Ihr Gehalt 2011: Mehr am Lohnzettel, weniger im Geldbörsel

von in Arbeitsmarkt, Gehalt am Donnerstag, 14. April 2011 um 12:32

Die gute Nachricht zuerst: 2011 werden österreichische Arbeitnehmer wieder mehr verdienen. Die schlechte: Vom Gehalt übrig bleiben wird trotzdem weniger, weil allein die Inflation die Einkommenssteigerung auffrisst. Karriere.at sprach mit Gehaltsexperten Bruno Gangel über verfrühten Optimismus in der Gehaltsfrage, die Branchen mit den besten Chancen auf Einkommenssprünge und darüber, warum spezialisierte Arbeitskräfte beim Gehalt-Verhandeln am ehesten leichtes Spiel haben. Auftakt zur großen karriere.at-Gehaltsserie.

Es geht wieder aufwärts: Die Wirtschaft freut sich nach zwei mageren Jahren wieder über volle Auftragsbücher. Und auch auf dem Gehaltszettel der Arbeitnehmer tut sich wieder etwas. So sollen die Einkommen österreichischer Arbeitnehmer im Jahr 2011 durchschnittlich um 2,34 Prozent wachsen, rechnet Gehaltsexperte Bruno Gangel vom Institut C2X: „2011 wachsen die Löhne wieder im vernünftigen Bereich.“

In den kommenden Monaten werden wir im Zwei-Wochen-Rhythmus die Gehaltssituation in den einzelnen Berufsfeldern in einer großen karriere.at-Gehaltsserie erörtern. Zum Auftakt liefern wir einen Überblick: Wie stark und warum steigt das Einkommen wieder? In welchen Branchen stehen die Chancen auf mehr Gehalt besonders gut? Und: Bleibt am Monatsende vom Gehaltssprung auch mehr übrig? Künftig wird Experte Gangel auf einzelne Branchen eingehen, heruntergebrochen auf Berufsfelder, Trends und Entwicklungen. Um eine Antwort auf die Frage zu geben: Verdienen Sie, was Sie verdienen?

Bruno Gangel, C2X

Bruno Gangel, C2X

Nach Krise: Steigerung nötig

2,3 Prozent durchschnitliches Einkommenswachstum prognostiziert Gehalts-Experte Gangel für das heurige Jahr. Was aber sind die Gründe für das Wachstum? Stimmt die Rechnung ‚Zu wenige Fachkräfte=höhere Nachfrage=höhere Gehälter‘?

Gangel dazu: „Der Fachkräftemangel allein ist dafür nicht Ausschlag gebend. Denn mit diesem Problem sind wir ja nahezu immer konfrontiert.“ Viel mehr sieht der Gehalts-Forscher zwei unterschiedliche Krisen-Strategien der Unternehmen als Ursachen: Ein Teil der Betriebe hätte in den Krisenjahren gehaltsmäßig mit extremer Zurückhaltung „bis hin zu Nullohnrunden“ agiert. Diese Unternehmen seien nun gezwungen, den dadurch bedingten Gehalts-Stillstand zugunsten ihrer Arbeitnehmer wieder auszugleichen.
Andere hingegen hätten die Krise dazu genutzt, um die Belegschaften nach Leistungsträgern zu durchforsten: „Firmen haben geschaut, wo Performer und so genannte Nicht-Performer im Unternehmen vorzufinden sind. Der Effekt daraus ist, dass eben die leistungsstarken Mitarbeiter übrig geblieben sind. Das sind einerseits jene, die ohnehin bereits gut verdienen. Und nun, da es wieder aufwärts geht, wachsen die Gehälter der Performer durch variable Gehaltsanteile wie Prämien wieder stärker.“ Firmen, die darauf vertraut haben, mit ihren Leistungsträgern durch die Krise zu kommen, sähen sich nun dem Druck ausgesetzt, diese keinesfalls verärgern zu dürfen, betont Gangel.

Fachkräfte beste Chancen auf mehr Gehalt

Wie nebenstehende Tabelle aufzeigt, verdienen sämtliche Unternehmensebenen im kommenden Jahr mehr: Vom Top-Manager bis zum „normalen Angestellten“. Wenngleich die Steigerungen zwischen den Hierarchieebenen nur marginal seien, so lasse sich dennoch feststellen, dass qualifizierte, spezialisierte Arbeitskräfte nach wie vor die beste Ausgangsbasis für Gehaltssprünge hätten: „Unternehmen haben seit rund zwei Jahrzehnten erkannt, dass man aus zehn qualifizierten Fachkräften nicht automatisch zehn Führungskräfte machen kann, wenn diese länger im Unternehmen sind. Auch aus dem Grund, weil viele Menschen die Führungsebene in ihrer beruflichen Lebensplanung gar nicht anstreben. In den 1990er-Jahren hat sich daher in den Unternehmen das Wissen etabliert, dass es neben dem bis dahin vorherrschenden hierarchischen Karrieremodell für Mitarbeiter auch die Möglichkeit zu einer Fachkarriere geben muss. Und eine solche muss sich für den Betroffenen dann nicht nur beim Gehalt, sondern auch beim sichtbaren Status niederschlagen“, erklärt Studienautor Gangel.

