Gehalt 2014: Marketing – Liebäugeln mit dem Vertrieb zahlt sich aus

von in Gehalt am Montag, 18. August 2014 um 10:51

Im ersten Teil der Serie „Gehalt 2014“ hat Conrad Pramböck, Experte für Gehaltsfragen, die Gehaltsentwicklungen in der IT-Branche analysiert. Wie der Aufstieg vom Marketing Spezialisten zum Head of Marketing gelingt, verrät er heute. Diesmal dreht sich alles um Karrierechancen und Gehälter in Marketing & Kommunikation.

Blick über den Tellerrand hinaus bringt Erfolg

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Wer im Marketing die Karriereleiter hinaufklettern möchte, wird schnell erkennen: Mit Kreativität alleine ist es nicht getan. „Es gibt für mich einen großen Unterschied zwischen dem Image, das die Branche hat und dem, wie es tatsächlich ist. In der Realität ist vor allem in großen Unternehmen viel von Konzernrichtlinien geprägt. Diese sind umzusetzen und der Gestaltungsspielraum ist dann bei weitem nicht so groß, wie man sich das erhofft hat. Wer ein Gespür für den Markt entwickelt und über den Tellerrand hinaus blickt, hat aber gute Chancen auf erfolgreiche Karriereschritte und gutes Gehalt“, erklärt Conrad Pramböck. Zuerst die Gehälter der Branche auf einen Blick:

Die Gehälter im Überblick:

Gehaltsentwicklung Marketing und Kommunikation

Die Grafik gibts auch zum PDF-Download.

Fünf Fragen an den Branchenprofi

Wie ist Ihre Prognose für die Branche, wo liegen die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck: Von den Jobchancen her gibt es im Marketing einige gute Möglichkeiten. Egal ob ich Generalist bin und Kampagnen in Zusammenarbeit mit Werbeagenturen umsetze oder als Produktmanager ein ganz bestimmtes Produkt betreue. Da gibt es verschiedene Varianten, je nachdem, wie das Marketing im Unternehmen selbst aufgestellt ist.

„Besonders grafische Dienstleistungen werden oft ausgelagert“

Von den Risiken her: Der Kostendruck in den Unternehmen ist gewaltig. Wenn gespart werden muss, auch kurzfristig, dann gibt es in Unternehmen meist zwei Bereiche: Marketing und Personalentwicklung. Wir alle wissen, dass beides wichtig ist. Wenn ich aber kurzfristig Geld brauche, dann spare ich genau dort. Ich erlebe in vielen Unternehmen, dass die Marketingbudgets nicht größer, sondern eher kleiner werden. Aus Sicht des Arbeitnehmers stellt sich die Frage: Wie viel Marketing wird im Betrieb gemacht und was wird ausgelagert? Besonders grafische Dienstleistungen werden oft an Freelancer ausgelagert. Wer nur künstlerisch unterwegs ist, findet freiberuflich als Grafiker oder Designer immer wieder interessante Projekte. Als Angestellter ist es schwieriger geworden, in diesen Bereichen einen Job zu finden.

„Es gibt relativ wenige Marketingleute ohne Studium, die Karriere machen“

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad?

Conrad Pramböck: Typischerweise sind Mitarbeiter im Marketing Akademiker. Viele haben ein Wirtschaftsstudium mit Spezialisierung auf Marketing an einer Uni oder Fachhochschule absolviert, das ist der Klassiker. Zusätzlich erleichtern Praktika, entweder direkt im Marketing eines Unternehmens oder in einer Werbeagentur, den Berufseinstieg. Es gibt relativ wenige Marketingleute ohne Studium, die Karriere machen.

„Im Marketing zählt die Berufserfahrung“

Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf die Gehälter?

Conrad Pramböck: Es gibt verschiedene kleinere Varianten, wie man sich weiterbilden kann, von Computerprogrammen bis hin zu Kollegs. Mein Eindruck ist: Was im Marketing am meisten zählt, ist die Berufserfahrung sowie ein Gespür dafür, was am Markt funktioniert und auch möglichst kostengünstig umzusetzen ist. Von der Ausbildung her geht es im Marketing nicht so rasant zu wie zum Beispiel in der IT-Branche, wo man sich im Rahmen von Weiterbildungen ständig über neueste Entwicklungen informieren muss.

Wie schnell kann man im Marketing Karriere machen?

Gehalt 2014 MarketingConrad Pramböck: Verglichen mit anderen Branchen würde ich sagen, das bewegt sich im mittleren Bereich. Ganz schnelle Karrieren, wo man nach wenigen Jahren in der zweiten Führungsebene sitzt, sind eher unüblich. Auf der anderen Seite kann ich, gerade in den Bereichen Produktmanagement und Category Management in einer Führungsposition innerhalb von 10 bis 15 Jahren schöne Karriereschritte machen.

Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Conrad Pramböck: Meine Empfehlung ist es, sich stark mit dem Thema Vertrieb auseinander zu setzen. Marketingleute, die in ihrer Karriere mehr erreichen möchten, sollten sich überlegen, ob sie nicht in den Vertrieb wechseln möchten – oder zumindest ganz nah mit diesem Bereich zusammen zu arbeiten. Bleibt man hingegen nur im Marketing, sollte man sich bewusst sein, dass Karrieremöglichkeiten und damit auch Gehaltsmöglichkeiten bis zu einem gewissen Punkt limitiert sind. Orientiert man sich aber am Vertrieb, hat man zum Beispiel die Chance, als Bereichsleiter Marketing und Sales bis ganz nach oben zu kommen.

Bisher in der Serie „Gehalt 2014“ erschienen:

Development und IT – Das Geld fällt nicht (mehr) vom Himmel

„Mit 30 entscheidet sich, wer Karriere macht“

Zur Person

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

Bildnachweis: Bplanet/Shutterstock, Sergey Nivens/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren