Wie Führungskräfte unangenehme Entscheidungen transportieren (sollten)

von in Arbeitsleben, HR am Donnerstag, 28. April 2011 um 10:42

Läuft alles glatt, kann Arbeiten Spaß machen – vor allem dann, wenn man selbst Führungskraft ist. Man hat Gestaltungsmöglichkeiten, kann laufend Erfolge an die Unternehmensleitung berichten und darf ein motiviertes Team leiten. Das kann sich aber schnell ändern. Wie Führungskräfte in stürmischen Zeiten reagieren sollten und warum die Information der eigenen Mitarbeiter das Um und Auf ist, erklärt Psychologin Christa Schirl-Russegger.

Vor vier Jahren stieg ich als Führungskraft in ein florierendes Unternehmen ein. Damals war Führen ein Kinderspiel. Das Team wurde permanent vergrößert, Prämien wurden ausgeschüttet und Weiterbildungsmaßnahmen großzügig gewährt. Jetzt ist es anders, weil sich die Konkurrenzsituation am Markt durch die Krise verändert hat. Schwierige Entscheidungen stehen bevor. Statt Prämien winken drastische Sparmassnahmen. Wie transportiere ich unangenehme aber notwendige Entscheidungen?

Ein Schönwetter-Kapitän hat es leicht. Keine Stürme. Keine Wellen. Kein Notfall. Ob der Kapitän etwas taugt, zeigt sich erst bei einer Flaute oder im Sturm. Gerade in schwierigen Phasen erwarten Teams von Führungskräften Führung, Orientierung und Halt. Gleichzeitig müssen Führungskräfte in Wendezeiten Unangenehmes durchsetzen und haben Angst, sich unbeliebt zu machen.

Führungskräfte-Credo: Krisenmanagement ist Chancenmanagement

Für Sie gilt: Informieren Sie Ihre Teams möglichst früh und offen über den aktuellen Stand des Unternehmens und über Maßnahmen, die getroffen werden müssen. Transparenz wirkt der Gerüchteküche entgegen und Ihre Belegschaft kann einschätzen, an welchem Punkt das Unternehmen steht. Ziel jeder Krisen-Kommunikation ist die Ent-Dramatisierung, um die Handlungsfähigkeit des Teams wieder herzustellen. Zeigen Sie Wege auf, wie die Krise gemeistert werden kann. Krisenmanagement ist Chancenmanagement. Welche Meilensteine müssen gesetzt werden, damit das Unternehmen wieder auf einen Erfolgskurs kommt?

Auch Teilziele sind Ziele

Dabei ist es wichtig, Mitarbeiter über das Erreichen von Teilzielen zu informieren. So bleibt das Team auf dem aktuellen Stand und hat das Gefühl, wir sind auf dem richtigen Weg.  Bei unbequemen Entscheidungen heißt es, Rückrat zeigen: Verstecken Sie sich nicht hinter der Firmen-Leitung. Sanierung heißt auch, sich von unnötigem Ballast zu trennen und von zwei Übeln das kleinere wählen zu müssen. Dabei hat die Existenzsicherung der Gesamtorganisation Vorrang gegenüber den Bedürfnissen eines einzelnen Mitgliedes. Für eine Führungskraft ist es ein Balance-Akt, sich bis zu einem gewissen Grad von der Emotionalität der Mitarbeiter berühren zu lassen und trotzdem bei dem zu bleiben was, wohl überlegt und mit hohem Verantwortungsbewusstsein, entschieden wurde. Bei unangenehmen Reaktionen hilft das Wissen, zwischen der eigenen Person und der Rolle als Führungskraft unterscheiden zu können.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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