Freiheit für freie Dienstnehmer? – Die Arbeitswelt der Frau S.

von in Arbeitsleben am Freitag, 22. August 2014 um 10:45

Morgens gemütlich frühstücken, noch im Pyjama auf dem Sofa vor sich hinarbeiten und wenn man eine Auszeit braucht: Kein Problem! Als freier Dienstnehmer hat man schliesslich alle Freiheiten der Welt und ist sein eigener Boss. Wer das glaubt, den holt Frau S. heute ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Weitere Artikel zum Thema

Die freie Arbeitswelt – Paradies oder Hölle?

Freie(r) Arbeitnehmer(in) … Zuerst einmal klingt das nach paradiesischen Zuständen, nach freier Zeiteinteilung, nach Freiheit und Selbstbestimmung. Am Anfang läuft es auch meistens noch ganz prima. Die ersten Aufträge und Jobs laufen gut an, man fragt sich: Ja, dass nicht mehr Menschen frei arbeiten wollen? Die Wochenplanung ist grandios, man muss auch keinen Urlaubsantrag stellen bzw. Monate vorher schon planen – man verreist einfach so, wenn es einen eben gerade überkommt. Und generell scheint das Leben einfach nur schön zu sein. Ganz schlau legt man schon mal für „schwerere Zeiten“ immer etwas auf die Seite, rechnet die Sozialbezüge dazu bzw. natürlich ab – alles doch gar kein Problem, freier Arbeitnehmer zu sein? Oder vielleicht doch?!

Bürokratismus für Anfänger

Erstes kleines Manko ist, dass das Geld nicht monatlich und automatisch auf das Bankkonto überwiesen wird – nein – man muss sich selbst darum kümmern. Das heißt, Rechnungen schreiben ist von nun an angesagt. Klar, nach der ersten Vorlage geht alles schon schneller – dennoch, niemand nimmt einem diese Arbeit ab, von den anderen zusätzlichen Aufgaben einmal ganz abgesehen. Aber davon lässt man sich zunächst einmal bestimmt nicht die gute Laune verderben.

Erster Kontakt mit der Steuerwelt

SteuererklaerungNach einem Jahr ist dann auch die erste Einkommenssteuererklärung fällig. Manche können sich einen Steuerberater leisten, die meisten probieren es aber einfach mal auf eigene Faust aus, denn immerhin kostet dieser Berater wieder etwas und so schwer kann das doch nicht sein?! Doch, kann es! Es gibt so viele Lücken und Tücken, die man als Normalsterblicher einfach nicht wissen kann und guter Rat ist hier vielleicht teuer, aber alle mal wert – zumindest bei der ersten Steuererklärung. Mit etwas Glück kennt man auch einfach jemanden, der weiterhelfen kann. Denn das eigentliche Ziel wäre es doch, am Ende des Jahres einen kleinen Gewinn erzielt zu haben und nicht das ganze Geld an SVA und Fiskus weitergeleitet zu sehen.

Steuerliche Grenzgänger

Hier kommen wir gleich zu einem weiteren „anstrengenden“ Punkt: der Verdienstgrenze. Es ist ein ständiges Kalkulieren und Jonglieren der Einnahmehöhen und Aufträge. Soll ich diesen Job noch annehmen? Wenn ja, komme ich dann über die erste unliebsame Verdienstgrenze hinaus und muss dann mehr abgeben, was für mich letztendlich bedeutet, dass ich diesen Job ja im Grunde genommen völlig umsonst mache? Was aber, wenn ich diesen Job ausschlage und ein anderer Auftrag doch noch flöten geht, dann verdiene ich zu wenig dieses Jahr. Kommt dann noch ein anderes Angebot rein, verdiene ich dann wieder zu viel – und so weiter und so fort. Außenstehende werden sich sicher wundern, dass man überhaupt Angst vor einem „zu großen“ Verdienst haben kann. Ja, kann man. Denn es geht hier nicht darum, extrem viel mehr zu verdienen, sondern gerade so viel, dass man mehr versteuern muss und einem im Endeffekt weniger bleibt. Vor allen Dingen geht es bei den meisten freien Arbeitnehmern nicht um Großverdiener. Die meisten kommen nach den zahlreichen Abgaben gerade mal so über die Runden.

