Alte Hasen und junge Hüpfer: Gibt es Unterschiede in der Führung?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 16. April 2015 um 10:28

Führen frisch ernannte Führungskräfte anders als Chefs, die bereits seit Jahren im Sattel sitzen? Dieser und anderen Fragen ging der aktuelle Hernstein Management Report nach. Hinsichtlich Weiterbildung und aktivem Lebensstil gibt es einige Unterschiede. Etwas haben alle Altersgruppen aber gemeinsam: Die Herausforderungen an die Managementebene sind spezieller geworden, Führungsstile müssen sich wandeln.

Jung und alt – wer führt wie?

Von Führungsstil bis Managementstrategien: Beurteilen frisch gebackene Chefs Führungsthemen anders als ihre altgedienten Kollegen? Das Hernstein Institut hat sich unter 1.200 Führungskräften in Deutschland und Österreich umgehört und folgendes zum Thema Führung herausgefunden: Junge Führungskräfte (mit weniger als drei Jahren Führungserfahrung) bilden sich öfter während der Arbeitszeit weiter, legen größeren Wert auf einen aktiven Lebensstil und machen häufiger Pausen.

  • 62 Prozent der jungen Führungskräfte absolvieren Weiterbildungen komplett oder überwiegend in ihrer Arbeitszeit. Bei Führungskräften mit über 20 Jahren Managementerfahrung sind es 47 Prozent. Was die Übernahme der Kosten durch den Arbeitgeber betrifft, sieht es bei beiden Altersgruppen ähnlich aus: Bei jungen Chefs übernimmt die Firma zu 76 Prozent den überwiegenden oder kompletten Teil der Kosten, bei langjährigen Führungskräften sind es 72 Prozent.
  • Mit frisch ernannten Führungskräften wird dafür öfter eine Rückzahlungsvereinbarung für absolvierte Weiterbildungen abgeschlossen. Arbeitgeber sichern sich so gegen das Risiko einer Fluktuation nach der Investition in Workshops und Kurse ab. 34 Prozent der jungen Führungskräfte haben so eine Vereinbarung unterzeichnet. Bei langjährigen Chefs sind es 22 Prozent. Karrierewege sind unruhiger geworden, Arbeitgeber reagieren darauf.  „Dies hat Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und hier insbesondere auf die sozialen Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten“, ist Eva-Maria Ayberk, Leiterin des Hernstein Instituts, überzeugt. „High Potential Entwicklung und Talent Management sind relativ neue Ansätze in der Führungskräfteentwicklung und die nächste Stufe ist schon da: der War for Talents“.

Etwas eint alle Führungskräfte, egal ob altgedient oder frisch im Rennen: Die Anforderungen, die an das Management gestellt werden. „Früher musste eine Führungskraft vor allem ein guter Manager sein: Die Dinge richtig tun, Vorgaben umsetzen, Planziele verfolgen, Projekte optimieren, am Besten einige eigene Vorschläge einbringen und bei den ganzen Anforderungen noch die Leute bei der Stange halten“, erklärt Eva-Maria Ayberk. „Die Welt funktionierte noch nach dem unmittelbaren Austauschprinzip Arbeit gegen Leistung – Mehrarbeit gegen Mehrleistung. Trainings, Seminare und Boni haben dabei unterstützt.“

Führung im Wandel

Heute sieht das Thema Führungsstil schon ganz anders aus: Arbeitgeber haben andere Erwartungen an ihre Führungskräfte und Arbeitnehmer wünschen sich neue Führungsstile statt strenger Hierarchien und Dienst nach Vorschrift.  64 Prozent der jungen Führungskräfte und 66 Prozent der langjährigen Führungskräfte geben an, dass Mitarbeiter heute anders geführt werden wollen als noch vor einigen Jahren. Leadership und sinnstiftendes Arbeiten stehen in der Managementebene aktuell höher im Kurs, als noch vor einigen Jahrzehnten. Unternehmen haben andere Erwartungen an ihre Führungskräfte als vor einigen Jahren: 71 Prozent der junggedienten und 79 Prozent der erfahreneren Führungskräfte sind dieser Ansicht.

Hernstein FührungViel Erfahrung – wenig Pausen

Körperliche Fitness ist übrigens allen Generationen wichtig. 62 Prozent der jungen und 65 Prozent der langjährigen Führungskräfte fühlen sich größtenteils körperlich fit. Rund zehn Prozent gaben sogar an, zu hundert Prozent körperlich fit zu sein. Im Gesundheitsverhalten zeigen sich jedoch Unterschiede: Ältere Führungskräfte lassen Pausen häufiger ausfallen. Beim Sport haben die Jungen die Nase ein kleines bisschen weiter vorn: 64 Prozent betreiben regelmäßig Ausdauersport, bei den „alten Hasen“ sind es 60 Prozent.

Zum Report

Der Hernstein Management Report erhebt seit 16 Jahren ein Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmenseigentümern in Österreich und Deutschland. Für die aktuelle Ausgabe wurden im Mai 2014 1079 Personen und im Oktober 2014 1294 Personen befragt. Der gesamte Report mit allen Detailergebnissen ist hier zu finden.

Bildnachweis: totallyPic.com/ Shutterstock, Hernstein Institut für Management und Leadership (Grafik)

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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