Für den Job übersiedeln? Jeder Zweite sagt ja, und das ist gut so

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt, HR am Dienstag, 12. Februar 2013 um 08:06

Flexibilität. Die goldene Kompetenz des 21. Jahrhunderts, nötig auf allen Ebenen und ein Garant für den beruflichen Erfolg. Stimmt das auch? Und sind wir Österreicher, wenn es um den Job geht, flexibel genug? Schauen Arbeitnehmer auf Jobsuche über den regionalen Tellerrand und rekrutieren Firmen auch über die Landesgrenzen hinaus? Diese Fragen stellte karriere.at seinen Usern per Online-Umfrage, und es zeigt sich: Die durchaus heimatverbundenen Österreicher sind flexibler als man vielleicht annehmen würde. Knapp jeder Zweite würde für einen Job den Wohnort wechseln, nur 18 Prozent sagen dazu: „Niemals!“

Ein Viertel würde eher pendeln, als die Koffer zu packen

Auf die Frage: „Würden Sie für einen Job übersiedeln?“ antworteten 12 Prozent der 668 User mit „Jederzeit und überall hin! Ich bin flexibel.“ Fast jeder Zweite Befragte (46 Prozent) meinte: „Grundsätzlich ja, aber nicht an jeden Ort.“ Zusammengezählt bedeutet dies, dass die Mehrheit der Österreicher bereit wäre, für einen Job zu übersiedeln. Fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) würde hingegen lieber zur Arbeit pendeln, als den Wohnort zu wechseln. Diese Einstellung merkt man übrigens auch in den steigenden Pendlerzahlen, die sich in den vergangenen Jahren allein in Oberösterreich sogar verdoppelt haben.

„Stimmt das Angebot, ist die Bereitschaft zu übersiedeln bei vielen gegeben“

Nur für 18 Prozent kommen weder ein Wohnort- noch ein Arbeitsplatzwechsel in Betracht. Sie antworten auf die Frage, ob Sie für einen Job übersiedeln würden mit: „Niemals. Ich arbeite, wo ich lebe!“ Welchen Stellenwert eine erfüllende berufliche Tätigkeit für die Arbeitnehmer hat, zeigt das Studienergebnis eindeutig. „Stimmt das Angebot des Jobs, ist die Bereitschaft dafür zu übersiedeln bei vielen auch gegeben. Eine wesentliche und nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei aber auch Faktoren wie der Standort oder zusätzliche Benefits, die von Arbeitgebern angeboten werden“, kommentiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid die Umfrage.

Flexibilität: Keine Frage, eine Notwendigkeit

Seitens der Arbeitnehmer zeichnet sich also ein klares Bild und die Flexibilität der Menschen ist größer, als der eine oder andere vielleicht meinen würde. Und diese wird, wie unter anderem die Prognosen der Statistik Austria zeigen, auch nötig sein: Denn Regionen, die bereits jetzt mit Abwanderung zu kämpfen haben, werden in knapp 20 Jahren noch weitere Arbeitskräfte verlieren. Die Städte werden im Gegenzug bis zum Jahr 2030 stark wachsen. Vor allem das östliche Österreich profitiert von dieser Entwicklung. Wie Mobilitätsforscher Andreas Knie im karriere.at-Interview erklärte, werden sich die Unternehmen auch in den kommenden Jahren auf die Ballungsräume konzentrieren und die Urbanisierung demnach zunehmen.

„Müssen uns entscheiden, wo wir leben wollen“

Mobilitätsforscher Andreas Knie

Mobilitätsforscher Andreas Knie

„Die Leute wollen am Land wohnen und die Stadt jedoch nicht missen“, ortet der Forscher das größte Problem in Hinblick auf Pendler und den zunehmenden Verkehr bei den Menschen selbst. „Wir müssen uns grundsätzlich einmal entscheiden, wo wir leben wollen“, erklärt Knie. Junge und ungebundene Arbeitnehmer haben es dabei, so der Sozialwissenschafter, sehr viel leichter. „Kommt der Job nicht zu ihnen, kommen sie zum Job.“ Für einen älteren Arbeitnehmer hingegen, der womöglich durch einen Kredit an ein Haus gebunden ist, bleibt meist kein Ausweg.

Unternehmen: Österreich geht vor

Doch wie sieht es seitens der Arbeitgeber aus? Auf die Frage „In welchem Umkreis rekrutieren Sie?“, meinten jeweils 21 Prozent der Arbeitgeber, nur auf regionaler Ebene bzw. innerhalb des eigenen Bundeslandes zu rekrutieren. Knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) gab an, in ganz Österreich nach geeignetem Personal zu suchen. Nur ein Drittel (34 Prozent) rekrutiert international. „Um im Rennen um qualifizierte Fachkräfte erfolgreich zu sein, reicht es auf Dauer nicht mehr aus, auf einen regional gut verbreiteten Ruf als interessanter Arbeitgeber zu bauen. Gerade Klein- und Mittelbetriebe können Arbeitnehmern trotz wenig zentralem Standort viele Benefits bieten, die letztlich zu deren Job-Entscheidung beitragen. Ob dies nun der Firmenwagen, Fitnessclub-Gutscheine oder eine familiäre Grundstimmung im Unternehmen sind: „Wichtig ist, dass diese Vorzüge im Sinne des Employer Brandings auch professionell kommuniziert werden“, so Smid.

Wundermittel „Home Office“

Was also reizt die Österreicher so sehr an einem Job, dass sie dafür ihren Lebensinhalt in Kisten packen würden? Der größte Anreiz für einen Umzug aus beruflichen Gründen ist, so eine Studie von Immobilienscout24.de, das Geld. Berufliche Freiräume, flexiblere Arbeitszeiten und Home Office wären zudem für 46 Prozent der Befragten starke Zugpferde in Richtung Umzug. Auch Sozialwissenschafter Knie sieht das Home Office als einen möglichen Ausweg aus dem Pendlertrott. „Home Office wird einen immer größeren Stellenwert bekommen, ermöglicht durch die größer werdende Ortsungebundenheit und die zunehmenden Möglichkeiten der Telematik.“ Ganz ersetzen werde dieses das Office jedoch nie.

Nicht ohne meine Familie

Die Familie bzw. der Partner sind ein, wenn nicht der entscheidende Faktor, wenn es ums Thema beruflicher Umzug geht: Jeder zweite Österreicher sagt demnach, dass ein neuer Wohnort auch den Angehörigen eine Perspektive bieten müsse. Familie und Freunde sind auch der häufigst genannte Grund gegen einen beruflichen Umzug. Spannend ist übrigens, dass für mehr als ein Viertel (29 Prozent) der von Immobilienscout24 befragten Arbeitnehmer nur ein Umzug aufs Land oder in eine kleinere Stadt infrage komme. Die Großstadt ist für diese Gruppe als Lebensmittelpunkt undenkbar. Denkt man bei dieser Aussage an die oben beschriebene Entwicklung am Österreichischen Arbeitsmarkt, zeigt sich schnell, dass wohl bei dem einen oder anderen noch ein Umdenken passieren wird müssen.

Bildnachweis: Pikoso.kz / Quelle Shutterstock, Goodluz / Quelle Shutterstock, Grafiken: karriere.at

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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