draußen.“

Die Gehälter der Branche im Überblick:

Gehalt Personalmanagement

Fünf Fragen an den Branchenprofi

Wie ist Ihre Prognose für die Branche? Was sind die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck: Es gibt viele Ansätze, besonders aus den USA, wie sich das Personalmanagement noch besser im Unternehmen einbringen und so den Stellenwert heben kann. Aber ich tue mir schwer, eine positive Prognose abzugeben. Man kann natürlich sagen, dass Personalmanagement immer wichtiger wird. Auf den Broschüren: Ja, selbstverständlich. Und wir alle wissen, dass es de facto auch so ist. Aber zwischen dem Anspruch, den die Unternehmen haben und der Wirklichkeit ist ein großer Unterschied. Meine persönliche Einschätzung ist, dass es in diese Richtung weitergehen wird. Aber das Thema Personalmanagement ist total spannend, denn wenn man sich verschiedene Branchen ansieht, worum geht es da: Wenn ich in ein Lokal gehe, geht es nur um das Essen oder auch darum, wie ich bedient werde? Personalmanagement ist unglaublich wichtig, aber der Personalmanager hat im Unternehmen einen schlechten Stellenwert. Unter anderem, weil ihm auch bescheinigt wird, dass er vom Tagesgeschäft wenig Ahnung hat und seine Konzepte, die mit der Wirklichkeit nur teilweise etwas zu tun haben, im stillen Kämmerchen ausdenkt.

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad? Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf die Gehälter?

PersonalmanagementConrad Pramböck: Personalmanager bringen generell eine sehr gute theoretische Ausbildung mit, viele sind Wirtschafter, manche sind Psychologen oder Juristen. Da gibt es nichts, was ungewöhnlich ist für die Personalabteilung. Da noch eine großartige akademische Spezialisierung herbeizuführen ist meiner Meinung nach wenig zielführend. Viel wichtiger ist es, damit vertraut zu sein, was ein Recruiter macht, wie ein Personalentwickler arbeitet, wie sich Trainingskonzepte gestalten. Und natürlich auch, dass ich mit der eigenen Branche vertraut bin, insbesondere mit dem eigenen Unternehmen. Erst dann kann ich die theoretischen Konzepte, die ich gelernt habe, in die Praxis umsetzen. Es ist vor allem wichtig, Berufserfahrung und im Job Ergebnisse zu sammeln.

Wie schnell kann man in der Branche Karriere machen?

Conrad Pramböck: Die Chancen auf eine schnelle Karriere stehen gar nicht so schlecht. Ich kenne Personalchefs, die Anfang oder Mitte 30 sind, maximal fünf bis zehn Jahre Berufserfahrung haben und in mittelständischen und teilweise größeren Unternehmen bereits Verantwortung im Personalmanagement übernommen haben.

„In der Wahrnehmung sind Personaler in erster Linie ein Kostenfaktor“

Abschließend: Haben Sie Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Conrad Pramböck: Viele Manager sagen auf der einen Seite, dass die Mitarbeiter das wichtigste im Unternehmen sind. Auf der anderen Seite wird Personalmanagement in vielen Unternehmen sehr klein geschrieben und hat einen relativ geringen Stellenwert. In der Wahrnehmung der Unternehmensleitung sind Personaler in erster Linie ein Kostenfaktor. Sie tun sich deshalb oft schwer, ein höheres Gehalt zu argumentieren. Entscheidend ist, seine Leistungen sichtbar zu machen und mit konkreten Zahlen zu untermauern.
Fragen, die man vorbereiten könnte, bevor man in die Gehaltsverhandlung geht:

  • Was hat es ganz konkret gebracht, dass ich eine Maßnahme eingeleitet habe?
  • Warum profitiert das Unternehmen, wenn ich mich mit Themen (z.B. Mitarbeiterbindung) auseinandersetze?
  • Mit Zahlen durchrechnen: Was bringe ich als Personalmanager dem Unternehmen?

Einen Vorteil hat der Personalmanager im Unternehmen: Er kennt die Gehälter der Kollegen, hat direkten Zugang zu Studien und Personalberatern und kann leicht erfragen, wie die Bezahlung in vergleichbaren Positionen am Markt ist.

Zur Person

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

Bildnachweis: Andrey_Popov /Shutterstock, Pedersen /Partners, Jirsak /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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