Doch nicht in jeder Branche stehen 2011 die Chancen in Gehaltsverhandlungen gleich gut. So zeigt die Reihung der einzelnen Branchen, in welchen Wirtschaftsbereichen der Aufwärtstrend am stärksten ist. Und folglich auch die Chance auf höhere Gehälter, weiß Gangel: „Die Grundaussage ist: In Branchen, die in dieser Wertung vorne weg sind, ist in der Regel auch die Chance groß, dass die Einkommenssteigerungen größer sein werden. Ausnahmen bilden jedoch oft Betriebe, die sich sehr stark spezialisiert haben und in Marktnischen agieren. Ist dies der Fall, so kann es beispielsweise auch in der Textilbranche sehr gute Gehälter geben.

Mehr Gehalt – weniger im Portemonnaie

Doch gibt das durchschnittlich zu erwartende Gehalts-Plus wirklich Grund zum Optimismus? Nur bedingt: Denn der derzeit hohe Ölpreis treibt auch die Inflation in die Höhe. Die an sich „vernünftige“ Gehaltssteigerung von 2,34 Prozent ist also um einiges geringer als die Inflationsrate, die derzeit bei rund 2,8 Prozentpunkten liegt. Fazit: Herr und Frau Österreicher verdienen zwar mehr, haben am Ende des Tages jedoch weniger Geld im Börsel übrig.

Auch wegen Entwicklungen der Weltwirtschaft sei von verfrühter Euphorie noch abzuraten, warnt der Gangel: „Mit allzu großem Optimismus würde ich derzeit vorsichtig sein. Denn allein die Ereignisse der vergangenen Wochen in Nordafrika und Japan zeigen uns die Effekte durch Vernetzungen in der Weltwirtschaft wieder auf. So kann beispielsweise der Mangel an elektronischen Bauteilen ebenso wie ein möglicher Rohöl-Mangel und die damit verbundenen Preisanstiege drückend auf die Weltwirtschaft wirken. Man muss beispielsweise bedenken, dass im Moment rund 60 Prozent der japanischen Elektronik-Produktion still stehen. Und das wiederum hat bereits Auswirkungen auf die Handyproduktion in Korea, die vorwiegend mit japanischen Displays arbeiten. Und welchen Dominoeffekt die Vorgänge in Nordafrika hinsichtlich der Erdölproduktion noch auslösen werden, ist ebenso schwer absehbar. Ich teile daher die Vorsicht von Wifo und IHS.“

Karriere.at-Service zur Gehaltsverhandlung: Tipps und Tools

Die wirtschaftlich eher schlechten Jahre haben die Gehalts-Karten nicht nur für Berufseinsteiger neu gemischt: Zwei Jahre standen eine Vielzahl der Firmen gehaltsmäßig auf der Bremse – mit dem Effekt dass auch Einstiegsgehälter nach unten korrigiert wurden. Und nun kämpfen viele Uni-Abgänger und junge Arbeitnehmer mit der Frage: Wieviel ist meine Arbeit wert?

Hilfestellung können mehrere Angebote und Tools geben, wie beispielsweise die Einstiegsgehälter-Zusammenstellungen der Arbeiterkammer:

Als hilfreich kann sich auch der AMS-Gehaltskompass erweisen, der neben einer Eingabemaske auch noch mittels Berufsliste bzw. aufgeschlüsselt nach so genannten „Berufsbereichen“ angewendet werden kann. Durchaus nützlich vor allem dann, wenn man – was heute gar nicht so selten ist – nicht wirklich weiß, wie der Job eigentlich genau heißt, in dem man arbeitet. Tipp: Die erhaltenen Werte sollten als Orientierungshilfe dienen, denn gerade bei qualifizierten Berufen könne der darin aufscheinende Wert durchaus auch höher sein, warnen Experten vor enttäuschenden Ergebnissen.

Stehen Gehaltsverhandlungen erst einmal ins Haus, sollten Arbeitnehmer taktisch klug vorgehen – also mit einem definiertem Ziel, zurechtgelegter Taktik und einer allfälligen Exit-Strategie. Einen Ratgeber dazu gibt es hier.

Ebenso wichtig: Nur wer weiß, welche Nettowerte sich hinter Bruttoangaben verbergen und umgekehrt, kann auch auf Augenhöhe in Gehaltsverhandlungen gehen. Also: Brutto-Netto-Rechner verwenden! (Bild klicken!)

Wie geht’s weiter?

Alle zwei Wochen widmet sich der karriere.blog in einem Artikel der Gehaltssituation in den einzelnen Berufsfeldern eingehen: Vom Management bis zum Verkauf – der IT-Branche bis zum Finanz- und Rechnungswesen. Ziel: Berufseinsteigern aber auch wechselwilligen Arbeitnehmern einen Überblick zu geben, welches Gehaltsniveau in einzelnen Berufsfeldern gegeben ist und wohin die Einkommens-Reise geht. Wie sehen die Einstiegsgehälter aus? Wo sollte man sich mit fünf oder zehn Jahren Berufserfahrung einordnen? Was verdient man als Führungskraft einer speziellen Branche?

Der erste Artikel dazu erscheint am 26. April im karriere.blog – wer noch nicht zu den regelmäßigen Lesern gehört, die Serie aber keinesfalls versäumen möchte: Einfach über unsere Facebook-Page dranbleiben oder uns auf Twitter folgen!

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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