Gehalt 2013 – Wie entwickeln sich die Einkommen?

von in Gehalt am Montag, 17. Juni 2013 um 20:31

Das Gehalt: Es ist und bleibt Top-Thema für jeden Arbeitnehmer. Und dies von der Stellenausschreibung bis hin zur Pensionierung. Wer was verdient, worauf es ankommt und in welcher Branche 2013 die Top-Verdiener zu Hause sind, erklärt ab heute wieder im Zwei-Wochen-Rhythmus C2X-Gehaltsexperte Bruno Gangel. Hier der Auftakt samt Interview für die bereits dritte große karriere.at-Gehaltsserie. In zwei Wochen an dieser Stelle: Gehälter in der IT.

„Hoffnungslos aber nicht ernst“

Aktuell befindet sich Europa im bereits fünften Jahr der Krise. Und während aus makroökonomischer Sicht der gewünschte Beschäftigungsgrad nicht erreicht werden konnte, hat sich hingegen aus mikroökonomischer Sicht die Erholung der Gehaltserhöhungen fortgesetzt. „Die Lage ist hoffnungslos aber nicht ernst“, kommentiert Gangel.

Schmerzhafter Preis für den Erhalt von Arbeitsplätzen

Bruno Gangel, C2X

Bruno Gangel, C2X

Sorgen bereiten ihm jedoch die Entwicklungen um die Durchschnittsgehälter: „Es gibt immer weniger Überzahler, immer mehr Firmen zahlen bewusst unterdurchschnittlich. Diese Effekte sind nicht auf einzelne Branchen begrenzt.“ Insgesamt, so Gangel, scheint sich damit die gesamte österreichische Einkommenssituation mittelfristig über Umwege wie Nachbesetzungen mit geringerer Qualifikation einem dauerhaft niedrigeren Niveau anzunähern. „Das scheint der schmerzhafte Preis für das Überleben vieler Unternehmen und dem Erhalt der Mehrzahl der Arbeitsplätze in diesen Firmen zu sein.“

„2,7 Prozent sind gar nicht schlecht“

Herr Gangel, vergangenes Jahr gab es eine Steigerung der Einkommen um 3% und Sie waren für 2013 recht optimistisch. Hat sich das erfüllt?

GehaltsentwicklungBruno Gangel: Leider nein, es sind am Ende dann 2,72% geworden. Notwendige Bedingung des Optimismus war: keine nachhaltige Verschlechterung in der europäischen Wirtschaftsentwicklung. Doch genau diese haben wir bekommen. Aber, ganz ehrlich, 2,7% sind in Hinblick auf die allgemeine Wirtschaftslage gar nicht schlecht.

Firmen sind seit 2008 vorsichtiger geworden

Waren es bestimmte Branchen oder Bereiche, die zu dieser Verschlechterung geführt haben?

Bruno Gangel: Grundsätzlich hat die Zurückhaltung in der Gehaltspolitik keine bestimmte Quelle. Es hat aber gerade bei Klein- und Mittelbetrieben über die letzten 9 bis 12 Monate deutliche Rückgänge bei den Auftragseingängen gegeben. Generell sind die Firmen seit 2008 vorsichtiger geworden und beobachten ihr wirtschaftliches Umfeld genau.

Kann man jetzt überhaupt noch gut zahlende Unternehmen finden?

Bruno Gangel: Aber sicher! Es gibt einfach in jeder Branche erfolgreiche und weniger erfolgreiche Firmen – aber das ist nicht neu.

Gehalt ist nicht Alles!

EinkommensentwicklungWenn ich Job suche: Wie kann ich einen gut zahlenden Arbeitgeber erkennen?

Bruno Gangel: Die Frage ist gut – aber falsch! Natürlich ist Gehalt wichtig, aber genauso wichtig sind Faktoren wie gutes Betriebsklima, Karrierechancen und persönliche Weiterentwicklung durch Lernen.

Trotzdem: Haben Sie einen konkreten Rat?

Bruno Gangel: Mitarbeiter eines Unternehmens, und damit auch deren Umfeld wie Familie, Verwandte und Freunde, haben meistens eine sehr zutreffende Einschätzung der Einkommensqualität von Firmen. Das ist eine ganz wichtige Auskunftsquelle. Und dann ist da noch das Internet mit einer Vielzahl von – manchmal leider auch falschen – Einkommensdaten. Alle diese Informationen helfen, das Gehaltsangebot eines neuen Arbeitgebers auf möglichen Verhandlungsspielraum abzuklopfen.

Das „Wo“ spielt eine immer kleinere Rolle

Regionale Gehaltsunterschiede schleifen sich in Österreich weiter ab, der Wirtschaftsgrad der Region hat jedoch immer noch Bedeutung. An der Spitze liegen der Raum Wien, der OÖ. Zentralraum, der Bereich Salzburg-Hallein sowie das Bodenseegebiet.

Fällt jemand aus, gibt es heute meist kein Backup mehr

Langfristige-GehaltsentwicklungSie veröffentlichen seit über 10 Jahren ihr Gehaltshandbuch für Österreich: Was hat sich in der langen Frist geändert?

Bruno Gangel: Da sind viele Dinge. Die Mitarbeiterbindung  ist deutlich gesunken, Arbeitnehmer bleiben im Durchschnitt nur mehr etwa 6,8 Jahre bei einem Arbeitgeber, Führungskräfte sogar nur mehr knapp 3,5 Jahre. Erfolgsbezogene Gehaltsanteile sind weit verbreitet. Aber am eindrucksvollsten ist die Strukturveränderung in den Betrieben:  Im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren hat sich der Anteil der sogenannten „nicht-produktiven“ Funktionen wie Rechnungswesen, Verwaltung, Personal etc. zu Gunsten der Produktiv-Funktionen (Produktion, Vertrieb etc.) stark verschoben. Weiters wurden in den vergangenen 10 bis 20 Jahren die Personalreserven in den Firmen nahezu komplett abgebaut: Wenn heute eine ArbeitnehmerIn ausfällt, gibt es meist kein Backup mehr.

Keine große Hoffnung auf positive Überraschungen

Wie wird es denn mit den Einkommen weitergehen?

Bruno Gangel: Eine Prognose bleibt schwierig, weil der nachhaltige Aufschwung im EU-Raum auf sich warten lässt. Die letzten Wirtschaftsprognosen geben aber für 2013 keine große Hoffnung auf positive Überraschungen.

 Trauen Sie sich, eine konkrete Zahl zu nennen?

Bruno Gangel: 2,3 bis 2,7% halte ich für das Maximum.

 

Bildnachweis: karriere.at, C2X, Mirco Vacca / Quelle Shutterstock

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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