Gehalt 2011: Human Resources – zwischen Fachkräftemangel und Krisenfeuerwehr

von in Arbeitsmarkt, Gehalt, HR am Montag, 4. Juli 2011 um 14:14

Mitarbeiter im Bereich Human Resources (HR) – in wirtschaftlich guten Zeiten Kämpfer gegen den Fachkräftemangel, in schwierigen Zeiten für viele Unternehmen unabdingbare Krisenfeuerwehr. Extrem vielfältig erweist sich das Tätigkeitsfeld jener Mitarbeiter, die gemeinhin als „Personaler“ bezeichnet werden: Recruiting, Sourcing, Personalmarketing, Employer Branding, Mitarbeiterbindung, und, und, und … Doch wie sieht die Einkommenssituation in diesem Berufsfeld aus? C2X-Gehaltsexperte Bruno Gangel analysiert.

Bruno Gangel, C2X

Bruno Gangel, C2X

Die Beschäftigten in diesem Funktionsbereich haben es nicht leicht! Die Top-Verkäufer holen die besten Aufträge, exzellente Entwickler und Produktionsspezialisten stellen das perfekte Produkt her, ein Spitzen-Einkäufer besorgt optimale Qualität zum Bestpreis. Und alle diese Top-Kräfte werden von der HR geholt, durch ein richtiges Gehaltsmodell gegenüber Abwerbung immunisiert, in der Karriereentwicklung unterstützt und so weiter. Gehaltsforscher Gangel weiß um das schwere Standing von Personalabteilungen in vielen Unternehmen: „Immer noch wird HR entweder als Personalverrechnung missverstanden, dem Finanzbereich eingegliedert oder (noch schlimmer!) mit einem Etikett sozialromantischer Mitarbeiterbetreuung versehen oder in anonyme Shared Service Center outgesourced.“

Personaler: Gehalt und Job hängen oft von Konjunktur ab

In jedem Fall ist die Einkommenssituation je nach internem „Standing“ stark unterschiedlich. Eine „einsame“ Personalposition, dem Leiter Rechnungswesen organisatorisch zugeordnet, verdient oft deutlich schlechter als in den Tabellen ausgewiesen.

Leider reagieren sowohl Einkommensentwicklung als auch Beschäftigtenzahl im Bereich HR sehr stark auf konjunkturelle Einbrüche. Gerade große internationale Konzerne  sind der Beweis, dass Jobsicherheit nicht erste Priorität ist. Der aktuelle Aufschwung zeigt aber auch, dass – entsprechende Mobilität vorausgesetzt – rasch wieder neue Jobchancen entstehen. KMUs hingegen sind personell knapper besetzt, daher gibt es in der Krise weniger freizusetzen und im Aufschwung weniger aufzunehmen. Sie sind aber auch in ihren Personalinstrumenten eher weniger gut entwickelt als größere Unternehmen. Das heißt also mehr Personalverwaltung und -verrechnung, weniger Personalentwicklung und Total Compensation.

UnternehmensjuristInnen: Kein Unternehmen leistet sich einen angestellten Juristen, wenn das gleiche Know-How (zu vergleichbaren Kosten) von einer externen Anwaltskanzlei abgedeckt werden kann, außer es stehen permanente juristische Fragen an, beispielsweise im Vertragsrecht, international ebenso wie national etwa im Baubereich, bei öffentlichen Auschreibungen etc. Gehaltsexperte Bruno Gangel: „Da besteht dann auch hohe Jobsicherheit für fähige JuristInnen, wenn sie nicht nur den juridischen Kram drauf haben, sondern auch das Business selbst verstehen. Die Einkommen dabei sind am Berufsanfang gut, halten aber später mit Senior-Kräften aus Rechtsanwaltskanzleien natürlich nicht mit.“

Alle Gehaltsangaben als PDF zum Ausdrucken.

Je spezialisierter der Job, umso höher die Prämie

Personalfunktionen sind meist bereits gut integriert in variable Gehaltsmodelle. Üblich ist ein Relation von  90 % fix zu 10 % variabel, aber es gibt in internationalen Konzernen auch 80:20 Modelle. Generell gilt: Je höher oder je spezialisierter die Funktion, desto höher der variable Anteil. KMUs arbeiten oft auch mit Einmal- oder Jahresprämien, und in sehr konservativen Unternehmen kann reines Fixgehalt bestehen. Weitere Nebenleistungen gibt es dann, wenn es das Unternehmen allgemein so vorsieht, oder der Bedarf dafür besteht (Dienstwagen).

In der Serie Gehalt 2011 bisher erschienen:

Ihr Gehalt 2011: Mehr am Lohnzettel, weniger im Geldbörsel

Gehalt 2011 – IT und EDV: Wer mitlernt, verdient

Gehalt 2011 – Assistenz, Sekretariat, Administration: Trotz Spezialwissens oft unterbezhalt

Gehalt 2011 – Finanz und Rechnungswesen: Money, Money, Money

Gehalt 2011 – Produktion: Ausbildung und Unternehmensgröße entscheiden über Lohnhöhe

Gleicher Job, weniger Gehalt: Woher kommt der Einkommensunterschied

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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