Kranksein ausgeschlossen

Krank in der ArbeitAuch wenn man es nicht glauben möchte, aber als freier Dienstnehmer ist man ebenfalls nicht vor Krankheiten gefeit. Da die „schützende Hand“ des Krankenstandes fehlt, muss man sich entscheiden: Schleppt man sich zum Job oder lässt das Geld mal Geld sein und schaut, dass man wieder gesund wird. Schon drei Tage ohne Einkommen können manchmal wirklich schmerzhaft sein. Wen es sogar richtig erwischt, der kann wirklich froh sein, eine Arbeitsausfallsversicherung abgeschlossen zu haben. Aber wer denkt denn bitte daran, in der Blüte seines Lebens längere Zeit auszufallen? Krank werden oder einen Unfall erleiden, das betrifft natürlich immer nur die anderen und hier kommt wieder der Kostenfaktor hinzu – recht günstig sind Versicherungen ja auch wieder nicht.

Geld oder Freiheit?

Zweimal im Jahr muss man als freier Arbeitnehmer ebenfalls stark sein. Während Bekannte und Freunde – und in manchen Fällen sogar Arbeitskollegen – sich im Juni und Dezember über ihr Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld wie die Schneekönige freuen, steht man selbst nur daneben und redet sich ein: Das habe ich doch gar nicht nötig … ich habe dafür meine Freiheit. Freiheit ja, aber um welchen Preis. Die Sozialversicherungsanstalt und ihre Tücken möchte ich in diesem Artikel gar nicht einmal berücksichtigen.

Es kann auch schön sein

Es ist nicht so, dass die Welt des freien Arbeitnehmers nur schlecht ist. Wer sich gut zu strukturieren und zu informieren weiß, sich gut verkaufen und auf ein regelmäßiges Einkommen verlassen kann, hat bestimmt ebenfalls ein schönes Leben. Auch ich habe es einige Jahre genossen. Allerdings sollte man sich der Schattenseiten einfach bewusst sein. Alles ist machbar und lösbar, man muss aber immer auf Überraschungen gefasst sein.

Ich für meinen Teil habe mich wieder dafür entschieden, in die Welt der Angestellten einzutreten und muss ehrlich gestehen … es ist paradiesisch: Ein fixes monatliches Einkommen, Krankenversicherung und Pensionsvorsorge inklusive, im Falle des Falles bezahlter Krankenstand, zusätzliches 13. und 14. Gehalt, bezahlter Urlaub, sich keine Gedanken über Abgaben etc. mehr machen müssen…

Eigentlich schade, dass es einem als freien Dienstnehmer nicht ebenfalls immer so leicht gemacht wird … Trotzdem kann zum Glück jeder für sich entscheiden und für sich immer das Beste daraus machen!

Bis zum nächsten Mal, eure Frau S.

Über die Autorin

Man könnte mich als Globetrotterin der Arbeitswelt bezeichnen. Die verschiedensten Wege bin ich bereits gegangen und unterschiedlichste Jobs sowie Job-Positionen haben meine berufliche Reise geprägt. Manch einer wird sich deswegen bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden. Wenn nicht, dann vielleicht zumindest den einen oder anderen Tipp und Trick für seinen Weg mitnehmen können. Die Welt der Arbeit mal von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mittendrin und voll dabei lautet bei mir das Motto (auch in meinem Blog: santown’s blog). Viel Spaß beim Eintauchen in die Arbeitswelt der Frau S.!

Bildnachweis: Mila Supinskaya / Shutterstock, Stokkate / Shutterstock, Happy Together / Shutterstock

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren