Arbeitsplatz Theaterfundus: Zwischen High Heels und Kardinalsroben

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 27. April 2016 um 10:37

Gut 100.000 Kostüme auf mehr als 1,5 Kilometern Kleiderstangen, dazu noch 7.000 Paar Schuhe in mobilen Regalen und rund 10.000 Kopfbedeckungen: Der Fundus im Linzer Musiktheater ist das Reich von Renate Schuler. Wir haben uns mit der Fundusleiterin über ihre Karriere unterhalten und einen Rundgang durch den ungewöhnlichen Arbeitsplatz gemacht. Für euch haben wir außerdem eine Menge Fotos aus der textilen Schatzkammer mitgebracht.

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Renate Schuler

Renate Schuler

Gehröcke, Ballkleider, Gipsbeine, Kaiserkronen – der Fundus des Landestheater Linz ist für jede Produktion gewappnet. Was nicht auf einer der drei Etagen auf den Kleiderstangen zu finden ist, wird angefertigt oder zugekauft. Renate Schuler ist Fundusleiterin und damit Herrin über das textile Reich auf gut 1.400 Quadratmetern. Die Übernahme des Fundus hat sich in ihrer Karriere eher ungeplant ergeben, die Liebe zu Textilien begleitet sie aber bereits seit ihrer Ausbildung.

„Nach der Matura wollte ich zuerst nach Wien, bin dann aber an die Linzer Kunstuniversität an die Abteilung Textil. Damals gab es verschiedene Schwerpunkte, das war ideal, weil ich mich immer schon für Kostüm und Raum interessiert habe. Das waren im Studium auch meine beiden Schwerpunkte: Kleidung im großen Umfeld zwischen experimentell und angewandt sowie Rauminstallationen“, erzählt Schuler, die auch ein eigenes Modelabel betreibt.

Bewerbung am Theater: „Warum eigentlich nicht?“

Erste Kontakte mit der Theaterwelt knüpfte sie bereits während ihres Studiums. Für freie Theaterproduktionen fertigte Schuler immer wieder die benötigten Kostüme. Für die Produktion „A Clockwork Orange“ am Theater Phönix in Linz verantwortete Schuler die Kostüme – ihr erster großer Auftrag in der Theaterwelt, der zu freiberuflichen Aufträgen und dem ersten Assistenzvertrag am Haus führte. Für verschiedene Theaterhäuser im deutschsprachigen Raum hat Schuler immer wieder Kostüme und Bühnenausstattung gemacht. Beim Sprung ins Linzer Landestheater führte dann auch der Zufall Regie: „Es hat sich ergeben, dass mein Vorgänger aufgrund seiner Pensionierung den Fundusumzug ins neue Haus am Volksgarten nicht mehr planen und durchführen wollte. Es wäre sinnvoller, wenn das gleich der oder die Nachfolger/in erledigen würde. Ich dachte: Warum eigentlich nicht? Es wäre die einzigartige Gelegenheit, den Fundus komplett zu restrukturieren – und habe mich beworben.“ Der Umzug selbst war ein Großprojekt: An der alten Spielstätte nahm der Fundus elf Räume ein. Schuler musste alles vermessen, die Laufmeter in Tranchen einteilen, im neuen Fundus den notwendigen Platz kalkulieren und die die Systematik festlegen.

Mehr als 100.000 Kostüme sowie etliche Accessoires müssen erst einmal verwaltet werden. Wie viel Zeit bleibt da noch für Kreativität?

Schuler: Die Kreativität liegt jetzt in einem anderen Bereich. In meinem Vertrag habe ich ein Theaterstück fix drin und ich mache hier im Haus auch Ausstattungen. Aber das ist natürlich nur ein Teilbereich, mein Hauptjob ist die Verwaltung des Fundus. Durch die komplette Neustrukturierung des Fundus und die neue Hängung, nämlich aus Sicht einer Kostümbildnerin, ist das für mich schon kreative Arbeit. Ich arbeite außerdem am Datenbanksystem, in dem die Kostüme mit Inventarnummern erfasst werden. Es ist eine andere Art von Kreativität – aber trotzdem nicht unspannend.

Vom Fundus auf die Bühne: Wie kann man sich den Workflow im Theater vorstellen?

Schuler: Die Kostümbildner kommen als erstes zu uns und zum Kostümchef, dann findet eine Vorbesprechung statt – inklusive der Damen- und Herrenschneider und mir. Sie sagen uns, welche Kostüme sie sich für das Stück vorstellen. Meistens wissen sie bereits, dass nicht alles neu gefertigt werden kann. Vor allem bei großen Produktionen, für die hunderte von Kostümen benötigt werden, würde das nicht gehen. Dann wird kombiniert. Einige Dinge kommen aus dem Fundus, anderes wird eingekauft. Während der laufenden Produktion betreuen die Garderober die Kostüme. Sie übernehmen sie zu den ersten Hauptproben, helfen den Darstellern beim Umziehen, halten die Stücke instand oder reinigen sie. Nach Auflösung des Stückes kommen die Kostüme wieder retour in den Fundus.

Bildergalerie: Arbeitsplatz Theaterfundus

Bildnachweis: Kettner/karriere.at

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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